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Fassade geräumter Häuser ist ein „enormes Sicherheitsrisiko“

Aufgrund von Brandschutzmängeln mussten mehr als 200 Anwohner an der Husemannstraße 1 bis 3 ihre Wohnungen verlassen.

Aufgrund von Brandschutzmängeln mussten mehr als 200 Anwohner an der Husemannstraße 1 bis 3 ihre Wohnungen verlassen.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.  In Duisburg wurden zwei Hochhäuser mit 200 Mietern wegen Brandschutzmängeln geräumt. Die Gefahr ist offenbar sogar größer als gedacht.

Großbritannien erlebte die größte Feuerkatastrophe der Nachkriegszeit, als in der Nacht zum 14. Juni 2017 ein explodierender Kühlschrank einen Brand in einer Wohnung im vierten Stock des Grenfell Towers auslöste. Binnen Minuten breiteten sich die Flammen über die brennbare Außenfassade des Wohnblocks in die oberen Stockwerke aus. Für viele gab es kein Entkommen aus der Feuerfalle. 72 Menschen starben.

In der Folge wurden auch in Deutschland zahlreiche Hochhäuser von den Behörden überprüft. Das Hannibal-Hochhaus in Dortmund etwa wurde wegen Brandschutzmängeln gesperrt. Ende 2020 soll dort nach Sanierung und Umbau wieder Leben einkehren.

In Duisburg war bisher kein solcher Fall bekannt. Doch das scheint sich nun geändert zu haben. Wie unsere Redaktion erfahren hat, scheint die Lebensgefahr in den von der Stadt bereits im Februar geräumten Häusern an der Husemannstraße 1 und 3 noch größer gewesen zu sein als bislang gedacht.

Erinnerungen an Grenfell-Tower-Katastrophe in London

Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt Stadtsprecherin Anja Kopka, dass der Eigentümer einen Brandschutzsachverständigen mit der Erstellung eines Sanierungskonzeptes beauftragt hat. Gleichzeitig sei damit begonnen worden, erste Mängel abzustellen.

Dabei habe das vom Eigentümer beauftragte Sachverständigenbüro auch die Fassadenelemente des Hauses von einem Prüfinstitut untersuchen lassen. Das Ergebnis: Die Proben waren hochbrennbar und der Versuch musste wegen extremer Rauchentwicklung und Flammenausbreitung abgebrochen werden, berichtet die Stadt. „Der Brennwert der Einzelkomponenten überschritt die Grenzwerte bei weitem“, so Anja Kopka.

Das bedeute, dass die Fassade im jetzigen Zustand ein enormes Sicherheitsrisiko darstelle, das beseitigt werden muss.

„Bei allem Verständnis für die schwierige Situation der Mieter ist eine Rückkehr in die Husemannstraße derzeit nicht absehbar. Der dramatische Brand der Londoner Grenfell Tower hat in erschreckender Weise gezeigt, wie gefährlich ein Brandüberschlag über eine Fassade sein kann“, betont die Stadtsprecherin.

Die Stadtverwaltung betont, dass dieses Untersuchungsergebnis der Brandschutzsachverständige des Vermieters zutage getragen hat. Das klarzustellen ist der Stadt deshalb wichtig, weil mitunter der „Irrglaube“ vorherrsche, es läge an einer bürgerunfreundlichen Bauordnung, dass die Mieter nicht zurück in ihre Wohnungen können.

Sieben Mieter noch in Notunterkunft

Die nun notwendigen Maßnahmen könnten indes nur vom Eigentümer eingeleitet und ausgeführt werden. Die Stadt Duisburg werde das Verfahren aber „konstruktiv im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten“ begleiten.

Aktuell sind in der Notunterkunft an der Memelstraße noch sieben Mieter untergebracht. Die Stadt hat den Mietern bislang über 100 Wohnungsangebote gemacht.

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