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Das halten Händler und Kunden vom geplanten Abendmarkt

Frische Waren wie Obst und Gemüse gibt es auf vielen Wochenmärkten immer seltener. Auf dem geplanten Abendmarkt im Duisburger Süden soll das anders sein.

Frische Waren wie Obst und Gemüse gibt es auf vielen Wochenmärkten immer seltener. Auf dem geplanten Abendmarkt im Duisburger Süden soll das anders sein.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Duisburg-Buchholz.  Kunden wünschen sich einen Abendmarkt für den Duisburger Süden. Einige Händler befürchten: „Fressstände“ statt Frischhändlern würden profitieren.

Ein Abendmarkt im Duisburger Süden: Diese Idee ist nach der Zustimmung der Bezirksvertretung Süd in greifbare Nähe gerückt, der Plan liegt jetzt dem Oberbürgermeister und Duisburg Kontor zur Prüfung vor. Viele Kunden würden gerne abends frisches Obst und Gemüse einkaufen. Viele Händler allerdings betrachten das Vorhaben mit Skepsis.

Auf dem Norbert-Spitzer-Platz in Buchholz findet bislang jeden Dienstag- und Freitagvormittag der Wochenmarkt von Duisburg Kontor statt. Otto Lücke, der auf dem Markt gerne seine Einkäufe erledigt, ist überzeugt vom Vorschlag des Abendmarktes und würde auch selber davon Gebrauch machen. Gerade dienstags sei der Morgenmarkt etwas eingeschlafen und biete keinen großen Warenumfang mehr. „Den könnte man dann streichen und nur noch Freitagmorgens ausrichten“, schlägt er vor. Denn er erwartet, dass ein Markt am Abend die Münchener Straße beleben würde.

Ein Abendmarkt würde den Stadtteil Buchholz beleben

Den gleichen Gedanken hat Doris Cleef: „Das wäre gut für Buchholz und würde den Stadtteil lebendiger machen.“ Den angedachten Standort an der Münchener Straße empfindet sie als ideal für den Duisburger Süden. Wenn die Händler allerdings kein Interesse an einem späteren Termin haben, könnte sie das verstehen. „Schon jetzt kommen die meisten niederrheinischen Händler nur noch freitags“, bedauert sie.

Mit ihrer Vermutung liegt Doris Cleef richtig. Alle befragten Händler, die bis jetzt einen Stand auf dem Wochenmarkt betreiben, stellen sich gegen den Vorschlag der Politiker. Für Cles Brouwer, Blumenhändler aus den Niederlanden, würde sich ein Markt am Nachmittag nicht rechnen: Er fährt jedes Mal 80 Kilometer mit Auto und Anhänger, um seine Ware anzubieten. Nach der Arbeit auf dem Buchholzer Markt geht es für ihn weiter nach Düsseldorf. „Das ist zu knapp, meine Arbeitszeit würde sich durch den Abendmarkt drastisch erhöhen. Für mich wäre das zu viel“, sagt er.

Es gibt immer weniger Lebensmittelhändler auf dem Markt

Vera Wessels ist seit 30 Jahren für die Metzgerei Scheuten auf dem Wochenmarkt tätig. Sie bestätigt das Problem der Frischwarenhändler und vermutet, dass im Gegensatz diesen „nur Fressstände“ von solch einem Angebot profitieren würden. Dabei sei die Zahl der Lebensmittelhändler auf dem Buchholzer Wochenmarkt in den vergangenen Jahren ohnehin geschrumpft.

Gegenüber des Marktes befindet sich die noch recht junge Weinhandlung RheinWein. Aus der Politik kam der Vorschlag, das trendige Geschäft in einen künftigen Abendmarkt einzubeziehen. Inhaber Thomas Hertes begrüßt zwar die Idee eines Abendmarktes und sagt: „Ich unterstütze die Idee zu 100 Prozent.“ Er könnte sich durchaus vorstellen, auf dem Markt mit einem kleinen Stand vertreten zu sein. Allerdings dürfte der Abendmarkt dazu nicht regelmäßig stattfinden, sondern es müsste sich um einen unregelmäßig stattfindenden Spezialmarkt handeln – sonst verbietet die Gewerbeordnung den Verkauf und die Verkostung von nicht selber hergestellten alkoholischen Getränken. Augenzwinkernd sagt er: „Einfacher wäre es natürlich, wenn die Leute direkt in meinen Laden kommen.“

Kurzwarenhändler Bernd Stricker hat schon Erfahrung auf länger geöffneten Märkten gemacht. Er sieht kein großes Potenzial im Modell Abendmarkt. Seine Erfahrung: „Die Kernzeiten sind von 10 bis 16 Uhr. Danach kommt eigentlich keine Kundschaft mehr.“ Stricker schlägt deswegen ein Marktkonzept mit späteren, aber nicht zu späten Zeiten vor: „Ich stehe hier schon ab 7 Uhr, aber zu tun habe ich meist erst ab 10. Um halb eins heißt es dann wieder einpacken.“

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