Deutsche Oper am Rhein

Gala-Konzert in Duisburg: Liebesgrüße aus Moskau

Generalintendant Christoph Meyer schätzt die russische Kultur sehr, und die Völkerverständigung ist ihm ein Herzensanliegen.

Generalintendant Christoph Meyer schätzt die russische Kultur sehr, und die Völkerverständigung ist ihm ein Herzensanliegen.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  120 Musiker der Helikon-Oper gestalten einen Abend mit Tschaikowsky und Verdi im Duisburger Theater. Herzensanliegen Völkerverständigung.

Die Zusammenarbeit und künstlerische Freundschaft zwischen der Deutschen Oper am Rhein und der Helikon-Oper in Moskau erreicht mit einem Gala-Konzert zum ersten Mal Duisburg am Samstag, 26. Oktober, um 19 Uhr im Stadttheater; einen Tag später ist das Konzert dann im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben. Unter dem Titel „With Love from Moscow“ gastieren Solisten, Chor und das Orchester der Helikon-Oper unter der Leitung von Valery Kiryanov mit Auszügen aus Opern von Peter Tschaikowsky und Giuseppe Verdi. Generalintendant Christoph Meyer erläutert im Interview die Hintergründe der Zusammenarbeit.

Welche Rolle spielt die Helikon-Oper in Moskau?

Christoph Meyer: Dmitri Bertman hat das Ensemble 1990 gegründet – im einem ganz kleinen Saal – und jahrelang dafür gekämpft, das Haus zu erweitern. Es liegt in einer sehr angesagten Gegend, man geht nur eine Viertelstunde zum Bolschoi und fünf Minuten zur Tschaikowsky-Hochschule. Aus den Raum zwischen zwei Straßenzügen ist ein ganz besonderes Theater Theater entstanden, das vor vier Jahren eröffnet wurde..

Und das Kulturleben in der russischen Hauptstadt?

Es gibt fünf Opernhäuser, davon im Universitätsviertel eine riesige Oper nur für Kinder, wo 800 Leute arbeiten. Neben der Helikon-Oper liegen mehrere Theater, und ein neues hochmodernes Konzerthaus wurde gerade eröffnet. Das Faszinierende, was mich auch zu dieser Zusammenarbeit bewegt, ist: Wenn Sie dort abends langgehen, sehen Sie riesige Schlangen vor den Häusern – und zwar Menschen aller Generationen. Die Häuser sind voll.

Woher rührt diese Begeisterung für Kultur?

Was dort an kultureller Grundbildung in der Schule stattfindet, ist sehr beeindruckend. Dort werden die Kinder schon sehr früh mit Kunst und Kultur vertraut gemacht. Ich habe mal ein etwa vierjähriges Kind im Museum erlebt, das auf einem Bild Puschkin erkannt hat.

Wie haben Sie Dmitri Bertman kennengelernt?

Dima und ich waren gemeinsam in der Jury des internationalen Belvedere-Gesangswettbewerbs, der bis 2012 immer in Wien stattgefunden hat und inzwischen weltweit ausgetragen wird. Wir kennen uns so seit 20 Jahren.

Viele junge Menschen studieren Gesang und streben das auch beruflich an

Sie sind ja häufiger bei Wettbewerben und Vorsingen in Russland.

Ab und an fahre ich dort hin, um nach neuen Sägern fürs Opernstudio zu schauen. Einmal hat man mich eine Stunde lang rausgefahren an den Rand der Stadt, in einen Hochhaussiedlung. Und mittendrin eine Musikschule, und in jedem Zimmer gab es Kinder, die Musik machten. Es gibt ein unglaubliches Potenzial an jungen Menschen, die Gesang studieren und die sehr viel Kraft in den Wunsch stecken, diese Kunst, die man gelernt hat, auch beruflich machen zu können. Das ist schon faszinierend.

Es wurde dann eine intensivere Zusammenarbeit, als Sie Dmitri Bertman eingeladen haben, hier den „Goldenen Hahn“ zu inszenieren?

Ja, Dima ist seit vielen Jahren auch international tätig – in Toronto, Stockholm und war gerade in Barcelona. „Der Goldene Hahn“ hier war eine sehr schöne und erfolgreiche Koproduktion, die jetzt in Moskau zu sehen ist.

Sind die aktuellen Konzerte vom Festival „Russian Season“ angeregt worden?

Sie sind Konzerte des Festivals. Darüber hinaus sind Düsseldorf und Moskau sind ja Partnerstädte. In diesem Rahmen haben wir 2018 in Düsseldorf ein Konzert veranstaltet mit Sängern der Helikon-Oper und unseren Ensemblemitgliedern. Dann gab es 2018 den Gegenbesuch in Moskau. Und gerade erst vor zwei Wochen sind wieder Sängerinnen und Sänger der Helikon-Oper und der Deutschen Oper am Rhein gemeinsam bei einem kleinen Konzert anlässlich der „Düsselorfer Tage in Moskau“ aufgetreten. Im Publikum war eine Delegation aus Düsseldorf und viele Kulturträger aus Moskau. Das war ein wirklich schöner Abend.

Kunst und Kultur kennen keine sprachlichen oder politischen Grenzen

Was ist für sie an diesem Kulturaustausch wichtig?

In unserer Oper arbeiten Menschen aus derzeit 38 verschiedenen Nationen. Und für mich ist dieser Austausch – genau wie andere internationale Projekte – einfach ein aktiver Beitrag zur Völkerverständigung. In der Politik werden häufig Grenzen gezogen, die im täglichen Leben der Menschen und vor allem auch in solchen Momenten gar keine Rolle spielen. Durch solche gemeinsame Aktionen können wir verdeutlichen, dass Kunst und Kultur keine sprachlichen oder politischen Grenzen kennen.

Und was hat es mit der „russischen Jahreszeit“ auf sich?

„Russian Season“ gibt’s im dritten Jahr, das erste Gastland war Japan, dann war es Italien und jetzt ist es Deutschland. Insgesamt gibt es 453 russische Veranstaltungen in 77 deutschen Städten, die vom russischen Kulturministerium finanziert werden. Die Helikon-Oper kommt mit 120 Leuten – Chor, Orchester, Dirigent und zwölf Solisten.

Russland hat durch unsere Freundschaft eine gewisse Priorität

Das ist mal ein Aufschlag. Diese Art von kultureller Verständigung ist Ihnen ein Herzensanliegen?

Insgesamt die Völkerverständigung. Wir haben internationale Kontakte und freundschaftliche Beziehungen zu vielen anderen Opernhäusern und Kollegen und legen darauf großen Wert. Russland hat jetzt durch unsere Freundschaft eine gewisse Priorität, die aber auch etwas damit zu tun hat, dass ich die russische Kultur und unser wunderbares gemeinsames Erbe wie Puschkin oder Tschaikowsky sehr schätze.

Noch einmal nach Duisburg. Wie war der Start in die Saison?

Das große Haniel Open Air war wie immer eine wunderbare Veranstaltung, für die wir alle ganz dankbar sind. Momentan probt Axel Kober in Duisburg Götterdämmerung, was wir ja wegen des Wasserschadens bislang nicht auf der Bühne vorbereiten konnten. Es ist toll, dass die Stadt in ihrer schwierigen Lage sofort Geld in die Hand genommen hat, um die Reparaturen schnell machen zu können.

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