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Bunker als Wunderkammer

Foto: WAZ Fotopool

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Zum zweiten Mal werden die vor zwei Jahren eröffneten Vorratsbunker im Landschaftspark Nord zur „Spielwiese“ für Künstler. Nachdem im Kulturhauptstadtjahr die Duisburger Bildhauerin Regina Bartholme mit einer Installation zu Gast war, wird am Sonntag unter dem Titel „Refugium II“ eine Ausstellung des Künstlerduos „Kelbassa’s Panoptikum“ aus Oberhausen eröffnet. Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn bekennen sich als „Fans“ des Landschaftsparks, treffen doch hier Mensch und Natur auf besondere Weise aufeinander.

Der Riesenbärenklau

Wie Parkleiter Ralf Winkels erläutert, suche er nicht gezielt nach Künstlern für diesen Ort, vielmehr lasse er sich von einem Konzept überzeugen. „Entscheidend ist, dass es sich mit dem Raum auseinandersetzt.“ Kelbassa und Kühn träfen mit ihrer Arbeit auch Kernfragen des Umgangs mit dem zum Park gewandelten Gelände des ehemaligen Hüttenwerks. Auch Gärtner und Biologen beschäftigen die 180 Hektar; sie entdecken auch seltene Pflanzen und Tiere. Mit den Erzen kamen auch Pflanzen aus fernen Ländern an.

Mit Pflanzen und Fremdheit beschäftigen sich Kelbassa und Kuhn in ihrer Arbeit, die einen regelrechter Parcours durch die gesamte Bunker-Galerie bildet. „Wir verstehen uns als moderne Wunderkammer“, sagt Corinna Kuhn. Besonders interessieren sich für Neophyten, also Pflanzen, die sich neu angesiedelt haben. Diese ganz besondere Wunderkammer mit ihren dicken schwarzen Mauern, Flechten und anderen Pflanzen haben die Künstler mit über 70 seltsamen Wesen ausgestattet, die an Pflanzen, Tiere oder technische Geräte erinnern. Im ersten Bunker gibt es zudem eine Art Gartenhaus, dessen Dach mit Tomaten und Kürbis bepflanzt wird – also essbaren Neophyten – und das den Eingriff des Menschen in die Natur symbolisiert. Der zweite, überdachte Bunker wird außerdem mit Licht, einem Video, Schriftzügen und weiteren „Wesen“ gestaltet, im dritten Bunker haben sie organische Skulpturen zu den wild gesprossenen Pflanzen gesellt, um im vierten Teil einen provokativen Schlusspunkt zu setzen. Inmitten des von Gärtnern angelegten Staudenbeets haben Kelbassa und Kuhn auf einem Podest (aus eigenen Fliesen) einen großen Topf mit einem Riesenbärenklau platziert, also der Pflanze, die stark bekämpft wird. Aber noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Heracleum mantegazzianum bei Gärtnern wegen seiner imposanten, malerischen Wirkung äußerst beliebt.

Der Umgang mit dem Riesenbärenklau ist für Kelbassa und Kuhn nicht nur beispielhaft für den Umgang mit Fremden in der Natur – mal willkommen, mal verteufelt – sondern auch mit Menschen.

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