Gericht

Duisburgerin soll ihr Kind nach der Geburt erstickt haben

Das Land- und Amtsgericht Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Das Land- und Amtsgericht Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Eine 34-jährige muss sich wegen mutmaßlichen Totschlags vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Sie soll ihr Neugeborenes erstickt haben.

Wegen Totschlags steht seit Anfang Januar eine 34-jährige Frau vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz. Der Staatsanwalt war am zwölften Verhandlungstag davon überzeugt, dass die Duisburgerin, die erst wenige Monate vor der Tat heiratete und nach Oberhausen umgezogen war, am 10. August 2018 im Badezimmer ihrer Wohnung ein Kind zur Welt brachte und es tötete. Dafür forderte der Anklagevertreter zehn Jahre Gefängnis. Für den Staatsanwalt lassen die Erkenntnisse, die eine Reihe von Gutachtern vortrugen, nur den Schluss zu, dass die Frau dem kleinen Mädchen vorsätzlich Mund und Nase zuhielt und es so erstickte.

Die Experten waren sich einig gewesen, dass die Angeklagte entgegen ihren ersten Behauptungen, es habe sich um eine Totgeburt gehandelt, ein gesundes Kind zur Welt brachte. Die Angeklagte werde auch dadurch belastet, dass der Vater des Kindes der Geliebte der Frau gewesen sei, so der Staatsanwalt. Die Frau habe das Kind offenbar nicht gewollt. Dafür spreche auch der Umstand, dass sie die Schwangerschaft geheim hielt. Die Darstellung der Frau, sie habe erst durch einen Schwangerschaftstest im Juni erfahren, dass sie ein Kind erwarte, sah der Anklagevertreter als widerlegt an. Die Frau habe bereits im Mai in über Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten recherchiert. Geburtsvorsorge habe sie nie getroffen.

Prozess habe viele Fragen offen gelassen

„Vom Unverständnis über das Verhalten meiner Mandantin muss sich das Gericht freimachen, wenn es zu einem gerechten Urteil kommen will“, so der Verteidiger. Der Prozess habe viele Fragen offen gelassen, vieles sei möglich, nichts bewiesen. Nicht einmal die konkrete Todesursache des Kindes habe eindeutig geklärt werden können. Seiner Mandantin sei kein Vorsatz nachweisbar, so der Anwalt. Denkbar sei auch, dass das Kind nach der Geburt neben seiner kurzzeitig ohnmächtigen Mutter mit dem Gesicht in einem nassen Teppich erstickte. Allenfalls komme eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Betracht. Denn es sei nicht auszuschließen, dass die Angeklagte das Kind für tot hielt, es in eine Decke einwickelte und in einer Plastiktüte steckte und so irrtümlich erstickte. Am 5. Juni soll die Angeklagte Gelegenheit zum letzten Wort erhalten. An diesem Tag soll auch das Urteil verkündet werden.

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