Kirche

Duisburger Pater ist 25 Jahre mit Gott „verheiratet“

Für die nächsten Jahre im Kloster wünscht sich Pater Tobias Gesundheit - und dass die Kirche als offene Einrichtung wahrgenommen wird.

Für die nächsten Jahre im Kloster wünscht sich Pater Tobias Gesundheit - und dass die Kirche als offene Einrichtung wahrgenommen wird.

Foto: Foto: Udo Milbret / FUNKE Foto Services

Am 27. Mai feiert Pater Tobias sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Weil aber montags kaum jemand Zeit hat, wird am Sonntag groß gefeiert.

Kein Pater aus Duisburg ist so bekannt wie Tobias. Dabei führte sein Weg zu Gott und in die Kirche über Umwege. Andreas Breer, so heißt der Prämonstratenser-Bruder mit bürgerlichem Namen, war zwischenzeitlich sogar schon einmal vom Glauben abgefallen. Damals starb seine Mutter innerhalb von sechs Wochen an Darmkrebs. Es war eine schwere Zeit. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hatte er eine unbeschwerte Kindheit in Cappenberg, wuchs als Zweitjüngster von sieben Kindern auf einem Bauernhof auf. In der Familie wurde zwar gebetet, aber sein Ordensleben schien nicht vorgezeichnet. Deshalb machte er nach der Schule eine Ausbildung zum Kaufmann bei BMW. Sein Verkaufstalent und Marketing-Know-How, das er sich in dieser Zeit angeeignet hat, setzt er nun für die gute Sache ein, um anderen Menschen von Kirche und Gott zu erzählen. Im Gespräch erklärt der 56-Jährige, wie Kirche aus seiner Sicht heute auf die Menschen zu gehen sollte. Die Plauderei findet telefonisch statt. Pater Tobias ist viel beschäftigt und bis Samstag mit einer Gruppe auf den Spuren von Assisi unterwegs.

War es Zufall, dass Sie bei den Prämonstratensern eingetreten sind?

In Cappenberg gab es ein Kloster der Prämonstratenser. Ich war ja einige Jahre komplett weg von der Kirche, hatte damit nichts mehr zu tun. Ich habe dann einen Pater kennen gelernt und viele gute Gespräche mit ihm geführt. Er hat mich dazu gebracht, auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachzumachen. Es war ein humanistisches Gymnasium, auf dem wir uns viel mit alten Sprachen und Kulturen beschäftigt haben. So bin ich auf die Idee gekommen, in den Orden einzutreten. Die Abtei Hamborn hat meine Heimatpfarrei, das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift in Cappenberg, seit 1974 als Pfarrei übernommen. So lernte ich das Kloster in Hamborn und die vielen jungen Brüder dort kennen. Die Atmosphäre hat mir gut gefallen.

Dennoch sind Sie erst einmal nach München gegangen.

Das stimmt. Ich habe in Innsbruck und München Theologie, Philosophie und Psychologie studiert. Später war ich Militärseelsorger.

Was hat man als Militärseelsorger für Aufgaben?

Ich habe an der Bundeswehrhochschule lebenskundlichen Unterricht gehalten und die Soldaten begleitet, im Feld für 500 Mann Gottesdienste gehalten, ohne Mikrofon. Außerdem war ich mit ihnen in Zagreb und im Kosovo. Ich habe die Familien zu Hause betreut, die sich Sorgen gemacht haben und musste auch Soldaten beerdigen. Eine schwierige Aufgabe, aber mir hat die Arbeit dennoch gefallen, weil sie nah an den Menschen war. Deshalb habe ich auch verhandelt, was man eigentlich nicht macht, als ich wieder nach Hamborn zurück kehren sollte.

Worum ging’s?

Abt Albert hat mich zum Prior, zu seinem Stellvertreter gemacht. Aber ich wollte nicht nur im Kloster sein. Also habe ich gefragt, ob ich die Aufgabe in der Militärseelsorge behalten dürfte. Daraufhin wurde mir eine Stelle in Essen eingerichtet, ich war dann für die Männer und später auch für die ersten Frauen in Kray zuständig. Als ich dann auch noch Kämmerer werden sollte, habe ich das Prior-Amt nach 9 Jahren abgegeben. Das ist ja Ämterhäufung und für einen alleine nicht mehr zu

schaffen.

Woher nehmen Sie die Energie?

Ich habe 16-Stunden-Tage. Ich meditiere viel und gehe laufen. Die meisten Ideen kommen beim Joggen. Dann will ich sie auch umsetzen. Gott gibt mir die Kraft, das alles zu schaffen.

Hat Ihnen schon mal jemand Eitelkeit vorgeworfen?

Eitelkeit? Keine Ahnung. Vielleicht denken einige, dass ich eitel bin. Vielleicht bin ich das auch ein bisschen. Aber das ist ja nicht schlimm.

Hochmut und Eitelkeit gehören zu den Todsünden.

Ich mache das ja nicht, weil es um meine Person geht. Gott ist mein Chef. Ich will keine Karriere machen, kein Bischof und kein Papst werden, sondern nutze die Öffentlichkeit, um von Kirche und Gott zu erzählen. Die Leute sehen immer nur, wie ich in der Zeitung stehe und denken, ich laufe den ganzen Tag. Sie sehen aber nicht die schlaflosen Nächte und Gedanken, die ich mir zum Beispiel ums Kloster mache. Ich bin seit Jahren der Kämmerer und muss schauen, dass wir finanziell über die Runden kommen. Beim Projekt Lebenswert leben wir von Spenden. Wenn nicht genug reinkommt, muss ich Mitarbeiter entlassen. Momentan bauen wir gerade ein neues Haus in Magdeburg auf. Das ist selten, dass Kirche etwas Neues aufbaut.

Aber ein bisschen steckt der BMW-Verkäufer auch noch in Ihnen drin.

Ja, vielleicht sollte es so sein, dass ich erst einmal etwas Anständiges lerne und das dann später für die Kirche einsetze. Ich betreibe sechs Facebookseiten. Persönlich habe ich ungefähr 4800 Freunde. Dann gibt es noch eine Seite vom Marathon-Pater, da sind es noch mehr Fans. Das ist eine ganz andere Zielgruppe, dort folgen mir auch Muslime, die ich bei meinen Läufen kennen lerne. Die bekommen darüber auch etwas von meiner Arbeit in der Seelsorge mit und schauen sich auf Facebook den einen oder anderen Gedanken aus dem Gottesdienst an. Das finde ich toll, so erreichen wir eine ganz andere Personengruppe. Viele, die sonst meinen, dass Kirche verstaubt ist, kommen mit mir ins Gespräch und denken: ,Ach, das ist ja ein normaler Pater.’ So sind unsere Gottesdienste noch ganz gut besucht, wir haben viele Taufen und rund 20 Hochzeiten im Jahr.

Gibt es Zahlen, die man als Pfarrer erfüllen muss?

Nein, nicht das ich wüsste. Aber ich glaube, dass das Bistum auf die Statistik schaut, wenn es darum geht, welche Kirchen geschlossen und Gemeinden zusammen gelegt werden.

Sie haben als 43-Jähriger begonnen, Marathon zu laufen. Warum?

Ich habe Change-Management studiert und biete Führungskräfte-Coachings an. Dabei habe ich den Teilnehmern immer erzählt, dass sie auch sportlich aktiv sein sollen. Irgendwann habe ich dann in den Spiegel geguckt, ich hatte 92 Kilo drauf, und habe beschlossen: Du machst genug für Geist und Seele, aber der Körper hängt hinterher. Also habe ich mich für den Berlin-Marathon angemeldet und hatte noch drei Monate Zeit. Um den Druck zu erhöhen, habe ich die Presse informiert, was ich vorhabe.

Pater Tobias kam ins Ziel. Seitdem ist er 77 Marathons in der ganzen Welt gelaufen. Oft verbindet er die Läufe mit einer Spendenaktion, wie zum Beispiel beim Wüstenlauf im Oman, als er 172 Kilometer rannte. Seinen letzten Marathon möchte er mit 84 Jahren bestreiten.

Wieso mit 84 Jahren?

Ich habe bei einem Lauf mal einen Mann kennen gelernt. Er erzählte mir, dass er Geburtstag habe und 84 geworden sei - dabei sah er höchstens aus wie 70. Ich habe ihm gesagt: „Sie sind mein Vorbild. Mit 84 möchte ich auch noch Marathon laufen.“

Wie feiert man ein 25-jähriges Priesterjubiläum?

Ich bin jetzt 25 Jahre mit Gott verheiratet. Den Gottesdienst um 11 Uhr halte ich selbst, die Predigt übernimmt Abt Albert. Wir haben einen Gospelchor zu Gast, damit es ein freudiger, schwungvoller Gottesdienst wird. Anschließend ist im Agnesheim Zeit für Begegnung. Ich rechne mit 200, 300 Personen, die kommen werden. Besonders freue ich mich auf meine Familie, die ich viel zu selten sehe. Die sagen immer: „Wir haben einen Priester in der Familie, aber für uns hast du nie Zeit.“ Da ist etwas dran. Momentan liegt meine Schwägerin im Krankenhaus. Ich denke jeden Tag an sie und hoffe, dass sie wieder gesund wird.

Sie sind jetzt 56 Jahre. Geht man in diesem Job irgendwann in Rente?

Nein. Wir arbeiten so lange, wie wir gesund sind und es unsere Kräfte zulassen. Vom Bistum bekommen wir bis 70 Jahre ein Bestellungsgeld. Deshalb muss ich mich um die Altersversorgung der Brüder kümmern.

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