Philharmonie Mercatorhalle

Duisburger Philharmoniker glänzen mit Mahler und Mendelssohn

Saleem Ashar bedankt sich beim 5. Philharmonischen Konzert für den Applaus nach Mendelssohns 2. Klavierkonzert und spielt als Zugabe Schumanns „Träumerei“. Es war der Auftakt eines langen Konzertabends in der Philharmonie Mercatorhalle.

Saleem Ashar bedankt sich beim 5. Philharmonischen Konzert für den Applaus nach Mendelssohns 2. Klavierkonzert und spielt als Zugabe Schumanns „Träumerei“. Es war der Auftakt eines langen Konzertabends in der Philharmonie Mercatorhalle.

Foto: Marie Laforge / Duisburger Philharmoniker

Duisburg.  Beim 5. Philharmonischen Konzert bauen die Philharmoniker unter Roger Epple ihre Mahler-Souveränität aus - und ernten frenetischen Beifall

Mit Felix Mendelssohn-Bartholdy und Gustav Mahler prägten die beiden bedeutendsten jüdischen Komponisten der Romantik das Programm des 5. Philharmonischen Konzerts in der nahezu voll besetzten Mercatorhalle. Mehr als die Religionszugehörigkeit ihrer Schöpfer verbindet das kapriziös-empfindsame 2. Klavierkonzert Mendelssohns mit der ausufernden, abgeklärten „Neunten“ Gustav Mahlers zwar nicht. Immerhin wurden damit zwei Werke ins Bewusstsein gerufen, die in Duisburg lange nicht zu hören waren.

Mahlers 9. Symphonie erklang hier trotz des internationalen Mahler-Hypes das letzte Mal vor 27 Jahren. Dass ausgerechnet jetzt der vorgesehene Gastdirigent Nikolaj Szeps-Znaider, der sich im 1. Philharmonischen Konzert als Geiger mit Max Bruchs 1. Violinkonzert vorgestellt hatte, kurzfristig absagen musste, könnte ein so komplexes und anspruchsvolles Werk wie Mahlers letzte vollständige und in ihrer transzendenten Tonsprache bereits der Realität entrückte Symphonie in gefährliches Schlingern bringen.

Mit Roger Epple übernimmt ein Dirigent, der allen Schwierigkeiten gewachsen ist

Mit Roger Epple wurde freilich ein in Theorie und Praxis so Mahler-kundiger Ersatzmann gefunden, den auch eine kurzfristige Übernahme der extrem schwierigen Partitur mit einem ihm unbekannten Orchester nicht in ernste Verlegenheit bringen kann. Das Ergebnis war eine Interpretation, der man in jedem Ton die Vertrautheit des Dirigenten mit der spezifischen Tonsprache, des Stimmungsgehalts und den riesigen Dimensionen der gewaltigen Sätze anhörte.

Auch wenn Epple den Aufschwüngen und Abstürzen, den schroffen Brüchen und weitgespannten Legato-Bögen minutiös nachging, gelang es ihm, die formale Übersicht zu behalten und die Sätze vor einer collagenhaften Zersplitterung zu bewahren. Diese mit großer Erfahrung verbundene Fähigkeit ist schließlich die Voraussetzung, um auch den endlos gedehnten Schluss des ergreifenden Final-Adagios mit unerschütterlicher Ruhe ohne jeden Spannungsverlust aushauchen lassen zu können.

Die dynamische Bandbreite wurde extrem weit gespannt

Auch wenn die Duisburger Philharmoniker in Sachen Mahler ebenfalls große Erfahrungen sammeln und damit sogar das besonders Mahler-affine Amsterdamer Publikum beeindrucken konnten, verstärkt ein werkkundiger Dirigent wie Roger Epple das Sicherheitsgefühl der Musiker, um die auch spieltechnisch hohen Anforderungen noch souveräner erfüllen zu können. Und so reihte sich diese Interpretation nahtlos in die Erfolgsserie Duisburger Mahler-Aufführungen ein.

Die dynamische Bandbreite spannte Epple extrem weit, aber stets kontrolliert, die Farbpalette des Gesamtklangs kostete er von butterweicher Wärme bis zu greller Schärfe ohne aufgesetzte Überzeichnungen voll aus, für die vielen Solo-Passagen ließ er den Musikern genügend Atem, um sie makellos ausführen zu können.

Saleem Ashkar spielt Mendelssohns 2. Klavierkonzert maschinenhaft präzise

Ein paar Nummern kleiner präsentiert sich Mendelssohns 2. Klavierkonzert. Es gehört nicht zu den beliebtesten Werken des Meisters, gefällt allerdings durch die schlichte Gesanglichkeit des Adagios und die quicklebendige Vitalität der Ecksätze, die dem Solisten einiges abfordert. Saleem Ashkar, in letzter Zeit erst mit allen Klaviersonaten Beethovens in Duisburg hervorgetreten, bereiten die virtuosen Anforderungen nicht die geringsten Schwierigkeiten.

Im Gegenteil: Die geradezu nähmaschinenhaft anmutende Präzision, mit der er die rasant abspulenden Läufe und Akkordkaskaden der Ecksätze anging, hinterließ einen bisweilen unterkühlten Eindruck. Was man von der fein erfühlten „Träumerei“ Roberts Schumanns, mit der sich der Pianist als Zugabe bedankte, nicht sagen konnte.

Frenetischer Befall für alle Beteiligten, natürlich erst Recht nach der Glanzleistung mit Mahlers letzter Symphonie.

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