Bildung

Zu wenig Schulplätze – Düsseldorfer Eltern sauer

Das Gymnasium Gerresheim („Am Poth“) erfreut sich größter Beliebtheit – und muss daher manch einen Schüler ablehnen.

Das Gymnasium Gerresheim („Am Poth“) erfreut sich größter Beliebtheit – und muss daher manch einen Schüler ablehnen.

Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf.   An den beiden Gerresheimer Gymnasien wurden insgesamt 33 Kinder abgelehnt. Eltern wollen Brief mit Lösungsvorschlägen an die Verwaltung schreiben

Die erste Anmeldephase für Schüler an weiterführenden Schulen ist beendet. Doch nicht jedes Kind konnte an der gewünschten Schule aufgenommen werden. Eltern – und Kinder – sind in Sorge. Gerade in Gerresheim scheint man besonders gebeutelt zu sein. Dort musste das Marie-Curie-Gymnasium sieben und das Gymnasium Gerresheim („Am Poth“) 26 Kinder ablehnen.

Eine Stunde mit dem ÖPNV „nicht zumutbar“

Familienvater Joe Lüder kennt das Problem. Sein Sohn hatte sich sehnlichst gewünscht, „Am Poth“ aufgenommen zu werden. Umso erschüttertet war er nach der Absage. „Er hat die ersten Tage nicht verstanden, dass es nicht an ihm liegt, dass er nicht genommen wurde“, so Vater Lüder, der das ganze Heckmeck im Vorfeld nicht versteht. „Wenn eh ausgelost wird, kann man die Anmeldung auch in eine Box werfen.“

Auch ärgert er sich über die Alternativen. Im Ablehnungsbescheid stehen fünf Schulen, die noch Plätze haben – darunter das Görres-Gymnasium, das Friedrich-Rückert-Gymnasium, das Luisengymnasium sowie Schulen in Benrath und Reisholz. „Mit den ÖPNV braucht man fast eine Stunde nach Benrath, das ist unzumutbar“, so Lüder. Er hatte noch auf das Marie-Curie-Gymnasium gehofft, dass im vergangenen Jahr fünfzügig, nun jedoch wieder vierzügig fährt.

Keine Fünfzügigkeit wegen G9

Der Grund dafür sei, so die Stadt, die die Zügigkeit festlegt, dass „durch die Rückkehr zu G9 zukünftig an beiden Gymnasien in Gerresheim ein Jahrgang mehr unterrichtet wird, als es im Moment der Fall ist“, so Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamtes. Jedoch könnten alle Kinder an Gymnasien untergebracht werden. Die Stadt tätige erhebliche Investitionen im Milliardenbereich im Schulbau. Doch für Lüder, der mit anderen Eltern einen Brief an die Verwaltung – mit Lösungsvorschlägen – schicken will, ist der Blick in die Zukunft düster. „Wenn das Glasmacherviertel fertig wird, explodieren die Schulen förmlich.“

„Am Poth“ hat man großes Verständnis für die Sorgen der Eltern, sagt Schulleiter Raphael Flaskamp. Dort hatten sich 171 Schüler auf die 145 Schulplätze beworben. Am städtischen Humboldt-Gymnasium in Pempelfort wurden sogar 50 Schüler abgelehnt. „Natürlich sind die Eltern am Boden zerstört“, so Flaskamp. Dennoch appelliert der Pädagoge dafür, „offen zu sein für Neues“. Denn es gebe ja Gymnasien in „zumutbarer Nähe“ wie das Görres-Gymnasium in Stadtmitte. Die „zumutbare Nähe“ ist vom Gesetzgeber vorgegeben. Er appelliert daher auch an die Eltern, „den Kindern Mut zu machen, dass sie auch an der anderen Schule neue Freunde finden werden“.

Kriterien der Platzvergabe in der Ausbildungsordnung

Die möglichen Kriterien für eine Platzvergabe sind in der Ausbildungsordnung vorgegeben, wobei die Schulen die Auswahl der Kriterien selbst treffen. Neben dem Weg über das Losverfahren haben Geschwisterkinder einen Platz erhalten. So wurden dort auch drei Kinder aufgenommen, die eine Empfehlung für die Realschule hatten. Aber: „Wir führen vorher intensive Beratungsgespräche mit den Eltern.“ So konnten einige Familien überzeugt werden, dass die Realschule doch geeigneter für ihr Kind ist. Er wünscht sich jedoch, dass das Grundschulgutachten eine „höhere rechtliche Verbindlichkeit“ hat. „Wir dürfen die Noten und das Gutachten nur als Beratungsinstrumente nutzen.“

Der verzweifelte Vorschlag der abgelehnten Eltern, nun in Gerresheim noch eine weitere Klasse einzurichten, scheitert an den sachlichen Zwängen: Zusätzliche Lehrer können nicht einfach eingekauft werden, denn es herrscht Lehrermangel in bestimmten Fächern.

Schulleiter hofft auf entspanntere Situation

Und neben der Personalfrage müsste auch zusätzlicher Raum geschaffen werden: Die Schulen mit Containern zu erweitern, sei keine Lösung. „An anderen Schulstandorten haben wir dann leere Klassenräume und bauen dann aber teure Container – das ist Steuergeldverschwendung“, argumentiert Flaskamp. Mit den geplanten Bau von neuen Gymnasien im Stadtgebiet (z.B. in Grafental) wird sich die Situation im Düsseldorfer Osten in Zukunft hoffentlich ein bisschen entspannen, so Flaskamp.

Nur 33 Anmeldungen bisher am Luisen-Gymnasium

Das städtische Wim-Wenders-Gymnasium in Oberbilk hat 120 Schüler aufgenommen, auch dort mussten leider 18 Schüler abgelehnt werden, so Schulleiterin Antonietta P. Zeoli. Die Eltern werden jedoch nicht allein gelassen. „Wir beraten sie nochmal, wenn sie das wollen. Viele machen sich große Sorgen, aber wir nehmen uns für jeden Zeit und beraten ruhig und aufrichtig.“

Anders sieht es am Luisengymnasium in Stadtmitte aus. Dort sind in der ersten Anmeldephase gerade mal 33 Anmeldungen eingegangen. Rund 29 Schüler pro Klasse sollen es in dem dreizügigen Gymnasium werden. Die schleppende Anmeldung begründet Schulleiterin Gabriele Patten damit, dass die Schule „nicht in so einem Wohnumfeld liegt wie die in Gerresheim“. Auch seien viele verunsichert, da die Schule in vier Jahren den Standort wechselt.

>> SANIERUNG UND ERWEITERUNG

Die Schüler, die noch nicht angemeldet sind oder an der gewünschten Schule abgelehnt wurden, haben bis zum Donnerstag, 21. März, 10 bis 13 Uhr, Zeit, sich an Schulen mit noch freien Plätzen anzumelden.

Der Stadtrat hatte in seiner letzten Sitzung die Sanierung und Erweiterung des Friedrich-Rückert-Gymnasiums und Weiterbildungskollegs (Abendgymnasium) in Rath beschlossen. Für 54,8 Millionen Euro wird der Standort Rückertstraße modernisiert und ausgebaut. Baubeginn ist im 3. Quartal 2019, Fertigstellung nach 24-monatiger Bauzeit im 3. Quartal 2021.

Von ungesunden Eltern-Ehrgeiz – Ein Kommentar von Stephan Wappner 

Ich möchte hier keinem Elternteil zu nahe treten. Aber ich denke, das Problem mit den geringen Kapazitäten in Gymnasien sind die Eltern selbst. Heutzutage glauben Mütter und Väter oft, dass ihr Kind nur dann ein vollwertiger Teil der Gesellschaft werden kann, wenn es ein Gymnasium besucht hat. Nicht selten wird durch diesen falschen Ehrgeiz der Erziehungsberechtigten das Gegenteil erreicht: Mädchen und Jungen sind schon in der fünften Klasse so überfordert, dass nichts anderes übrig bleibt, als sie von der Schule zu nehmen. Diese aktuelle Diskussion ist also auch ein Spiegel der Zeit. Sie zeigt, wie aufgeregt unsere Gesellschaft geworden ist.

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