Radreise

Duisburger radelt in 16 Monaten von Panama nach New York

Jan Lange ist 16 Monate lang quer durch Mittelamerika und die USA geradelt. Seine Familie (links Mutter Astrid) empfing den Buchholzer mit einem Banner.

Jan Lange ist 16 Monate lang quer durch Mittelamerika und die USA geradelt. Seine Familie (links Mutter Astrid) empfing den Buchholzer mit einem Banner.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Eigentlich wollte Jan Lange von Panama zur kanadischen Grenze radeln. Nach 16 spannenden Monaten kam der Buchholzer in New York an.

Die letzten Kilometer vom Düsseldorfer Flughafen bis nach Buchholz wollte Jan Lange unbedingt radeln. Hätte nicht sein Fahrrad in New York den Flieger verpasst, wären es mit einem kleinen Umweg genau 15.600 Kilometer gewesen, die der 32-Jährige in den vergangenen 16 Monaten zurückgelegt hat. Nach einer Radreise, die in Panama im Februar begann und Mitte Mai in New York endete, hat er viele spannende Geschichten im Gepäck.

Ausdauernd und flexibel sollte sein, wer sich auf eine solche Tour begibt. „Ich lege mich nicht fest“, hatte er schon vor dem Start gesagt. Den Plan, über Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Mexiko weiter entlang der Westküste der USA bis nach Kanada zu radeln, legte Lange in Los Angeles ad acta und bog im Dezember nach Osten ab.

Überfall in Guatemala

„Ich wäre am 1. März an der kanadischen Grenze gewesen“, erklärt er. „Aber erstens hatte ich Zeit bis Juni, zweitens wäre ich noch in den Winter gekommen. Im Schnee zu fahren muss nicht sein.“ Rechts abbiegen Richtung Grand Canyon, dann durch die US-Südstaaten bis Florida und anschließend gen Norden bis New York – das war die deutlich angenehmere Option.

Entlang der Panamericana sollte zunächst der Weg ab Panama führen, doch die Realität entkräftete schnell den Mythos der transkontinentalen Verbindung. „Die romantische Vorstellung habe ich schnell verloren“, berichtet der 32-Jährige. Die Fahrt auf der vielbefahrenen Straße ohne Radweg entpuppte sich angesichts des Schwerverkehrs als lebensgefährlicher Trip, bei dem Radler Freiwild für die Lkw sind. „Es gibt keine Fahrradkultur“, sagt Lange, „auch in den USA habe ich mich gefühlt wie ein Alien.“ Ausweichrouten waren in Mittelamerika rar gesät, entpuppten sich oft als steinige Sandpisten, auf denen es nur im Schneckentempo voranging.

Unruhen in Nicaragua

Der Verkehr war nicht die einzige Gefahr: In Nicaragua kam es im Mai plötzlich zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, nach vier Tagen im Hostel legte der Buchholzer zur Sicherheit die restlichen 100 Kilometer bis zur Grenze von Honduras im Bus zurück. Unversehrt überstand er in Guatemala einen Überfall auf offener Straße – die Räuber hatten es nur auf sein Handy abgesehen.

Kopfzerbrechen bereitete ihm eine Reisewarnung für Mexiko, nachdem dort im Mai in der Provinz Chiapas im äußersten Süden ein deutscher und ein tschechischer Radtourist ermordet worden waren. Jan Lange, da gerade in Guatemala-City, entschloss sich, weiter zu fahren. „Die Straße, auf der das passierte, ist als sehr gefährlich bekannt. Solche Risiken sollte man vermeiden“, sagt er.

Die Entscheidung hat er nicht bereut. „Mexiko ist ein wahnsinnig tolles Land“, bilanziert er, entschädigt durch zahlreiche Begegnungen mit ungeheuer hilfsbereiten Menschen. Wie Manolo, der in Campeche auf der Halbinsel Yucatán einen lokalen Fernsehsender betreibt. Was dem Duisburger nicht nur einen TV-Auftritt bescherte, sondern auch die Obhut des Motorradclubs, dem der neue Freund angehörte: „Er hat mich danach weitergereicht an andere Clubs, bei denen ich dann bis zur US-Grenze übernachten konnte.“

40 platte Reifen

Etwa die Hälfte der Zeit saß er im Sattel, die übrige Zeit galt Land und Leuten. „Das Rad ist ideal um zu reisen und eine tolle Möglichkeit, viele Leute kennenzulernen“, schwärmt Lange. Die Entscheidung, sein Rad zu beladen mit 40 Kilo Gepäck, davon allein sechs Kilo Werkzeug und Ersatzteile, hat er nicht bereut. Die Bilanz: mehr als 40 Plattfüße, zwei gerissene Ketten, eine gebrochene Speiche. „Viele Teile gibt’s unterwegs nicht zu kaufen“, sagt er.

Und jetzt? „Erstmal runterkommen“, sagt der Buchholzer. Die Hochzeit eines guten Freundes steht an, danach die Jobsuche für den gelernten Wirtschaftsinformatiker. „Vielleicht als Web-Analyst oder Programmierer.“ Seine letzte Radreise war’s bestimmt nicht, sagt Jan Lange. „Die Liste der Orte, die ich sehen will, ist noch länger geworden. Auch in Europa gibt es so viel, das ich noch nicht kenne.“

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