Stahlindustrie

Duisburg: HKM plant Kurzarbeit und fährt Hochofen herunter

Um die Produktion zu drosseln, fahren die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann einen von zwei Hochöfen für fünf Monate zur Reparatur herunter.

Um die Produktion zu drosseln, fahren die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann einen von zwei Hochöfen für fünf Monate zur Reparatur herunter.

Foto: Foto: Socrates Tassos / Funke Foto Services

Duisburg.  Wegen der Coronakrise planen die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann Kurzarbeit für einen Großteil ihrer 3000 Beschäftigten in Duisburg.

Die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) kündigen Kurzarbeit für den Großteil ihrer rund 3000 Beschäftigten vom 1. Mai bis 15. Oktober an. Das teilten Geschäftsführung und Betriebsrat am Mittwoch gemeinsam mit. Zur Drosselung der Produktion soll nach Ostern der Hochofen A für eine Reparatur heruntergefahren werden bis zum Ende der Kurzarbeit.

Diese Vereinbarung sei im Gespräch mit den Gesellschaftern getroffen worden, berichtete Geschäftsführer Dr. Herbert Eichelkraut. Das Unternehmen reagiere damit auf eine bislang ungekannte Zuspitzung der Lage durch die Corona-Krise. „Unsere Hauptabnehmer haben die Produktion eingestellt. Die Krise trifft mittlerweile nicht nur die Autoindustrie, sondern auch den Mittelstand, die gesamte stahlverarbeitende Industrie.“

Coronakrise: HKM fährt den Hochofen A herunter

Auf die erwartete Nachfragelücke reagiert das Hüttenwerk im Süden der Stadt mit einer Senkung der Produktion. Dazu wird der Hochofen A schon in der Woche nach Ostern für eine Reparatur heruntergefahren. „Der Ofen ist 2009 neu zustellt worden. Es gibt zwei Stellen in der Feuerfest-Schicht, von denen wir nicht sicher sind, ob sie bis zur geplanten Neuzustellung in 2026 halten werden. Die werden wir reparieren, damit ein Weiterbetrieb ohne Risiken möglich ist“, erklärt Eichelkraut.

Es sei fest mit den Gesellschaftern fest vereinbart worden, den Hochofen zum 15. Oktober erneut in Betrieb zu nehmen, betont Geschäftsführer Dr. Gerhard Erdmann: „Das ist kein Einstieg in den Ein-Ofen-Betrieb durch die Hintertür.“

Kurzarbeit: Betriebsrat und Geschäftsführung weitgehend einig

Weitgehende Einigung haben Arbeitsdirektor Carsten Laakmann und der Betriebsrat über die Beantragung der Kurzarbeit erzielt, von der nur wenige Bereiche wie Werkfeuerwehr, Ausbildung und Gesundheitswesen ausgenommen bleiben. Eine Vereinbarung soll in den nächsten Tagen unterzeichnet werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Norbert Keller signalisierte am Mittwoch Zustimmung: „Wir unterstützen die Vorhaben der Geschäftsführung. Es ist wichtig, den Ofen auf Vordermann zu bringen, um nach der Krise eine gesicherte Produktion zu haben.“ Nach der Ankündigung von Kurzarbeit bei Thyssenkrupp Steel, sei absehbar gewesen, dass es auch die HKM treffen werde. „Das gemeinsame Ziel muss es nun sein, die Schäden für Belegschaft und Unternehmen möglichst gering zu halten“, so Keller weiter.

Er gehe davon aus, dass auch die Belegschaft den Weg mitgehe, so der Betriebsratsvorsitzende. „In schwierigen Zeiten haben wir bisher immer zusammengehalten. Das hat sich bewährt.“ Auch er spüre beim Besuch in den Betrieben trotz der einschneidenden Folgen der Corona-Pandemie für die Stahlindustrie viel Zuversicht, berichtet Dr. Herbert Eichelkraut: „Ich gehe regelmäßig optimistischer heraus, als ich hineingegangen bin. Hier kommt niemand mit Angst zur Arbeit.“

Neue Wege bei der Mitarbeiter-Information wegen Corona

Weil aus Gründen des Infektionsschutzes die üblichen Betriebsversammlungen nicht möglich sind, gehen auch die HKM neue Wege, um die Belegschaft zu informieren.

Per E-Mail, werkseigener HKM-App und Aushängen wurden schon am Mittwoch viele Beschäftigte erreicht, am Donnerstag folgen weitere Unterrichtungen im kleinen Kreis, um die Mitarbeiter in allen Betrieben in den verschiedenen Schichten zu erreichen.

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