Zweieiige Zwillinge

Eine Familie mit zweieiigen Zwillingen in drei Generationen

Allein unter Zwillingen: Marie-Luise-Kufen mit ihren Kindern Ben und Lilly, ihrer Schwester Christina (vorne v.l.), ihrer Mutter Marion, Tante Bärbel und Bruder Markus (hinten v.l.).

Allein unter Zwillingen: Marie-Luise-Kufen mit ihren Kindern Ben und Lilly, ihrer Schwester Christina (vorne v.l.), ihrer Mutter Marion, Tante Bärbel und Bruder Markus (hinten v.l.).

Foto: Olaf Ziegler

Duisburg.  Über eine Familie mit Zwillingen in drei Generationen: Das Besondere: Es sind ausschließlich zweieiige, die in Duisburg, Moers und Mülheim leben.

Strahlende Gesichter auf einem Familienfoto. Ja, das soll es öfter geben. Also nichts Besonderes? Dann schauen Sie sich, liebe Leser, das hier gezeigte Bild noch mal genauer an. Fällt Ihnen immer noch nichts auf? Tja, kein Wunder. Wie soll man auch drei Generationen von Zwillingen erkennen – wenn sie allesamt zweieiig sind. Willkommen im Hause Steinberg!

Das Foto ist auf dem gemeinsamen Geburtstag von Marion Steinberg und ihrer Schwester Bärbel entstanden, den beide vor ein paar Tagen gefeiert haben. Sie haben den zweieiigen Zwillingsreigen vor 60 Jahren in Moers-Asberg eröffnet. „Meine Eltern haben vorher gar nichts gewusst“, erzählt Marion Steinberg. „Voruntersuchungen gab es ja früher nicht so wie heute. Dass da Zwei unterwegs sind, wurde erst bei einer Röntgenaufnahme festgestellt, als meine Mutter mit Wehen ins Krankenhaus kam. Das war damals eine absolute Seltenheit, eine Sensation.“

Die eine liebt Pferde, die andere Kampfsport

Anfangs wurden beide Mädchen noch gleich angezogen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Nicht nur vom Aussehen. „Ich hab blau-graue Augen, Bärbel hat grün-braune. Ich hab dicke dunkle Haare, meine Schwester feinere hellbraune Haare. Sie liebte als Kind Pferde, ich Kampfsport. Und zehn Zentimeter größer ist sie auch noch“, so Marion Steinberg. „Wir haben aber bis heute ein gutes Verhältnis.“

Als sie dann später heiratete, nach Rheinhausen zog und schwanger wurde, verschwendete sie keinen Gedanken daran, auch Zwillinge zu bekommen. „Das betrifft die übernächste Generation, hieß es immer.“ Und da sollte, so schien es zunächst, auch was dran sein. 1984 kam Marie-Luise jedenfalls solo auf die Welt.

„Als ich dann noch mal schwanger wurde, hatte ich aber plötzlich so ein Gefühl“, erzählt Marion Steinberg. „Mein Mann damals übrigens auch.“ Und tatsächlich gab’s diesmal Kinder im Doppelpack – und wieder zweieiige Zwillinge. „Markus und Christina sind vor kurzem 30 geworden.“ Er ist immer schon etwas introvertierter gewesen, interessiert sich früh für Computer und Technik. Sie ist etwas offener und entwickelt ein Faible für Comics. „Und doch“, so der Rheinhauser, „gab es da als Kind diese besondere Bindung, die schon tiefer ging als zur älteren Schwester.“

Geschwister in Pappkartons

Die ist anfangs gar nicht begeistert, dass sie nicht mehr alleine im Mittelpunkt steht. „Ich erinnere mich noch gut, dass ich aus meinem Kinderzimmer ausziehen musste und mich zwischen dem Keller und dem Dachboden entscheiden musste...“ Es soll ein Bild geben, auf dem die kleine Marie-Luise neben zwei großen Pappkartons zu sehen ist. Darin hatte sie jeweils ihre Geschwister gepackt samt deutlicher Erklärung an die Eltern: „Die beiden können wir jetzt wieder zurück ins Krankenhaus schicken...“

Ihre Einstellung hat sich längst geändert, zumal sie vor vier Jahren selbst Zwillinge bekommen hat – zweieiige selbstverständlich. Ben und Lilly. „Ich war darauf schon ein bisschen vorbereitet“, sagt Marie- Luise Kufen. „Ich bin überglücklich, aber es ist schon anstrengend und ich habe jetzt noch mehr Respekt vor meiner Mutter. Christina graut es jedenfalls schon vor eigenen Nachwuchsexperimenten“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Noch aber ist bei der Schwester, die in Mülheim lebt, diesbezüglich nichts in Sicht – auch nicht bei Bruder Markus. Er weiß von einem „Running Gag“ im Hause Steinberg: „Mir wird immer erzählt, dass früher die Männer in der Familie für Drillinge gesorgt haben. Das wäre schon der Super-Gau. Aber gegen Zwillinge hätte ich nichts einzuwenden.“

Und wenn, dann sicher wieder zweieiig.

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