Strom

„Energiearmut“ in Duisburg durch Beratung bekämpfen

Energieberater und Diplom-Ingenieur Rainer Bank misst den Stromverbrauch diverser Geräte in den Wohnungen seiner Kunden, um die „Stromfresser“ zu identifizieren.

Energieberater und Diplom-Ingenieur Rainer Bank misst den Stromverbrauch diverser Geräte in den Wohnungen seiner Kunden, um die „Stromfresser“ zu identifizieren.

Foto: Morris Willner

Duisburg.  Rainer Bank ist Energieberater in Duisburg. Er sucht bei Menschen mit geringen Einkommen die Ursachen für einen hohen Stromverbrauch

Wenn Duisburger die Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, oder die Rechnung ungewöhnlich hoch ausfällt, hilft Energieberater Rainer Bank weiter. Er schaut, wo Strom eingespart werden kann und was mögliche Energiefresser sind. Besonders oft berät er Menschen aus Duisburg und besucht sie dafür Zuhause.

Mit Ipad und Messgerät unterm Arm macht sich Rainer Bank auf den Weg zu Daniela Rotter. Die Rheinhausenerin hat sich über die hohen Kosten für den Strom erschrocken: „Ich bin stutzig geworden, als die Rechnung bei 125 Euro lag, obwohl ich nur 60 Euro Abschlag bezahle. Ich habe nur ein paar Geräte.“ Geduldig hört ihr der Ingenieur zu und tippt die Quadratmeterzahl von Daniela Rotters Wohnung in sein Tablet ein. Mit der Hilfe einer speziellen App kann er ermitteln, ob der Stromverbrauch für ihre Wohnung normal ist. Wenn am Ende der Beratung alles eingetragen ist, bekommt sie einen Bericht mit möglichen Ursachen und Tipps.

Verbrauch im roten Bereich

Der Bedarf der Zeitungszustellerin liege deutlich über dem normalen Wert für einen Einpersonenhaushalt – laut App im roten Bereich. „Wir gucken uns alle Geräte, den Zähler und die Steckdosen an“, erklärt Rainer Bank. Die erste Kontrolle führt der Energieberater im Keller am Stromzähler durch. Wurde der richtige Zähler abgelesen? Läuft der Zähler weiter, obwohl alle Sicherungen raus sind? Hat ein Nachbar die falsche Steckdose beim Waschen benutzt? Mit ein paar Handgriffen und einem prüfenden Blick stellt Rainer Bank fest, dass der Fehler nicht im Keller liegt.

Fehlersuche in Keller und Wohnung

Die Fehlersuche geht in der Wohnung von Daniela Rotter weiter. Auch der ältere Kühlschrank, der direkt neben der Heizung steht und länger nicht mehr abgetaut wurde und die Herdplatte seien nach Banks Messungen nicht an einem derartig hohen Verbrauch schuld. „Ich hatte echt die Sorge, dass bei mir jemand Strom abzapft“, beklagt Daniela Rotter. Das komme nach den Erfahrungen von Rainer Bank in Duisburg äußerst selten vor. Es sei in ihrem Fall auch nicht möglich, da der Stromzähler nicht weiterläuft, wenn alle Sicherungen ausgeschaltet sind.

„Bei den meisten Kunden liegt der hohe Stromverbrauch am langen Duschen. Ein Durchlauferhitzer braucht viel Energie“, erklärt Rainer Bank. Den hat sie aber weder im Bad noch in der Küche.

Bei Daniela Rotter konnte Rainer Bank keine konkrete Ursache finden. Er bezweifelt, dass der Zählerstand richtig sei, den Daniela Rotter vom Hausmeister bei ihrem Einzug bekommen hat. „Ich wusste nach dem Einzug nicht einmal, was mein Stromzähler ist“, betont sie.

Der Energieberater empfiehlt ihr, 14-Tage lang zweimal täglich den Stand zu notieren, um andere Ursachen auszuschließen.

Sozialhilfeempfänger, Rentner und junge Leute häufig von Energiearmut betroffen

Neben der Stromrechnung kümmert sich der Ingenieur auch um hohe Heizkosten. „Die meisten Duisburger, die ich betreue, haben Stromprobleme. Die Wärme kontrollieren wir selten“, so der 60-Jährige. Das liege auch daran, dass Sozialhilfeempfänger ihre Stromrechnung selber vom Regelsatz begleichen müssen.

Rainer Bank: „Viele bekommen Geld vom Jobcenter und geben sehr viel für Energie aus.“ Energiearmut betreffe aber nicht nur Sozialhilfeempfänger, sondern auch Rentner oder junge Leute in der ersten eigenen Wohnung.

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