Werkstatt für Behinderte

Duisburger Werkstatt-Chefin Rogg fristlos gekündigt

Der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat Roselyne Rogg fristlos gekündigt.

Der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat Roselyne Rogg fristlos gekündigt.

Foto: Jörg Schimmel

Der Aufsichtsrat der Duisburger WfbM hat Roselyne Rogg fristlos gekündigt und ihr ein Hausverbot erteilt. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört.

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Die Entscheidung war einstimmig: Der Aufsichtsrat der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) hat der bisherigen Geschäftsführerin Roselyne Rogg, fristlos gekündigt. „Das Vertrauensverhältnis ist irreparabel gestört“, sagte Aufsichtsratchef Thomas Krützberg nach der Gremiumssitzung am Abend. Die Kündigung sei Roselyne Rogg mitgeteilt worden. Zudem sei ihr ein Hausverbot erteilt worden.

Letztlich entscheidend für diesen Entschluss sei die Pressekonferenz gewesen, in der Roselyne Rogg am Dienstag erklärte, sie sehe – gestützt auf ein von ihr in Auftrage gegebenes Gutachten – ein Gehalt in Höhe von 370 000 Euro als „angemessen“ an. Damit, so Krützberg, habe Rogg „ihre persönlichen Interessen über die der Werkstatt für Menschen mit Behinderung gestellt und somit nicht nur den Aufsichtsrat und seinen Vorsitzenden, sondern auch das Vertrauensverhältnis zu ihren Mitarbeitern nachhaltig gestört.“

„Bewusster Verstoß gegen die Statuten“

Der zweite schwerwiegende Grund ergebe sich aus „mittlerweile zusammengetragenen Dokumenten“, aus denen hervorgehe, „dass dem Aufsichtsrat ganz bewusst die am 10. Juli 2013 ausgesprochene Vertragsverlängerung, nicht jedoch die zugleich unterzeichnete Vergütungsanhebung vorgelegt wurde.“ Unterschrieben von Roseylne Rogg und Reinhold Spaniel, dem damaligen Aufsichtsratschef und Sozialdezernenten der Stadt.

Sachliche Gründe für die Trennung dieser beiden eng miteinander verknüpften Vorgänge seien nicht ersichtlich. Krützberg: „Der Aufsichtsrat muss von einem ganz bewussten Verstoß gegen die Statuten der WfbM ausgehen.“

Größenordnung inakzeptabel

Die Wirtschaftsprüfer Vinken, Görtz, Lange und Partner kamen in ihrem Gutachten vom 28. Juni 2018 zu dem Ergebnis, dass ein angemessenes Geschäftsführungsgehalt für die WfbM maximal zwischen 150 000 Euro und 180 000 Euro liegen könne. Das aktuelle Gehalt Roselyne Roggs, das ohne Kenntnis des Aufsichtsrats ausgezahlt wurde, betrage aber 370 000 Euro und sei damit inakzeptabel. Die Summe 370 000 Euro sei auch in keinem Jahresbericht als Einzelposten aufgeführt gewesen, sondern in dem Posten der Personalkosten mit drin gewesen.

Für die Mitglieder des Aufsichtsrates sei der Schritt nicht leicht gewesen. Denn ohne Zweifel habe Roselyne Rogg in den vergangenen Jahren fachlich gute Arbeit geleistet und die WfbM gut aufgestellt. „Doch als uns bekannt wurde, welche Größenordnung das Gehalt hatte, konnten wir das nicht respektieren. Zum Wohle der Lebenshilfe und der Menschen mit Behinderung mussten wir diese Entscheidung treffen“, sagt Dagmar Frochte vom Verein der Lebenshilfe Duisburg und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Trotz einer „ausgezeichneten Arbeit ist dieses Gehalt nicht gerechtfertigt“, erklärt auch Manfred Lücke vom Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Duisburg und ebenfalls stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Wenn das Gremium dieses Gehalt anerkennen würde, „müssten wir es ja weiter bezahlen. Und das Geld fehlt den Behinderten.“

Die Stelle wird zeitnah neu ausgeschrieben

Thomas Krützberg rechnete hoch: Wenn man von einem zuviel gezahlten Jahresgehalt von 200 000 Euro ausgehe, seien das in fünf Jahren eine Million Euro, die man für mehr Personal für die Menschen mit Behinderung einsetzen könnte.

Die Geschäfte der Werkstatt für Behinderte führen zunächst zwei Prokuristen weiter, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist. Die Stelle werde zeitnah ausgeschrieben. Auf Wunsch von Oberbürgermeister Sören Link wird der Aufsichtsrat den städtischen Rechnungsprüfungsausschuss in die Aufklärung einbeziehen. Und: „Der Aufsichtsrat leitet umgehend die Prüfung von Schadensersatzpflichten ein.“

Dazu seien weitergehende Nachforschungen erforderlich, die eine Kanzlei übernehmen soll. Dabei soll es auch um schuld-, zivil- und strafrechtliche Aspekte gehen. Roselyne Rogg wollte sich gestern auf Anfrage nicht zur Kündigung äußern.

Anmerkung der Redaktion: Wir werden auch in den kommenden Tagen über die aktuellen Entwicklungen rund um die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung berichten. Besuchen Sie uns wieder, um alles Wichtige zum Thema zu erfahren.

>>>> Bitter für die Mitarbeiter – ein Kommentar von Rosali Kurtzbach

Fristlos gekündigt, plus Hausverbot, womöglich Schadensersatzforderungen. Was als Erfolgsgeschichte begann, endet mit einem Scherbenhaufen. Härter geht’s kaum. Roselyne Rogg, bisherige Geschäftsführerin der Werkstatt für Behinderte, ist raus. Sie hat die Werkstatt mit Engagement und Fantasie geführt. Aber bei ihrer Entlohnung hat sie Maß und Mitte verloren. Selbstkritik? Fehlanzeige.

Dass sie noch ihren Vertrag bis Mitte 2019 erfüllen würde, daran dürfte selbst sie nicht mehr geglaubt haben. Der Fall von Roselyne Rogg ist tief. Gerade sie! Sie, die im Jahr 2009 nach ihrem Dienstantritt aufdeckte, dass die Behindertenwerkstatt über Jahre nur dann Aufträge bekommen hatte, wenn sie im Gegenzug zu Sonderpreisen Arbeiten im privaten Bereich der damaligen Geschäftsführung ausführte, gerade sie muss die Werkstatt nun nach einem Gehalts-Skandal verlassen.

Das ist für die Mitarbeiter der Werkstatt ganz bitter. Sie haben ihrer Führung vertraut. Jetzt muss ein Neuanfang her – schon wieder.

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