Sport

Wie Bernd Restle sich und Fortuna-Spieler fit macht

Physiotherapeut Bernd Restle vor dem Sporttherapiezentrum an der Rosmarinstraße 90, Düsseldorf Flingern.l

Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Physiotherapeut Bernd Restle vor dem Sporttherapiezentrum an der Rosmarinstraße 90, Düsseldorf Flingern.l Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf-Flingern.   Bernd Restle ist der wichtigste Mensch Düsseldorfs. Schließlich zeichnet sich der 58-Jährige dafür verantwortlich, dass angeschlagene Fortuna-Fußballer wie zuletzt Lumpi Lambertz oder Stefan Reisinger wieder in die Gänge kommen.

Immer wieder eine große Aufgabe, die der Sport- und Physiotherapeut aber nicht als Druck verspürt. Die Arbeit mit „seiner Fortuna“ ist für den Mann eine Herzensangelegenheit. Seit 33 Jahren schon. „Wir sind zurück in der Bundesliga“, sagt Restle, der seit 33 Jahren auch die gleiche Dauerwelle trägt. „Wenn ich daran denke, wie der Verein in den vergangenen Wochen und Monaten explodiert ist, könnte ich platzen vor Freude.“

Restle, den 1979 der damalige Fortuna-Trainer Otto Rehhagel zu den Profis holte, hat mit den Rot-Weißen viel erlebt. Aufs und Abs, immer wieder. Er hat DFB-Pokalsiege gefeiert und Europacupspiele gegen Benfica Lissabon miterlebt, aber auch Partien in der Oberliga gegen Ratingen 04/19 oder den Gürzenicher FC.

Der Körper als höchstes Gut

Was sich - neben der Fortuna - in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat, sind aber auch die Netzwerke im Profisport. „Heutzutage muss ich fünf bis sechs Personen informieren, wenn sich ein Spieler verletzt hat, das gab’s früher nicht“, sagt der Kult-Physio, der nicht nur mit Fortunen wie Klaus Allofs oder Egon Köhnen zusammenarbeiten durfte, sondern auch mit Weltstars wie Ruud Gullit oder Rivaldo. Gerade bei Fußballern handele es sich mittlerweile um „Ein-Mann-Unternehmen, und der Körper sei das Kapital“.

Das ist die eine Seite. In der Hauptsache beschäftigt sich die Restle-Crew im Sport- und Therapiezentrum zwischen Müllverbrennungsanlage und Fortuna-Leistungszentrum am Flinger Broich jedoch mit den zivilen Patienten. Es sind im Schnitt 120 pro Tag. Zeit ist deshalb ein wichtiger Faktor. Das Haus ist von sieben bis 20 Uhr geöffnet, 25 Physiotherapeuten arbeiten in wechselnden Schichten, um allen Kunden gerecht zu werden. „Wir haben es nicht mit Stühlen oder Tischen zu tun, sondern mit Menschen“, sagt Restle. „Eine Hollerdiboller-Therapie funktioniert da nicht.“ Jeder, der zu ihm kommt, habe sein Päckchen zu tragen, „ob’s das Knie, die Wirbelsäule oder das Schlüsselbein ist“. Und jeder habe ein Recht darauf, „dass wir ihn mit aller Geduld wieder in Form bringen“.

Jeden Tag Training

Stichwort Mobilität. Nichts ist für Restle grauenerregender als die Vorstellung, sich nicht mehr bewegen zu können. „Da habe ich persönlich große Angst vor“, sagt der drahtige Mann, der manchmal so schnell redet, als fürchte er, der Tag gehe vorbei, ohne dass er alle Sätze gesagt hat. Weil er unbedingt fit bleiben will, geht er sechsmal pro Woche laufen, immer exakt 6,5 Kilometer durch den Grafenberger Wald, dazu einmal pro Wochen Fußballspielen bei Fortunas Traditionself, in der noch Altstars wie Gerd Zewe oder Thomas Allofs am Ball sind. „Es geht ja auch um Glaubwürdigkeit“, meint Restle. „Ich kann mich nicht hinstellen, den Patienten etwas vom Fitmachen erzählen und selbst 180 Kilo wiegen.“

Und so hat Bernd Restle einen Lebenswunsch. „Ich will mich, wenn ich 95 bin, noch bewegen können, und wenn’s er nur ein Spaziergang im Wald ist“, sagt er. Und wenn Fortuna bis dahin in der Champions League spielt, wäre das auch nicht schlecht.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik