Flüchtlinge

Fotoausstellung zeigt in Duisburg die Geschichte der Flucht

Stephanie Aholt von der Duisburger Gruppe von Amnesty International und Björn Hensel, Pfarrer an der Jesus-Christus-Kirche, zeigen das erste Bild der Flucht-Ausstellung in Duisburg: Ein Bild des „Magnum Photos“-Gründers David „Chim“ Seymour.

Stephanie Aholt von der Duisburger Gruppe von Amnesty International und Björn Hensel, Pfarrer an der Jesus-Christus-Kirche, zeigen das erste Bild der Flucht-Ausstellung in Duisburg: Ein Bild des „Magnum Photos“-Gründers David „Chim“ Seymour.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Buchholz.  In einer Buchholzer Kirche gibt es jetzt eine Fotoausstellung zum Thema Flucht. Warum eine falsche Blumenwiese eine traurige Geschichte erzählt.

Die Geschichte der Flucht von Menschen aus Krisengebieten ist so lang wie die Geschichte der Menschheit selbst. Ganz aktuell ist natürlich die Flüchtlingssituation in Syrien und dem Nahen Osten, damit – und mit anderen Flüchtlingssituationen der letzten 70 Jahre – beschäftigt sich jetzt eine Fotoausstellung in der Jesus-Christus-Kirche in Buchholz. Die Duisburger Gruppe von Amnesty International stellt Bilder des renommierten Fotografenkollektivs „Magnum Photos“ aus, Stephanie Aholt von Amnesty und Pfarrer Björn Hensel sprachen über die Geschichte der Flucht in der Bibel und über ein Foto einer Blumenwiese, die leider gar keine ist.

Anlass der Ausstellung ist der 70. Geburtstag der Menschenrechtserklärung im vergangenen Jahr, genauso wie die vielen Verletzung der Vereinbarung, die es auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab. „Wir waren ja fast alle irgendwann einmal Flüchtlinge“, erklärt Stephanie Aholt, deren Eltern aus der DDR geflohen sind.

Flüchtlinge werden oft skeptisch beäugt

„Die wurden hier ganz schön misstrauisch beäugt, so wie die Geflüchteten heute auch.“ Gerade in NRW sei die Integration schon immer ein großes Thema gewesen und auch jetzt wieder von immenser Bedeutung.

Pfarrer Björn Hensel und das Presbyterium der Gemeinde haben die Kirchenräume zur Verfügung gestellt – aus gutem Grund. „Die Kirche beschäftigt sich ja schon lange mit der Flucht“, sagt Hensel und verweist auf den Exodus oder die Flucht der heiligen Familie vor Herodes. „Es ist auch ein Teil unseres Auftrags, denen zu helfen, die sich zur Flucht genötigt sehen.“ Unabhängig von Hautfarbe, Religion und Geschlecht müsse man helfen, wie es schon in der Geschichte des barmherzigen Samariters gelehrt wird.

Pfarrer: Beim Thema Flucht wird die Stimmung ins Negative manipuliert

Das Thema Flucht, erinnert Björn Hensel, sei 2015 natürlich noch einmal besonders ins öffentliche Bewusstsein gerückt. „Da wurde die Stimmung aus bestimmten Ecken ins Negative manipuliert, das hat dem Thema nicht gut getan“, ärgert sich Hensel. „Klar ist es schwierig, die Menschen zu integrieren“, ergänzt Aholt, „aber wenn man die Menschen als Individuen sieht und nicht nur als eine große Zahl, wird es einfacher.“

Solche Individuen geben auch auf dem ersten Foto der Ausstellung der Flüchtlingssituation ein Gesicht, auf einem Bild der Magnum-Gründers David „Chim“ Seymour. Kinder in Griechenland sitzen 1948 mit Tassen auf dem Boden und warten verzweifelt auf die Nahrungsausgabe. Direkt nebenan sitzt eine Familie in Kobane auf den Trümmern ihres Hauses und ihrer Existenz, aufgenommen 2015.

Die Fotos der Ausstellung sind künstlerisch hervorragend

Andere Bilder, allesamt übrigens künstlerisch hervorragend, zeigen Menschen im Vietnam, die vor US-Napalm fliehen; Bootsflüchtlinge, die 2011 vor der Küste Italiens um ihr Leben und ihre Hoffnung kämpfen, und die Füße eines Flüchtlings im Zweiten Weltkrieg in seinen völlig zerrissenen Schuhen.

Besonders nahe gehen die Bilder der aktuellen Flüchtlingssituation. 2016 versammeln sich Flüchtlinge in Griechenland um eine Steckdosenleiste wie um ein Lagerfeuer, um ihre Handys aufzuladen – der einzige Kontakt zur Familie in der Heimat. Ein anderes Foto zeigt eine Blumenwiese mit Klatschmohn. Doch wer näher an das Bild herantritt, enttarnt die Mohnblumen als rote Rettungswesten. Zu sehen ist der Rettungswestenfriedhof auf Lesbos, ein stummes Denkmal der Menschen, die es über das Meer geschafft haben.

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