Weltenbummler

82-jähriger Abenteurer reist immer noch um die Welt

Ein Bild aus dem Jahr 1968: Abenteurer Herbert Harz bei einer Mittagspause mit Lkw-Fahrern in der libyschen Wüste.

Ein Bild aus dem Jahr 1968: Abenteurer Herbert Harz bei einer Mittagspause mit Lkw-Fahrern in der libyschen Wüste.

Foto: Repro: Lars Fröhlich

Duisburg.  Weltenbummler Herbert Harz ist auch mit 82 Jahren noch auf der Suche nach neuen Abenteuern. Das sind seine spannenden Reiseerlebnisse.

Das Buch „Götter, Gräber und Gelehrte“ hat bei Herbert Harz das Reisefieber entfacht, die Lust auf Fremdes. Mitte der 50er Jahre bekam er das Sachbuch zum Thema Archäologie geschenkt. Seitdem hat Harz unzählige Länder bereist – von Duisburg aus oft mit dem Auto und anfangs gerne auch per Anhalter. Ein Abenteurer ist der 82-Jährige bis heute geblieben. Mittlerweile lebt der Weltenbummler in Much bei Köln, ist aber noch regelmäßig in Duisburg. Bei einem dieser Heimatbesuche hat er uns von seinen spannenden Reisen erzählt.

„Das Trampen ist für mich die attraktivste Art zu reisen“

„Oft habe ich in Höhe der heutigen A3-Auffahrt Wedau gestanden und den Daumen hochgehalten“, sagt Harz. „Das Trampen ist für mich die einfachste, attraktivste und günstigste Art zu reisen.“ So auch schon 1955, als er in Italien landete. Die antike Stadt Pompeji hat den Geschichtsbegeisterten am meisten fasziniert.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es ihn 1963 nach Abu Simbel verschlug – übrigens auch per Anhalter. Die ägyptische Stadt nahe der sudanesischen Grenze ist durch die im 13. Jahrhundert vor Christus errichteten Felsentempel des Königs (Pharao) Ramses II bekannt.

„Bei dieser Reise hat mich eine Art Ortsvorsteher mit dem Auto mitgenommen und in seine Nil-Oase gebracht“, so Harz „Ich durfte in seinem Haus wohnen.“

Mittagspause in der libyschen Wüste

Es sind diese zufälligen und spontanen Begegnungen, an die sich der gebürtige Duisburger besonders gerne erinnert. Er zeigt ein Bild, dass ihn mitten in der libyschen Wüste zeigt. 1968 war er als Tramper wieder wochenlang unterwegs und kam dort mit Lkw-Fahrern während einer Mittagspause ins Gespräch. Er lächelt. „Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten...“

Mit dem Auto hat er zwei Jahre später den Mittleren Osten bereist, war später in Marokko, in England und auf Korsika. In Syrien hat er die meisten der bis heute über 690 Stempel in seinen Reisepässen gesammelt. „Durch die Touren habe ich immer wieder neue Energie für meinen Bürojob als Versicherungskaufmann getankt.“

Nach der Wende mit dem Rad durch die neuen Bundesländer

Nicht immer musste er dafür allerdings in die Ferne schweifen. „Ich weiß auch Deutschland zu schätzen, die Landschaften“, sagt Harz. 1990 und ‘91 ist er nach der Wende durch alle fünf neuen Bundesländer geradelt. Er hat in Datschen übernachtet, in den zu DDR-Zeiten typischen Garten- oder Wochenendhäusern, und auch mal in einem kleinen Zimmer über einer Backstube.

1992 hat er sich tatsächlich mal in einen Flieger gesetzt – für seinen ersten von bisher zwei Australien-Trips. Vor Ort hat er sich aber gleich wieder ein Auto genommen, um sich von Darwin, Ayers Rock, der durch sein Opalvorkommen bekannten Stadt Coober Pedy, der Great Ocean Road oder dem Great Barrier Reef begeistern zu lassen.

Mit dem Auto bis nach Sibirien

Einige Jahre später war Harz auf US-Rundreise durch 27 Staaten gemacht und 1999 auf dem Inka-Trail mit Besuch der berühmten peruanischen Ruinenstadt Machu Picchu. Zwei Jahre später hat er sich von Duisburg aus mit dem Auto in Richtung Sibirien aufgemacht. „Mein Vater hatte Kriegskameraden, die dort in Gefangenschaft waren“, so der 82-Jährige. „Ich bin von Russlanddeutschen gebeten worden, Briefe und kleinere Geschenke für Familienangehörige mitzunehmen.“ Die hat er in Omsk, Nowosibirsk und Ulan-Ude vorbeigebracht. „Die Weite Sibiriens hat mich unglaublich fasziniert.“

Richtig Angst hatte Harz auf seinen Reisen selten. 2012 allerdings war er in Südkorea mit Bussen, der Bahn, Taxi – und per Schiff unterwegs. „Auf der Rückfahrt von der Vulkaninsel Jejudo sind wir in einen fürchterlichem Sturm gekommen“, sagt der Weltenbummler. „Das war’s, habe ich nur gedacht.“

Dieses Erlebnis hat ihn aber in der Folge nicht vom Reisen abgehalten – und sein Alter schon mal gar nicht. Zuletzt war er 2018 in Laos (Südostasien). Dort hat er an der chinesischem Grenze ein deutsches Ehepaar aus Augsburg getroffen – gleich zweimal. „Erst an der chinesischen Grenze und 14 Tage später ist mir ihr Wagen vor mir aufgefallen.“ Was beim Kennzeichen A-PO 1968 auch nicht verwundert. Ob das Paar einen besonderen Hang zu Studentenbewegung hatte, ließ sich in Laos allerdings nicht abschließend klären.

Fest steht, dass Harz schon bald wieder auf große Tour geht. Mitte Oktober soll der Flieger in Richtung Brasilien abheben. Der 82-Jährige plant eine Rundreise durch das südamerikanische Land. „Rio des Janeiro, die Iguazú-Wasserfälle oder Manaus mit der Oper mitten im Amazonas-Gebiet – ich freu mich drauf.“

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