Alter Güterbahnhof

Bürgerbeteiligung: Was Duisburger für die „Freiheit“ wollen

Vor den Workshops an fünf Themeninseln stimmten sie die etwa 200 Bürger auf die Entwicklung des Geländes am alten Duisburger Güterbahnhof ein (erste Reihe, v.l.): Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach, OB Sören Link, Stephan Rammelt (Deekeling Arndt/AMO) und Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne.

Vor den Workshops an fünf Themeninseln stimmten sie die etwa 200 Bürger auf die Entwicklung des Geländes am alten Duisburger Güterbahnhof ein (erste Reihe, v.l.): Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach, OB Sören Link, Stephan Rammelt (Deekeling Arndt/AMO) und Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  200 Duisburger sind zur ersten Bürgerbeteiligung für das Güterbahnhofsgelände gekommen – einige mit anderen Prioritäten als die Stadtspitze.

Die Entscheider sparten zum Auftakt der Bürgerbeteiligung für das Gelände am alten Güterbahnhof nicht an Superlativen. Oberbürgermeister Sören Link (SPD) betonte vor 200 Bürgern am Montagabend in der Mercatorhalle, die Entwicklung des Geländes südlich von Hauptbahnhof und Innenstadt sei „eine Jahrhundertchance, die wir jetzt gemeinsam nutzen müssen“. Für Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne geht es dabei „um die Zukunft unserer Stadt für die nächsten 30, 40 Jahre“. Denn ein derart zentral gelegenes und angebundenes Grundstück wie die 35 Hektar große Brachfläche, so meint Gebag-Chef Bernd Wortmeyer „gibt es in ganz NRW, ich würde sagen: in ganz Deutschland nicht“.

„Duisburger Freiheit“:Fosters Ideen prägen die Planung

Zur Erinnerung: Die Gebag, die kommunale Wohnungsbaugesellschaft der Stadt, kaufte dem Berliner Investor Kurt Krieger das Gelände im Oktober 2018 ab. Krieger hatte es vor der Loveparade von der Bahn-Tochter Aurelis erworben und wollte dort in der Immobilienkrise Möbelmärkte (Höffner, Sconto) bauen.

„Manchmal ist Scheitern auch ein Gewinn“, kommentierte diese kaum noch vorstellbaren Pläne der Beigeordnete Linne: „Jetzt können wir über die Gebag selber entscheiden, welche Grundstücke wir wem für welche Nutzung zur Verfügung stellen werden.“

Linne erinnerte zum Auftakt des Abends an all die gescheiterten Ideen, die Duisburg seit der Stilllegung des Güterbahnhofs 1996 bewegten und spalteten: Stadion-Neubau (97/98), Einkaufszentrum „Multi Casa“ (ab 2001), Designer-Outlet Center (ab 2016), aber auch die Pläne des Star-Architekten Lord Foster, der „damals Gedankenmauern durchbrochen hat“, so Linne.

Forsters Leitgedanken – das verdeutlichten Linne und Wortmeyer bei aller Offenheit für die Ideen der Bürger auf der Bühne im Rudolf-Schock-Saal – werden die Entwicklung des Geländes prägen: „Wir brauchen an dieser Stelle Büro- und Wohnraum und Grünfläche“, erklärte Wortmeyer diese Nutzung zwischen Eisen- und Autobahn für „alternativlos“.

Der Gebag-Chef hatte während des Bürgerempfangs zuvor erläutert, es werde in den kommenden Jahren „schon eine Herausforderung, nicht an den Meistbietenden zu verkaufen“. Schon jetzt hätten der Gebag Investoren Angebote für eine Autowaschanlage und ein Spaßbad gemacht. „Aber wir dürfen nicht die Chance vergeben, hier etwas Besonderes zu machen.“

Projekt „mit nationaler Strahlkraft“

Wortmeyer macht sich keine Sorgen, durch die bis Ende März geplanten Themenwerkstätten für Bürger und den sehr wahrscheinlichen Ideenwettbewerb in der Folge den günstigsten Zeitpunkt für die Vermarktung zu verpassen. Immobilienboom hin, drohende Rezession her: „Für diese Fläche werden uns die Investoren auch in drei bis fünf Jahren nicht ausgehen.“

Im ersten Schritt des Planungsprozesses hatten die Kommunikationsberater der Agentur Deekeling Arndt/AMO Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft befragt, um deren Ziele und „thematische Landmarken“ ableiten zu können, erklärte Berater Stephan Rammelt den Zuhörern.

Zwischenrufe lassen erahnen, dass viele Bürger andere Prioritäten als die (Stadt-)Manager haben. Sie wollen ein „deutschlandweit einzigartiges“ Vorzeigeprojekt moderner Stadtentwicklung – und zwar „mit nationaler Strahlkraft“.

Ihre eigenen Ideen konnten die Bürger später am Abend an fünf Themeninseln (siehe Kasten) einbringen und diskutieren. Wir werden auch darüber ausführlich berichten.

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