Fußball & Gesundheit

Die Auferstehung des früheren MSV-Fußballers Andreas Voss

Ex-MSV-Profi Andreas Voss erzählte beim Besuch der WAZ-Redaktion von seiner Auferstehung.

Ex-MSV-Profi Andreas Voss erzählte beim Besuch der WAZ-Redaktion von seiner Auferstehung.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.  Der frühere MSV-Profkicker Andreas Voss wäre 2014 nach einer Routine-OP beinahe gestorben. Doch er regenerierte und erlebte seine Auferstehung.

Die Fernsehübertragung des WM-Finales zwischen Argentinien und Deutschland hat eigentlich kein Fußball-Interessierter auf diesem Planeten verpasst. Mit Ausnahme von Andreas Voss. Denn an jenem 13. Juli 2014 lag der frühere Bundesligakicker des MSV Duisburg bereits seit zwei Wochen im künstlichen Koma. Die behandelnden Ärzte hatten den Kampf um sein Leben fast schon aufgegeben.

Doch seinem austrainierten Körper und der Gunst des Schicksals hatte es Voss zu verdanken, dass er entgegen aller Prognosen doch überlebte – und seine eigene Auferstehung feierte.

Es begann alles mit einer kleinen Operation: Im Moerser Krankenhaus St. Josef wollte sich Voss, Vater zweier Kinder, einer Vasektomie unterziehen. Die Sterilisation wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und gilt als Routineeingriff. „Vor dem Eingriff hieß es: einmal schnipp-schnapp – und dann schnell wieder ab nach Hause. Nach ein bis zwei Tagen Schonung sollte ich wieder voll auf dem Damm sein“, schildert Voss.

Doch die Antibiotika, die er verschrieben bekam, schlugen nicht an. Rund um die operierte Stelle entwickelte sich erst eine Rötung, fix kamen Schwellungen hinzu. Und dann noch hohes Fieber. Eine Woche nach der OP hatten sich Bakterien derart in seinem Körper ausgebreitet und diesen attackiert, dass ihn seine Frau in die Notaufnahme von St. Josef brachte.

„Ich stand völlig neben mir“, erinnert sich Voss. Das waren die Folgen des septischen Schocks, den er erlitten hatte. Folge: multiples Organversagen. Die Ärzte entschieden, ihn sofort in ein künstliches Koma zu versetzen – und in das Uni-Klinikum nach Düsseldorf zu verlegen. Niere und Leber versagten. Die Herzleistung lag nur noch bei etwa zehn Prozent. „Die Ärzte in Düsseldorf haben meiner Frau in den ersten Tagen gesagt, dass sie sich auf das Schlimmste gefasst machen sollte – ein Schock für meine Familie.“

Bilder vor Augen wie im Traum

Hat er irgendwelche Erinnerungen an die zwei Wochen im Koma? Voss grübelt kurz und sagt: „Es ist ein wenig so wie zu träumen. Man hat Bilder vor Augen. Welche, weiß ich heute aber nicht mehr.“ Was er hinterher von seiner Familie erzählt bekommen hat, war, dass alle seine Lieben während des Komas bei ihm am Krankenbett saßen und auch mit ihm gesprochen haben. Laut Ärzten hilft das einem Komapatienten enorm. „Davon habe ich aber nichts bekommen“, gibt Voss zu.

Und wie war dann das Erwachen? „Schwer“, so Voss. Es brauchte mehrere Anläufe, bis die Ärzte ihn „zurückgeholt“ bekamen. „Und zu Beginn habe ich niemanden wiedererkannt. Nicht einmal meine Familie“, sagt Voss. Erst im Laufe der folgenden vier Wochen auf der Intensivstation kehrten Erinnerungen zurück. „Warum ich überhaupt im Krankenhaus lag, war bei mir aber völlig weg. Mein älterer Bruder hat mir dann erst einmal ganz vorsichtig geschildert, wie heftig ich auf der Kippe gestanden hatte.“

Für Voss war das schwer zu verarbeiten. „Da steht man als Profi voll im Saft – und trotzdem kann es wie aus dem Nichts mit dem Leben vorbei sein“, sagt das Ex-Zebra und schüttelt ungläubig den Kopf. Diese Erfahrung hat ihn geprägt. Und auch verändert: „Ich lebe heute viel bewusster, genieße jeden einzelnen Tag. Und ich habe mein Leben ein Stück weit entschleunigt.“

18 Kilo Körpergewicht verloren

Etwa ein Jahr dauerte es, bis er wieder alltagstauglich war. „Ich hatte zwischenzeitlich 18 Kilo Körpergewicht verloren, wog nur noch 76. Meine Muskulatur war weg. Ich konnte nicht mehr allein sitzen oder stehen.“ Doch Voss biss sich durch. Das kannte er aus seiner Profizeit, als er oft verletzt war, über zehnmal operiert werden musste und diese zahlreichen Rückschläge jedes Mal aufs Neue zu verdauen lernte.

Zurück ins Heute: Voss geht es gut. Das sagt er. Und das strahlt er auch aus. Er verfolgt das Geschehen beim MSV weiterhin sehr intensiv, ist auch ab und an noch im Stadion. Bald will er die Fußballlehrer-Lizenz erwerben – das ist die höchste Stufe der Trainerausbildung.

Und was ist körperlich geblieben? „Nichts. Außer einer Schwerhörigkeit.“ Das ist die Nebenwirkung eines jener heftigen Medikamente, die er damals im Kampf um sein Leben zugeführt bekam. „Aber die Sache mit meinen Ohren ist mir egal“, sagt Voss und lächelt. „Hauptsache, ich lebe.“

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