Überzeichnung

Rassismus-Debatte um Melchior

Über die Darstellung des Weisen Melchior (2. v. li.) ist eine Debatte entbrannt. Die Figur wurde überzeichnet

Über die Darstellung des Weisen Melchior (2. v. li.) ist eine Debatte entbrannt. Die Figur wurde überzeichnet

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Düsseldorf.  Die Figur von einem der Heiligen Drei Könige sei überzeichnet und überkarikiert, lautet der Vorwurf. Das sagen Düsseldorfer Geistliche dazu.

Kann die Darstellung der Heiligen Drei Könige mit dem schwarzen Melchior rassistisch sein? Über diese Frage ist eine Debatte entbrannt. Entfacht hat sie eine Kirchengemeinde in Ulm. Und auch über die Sternsinger wird nun diskutiert.

Caspar, Melchior und Balthasar gehören zur Weihnachtsgeschichte wie die Hirten, Engel, wie Ochs und Esel. Seit eine evangelische Gemeinde aus Ulm die Heiligen Drei Könige wegen rassistischer Merkmale – Melchior wurde dort mit wulstigen Lippen und Federschmuck dargestellt – vorsorglich aus ihrer Weihnachtskrippe verbannt hat, gibt es eine Debatte darüber, wie man die Weisen heutzutage darstellen darf. Auch in Düsseldorf.

Kirchliche Empfehlung gegen Blackfacing

Der katholische Stadtdechant Frank Heidkamp verstehet, dass die Figuren in Ulm entfernt wurden. „Sie waren sehr überzeichnet und klischeehaft“, sagt er. Bisher sei die Diskussion aber noch nicht allzu sehr bis nach Düsseldorf vorgedrungen. Vielleicht ändere sich das, sobald auch die Krippen aufgestellt werden. Grundsätzlich sei aber richtig und wichtig, dass Melchior schwarz sei, so Heidkamp. „Die Heiligen Drei Könige repräsentieren die Erdteile Asien, Europa und Afrika. Die Idee dahinter ist, dass von allen Kontinenten Menschen zum Jesuskind kommen.“ Daher sei die grundsätzliche Darstellung nicht rassistisch, aber sie dürfe nicht überzeichnet werden.

Gleichzeitig sei gerade in der katholischen Kirche mit ihren Sternsingen – wie schon im Karneval – über das sogenannte „Blackfacing“ diskutiert worden, das sich schwarz anmalen. „Es gibt von der Kirche die dringende Empfehlung, das nicht zu machen“, so Heidkamp. Die Umsetzung sei jedoch unterschiedlich, gibt er zu. Gerade in der heutigen Zeit sei aber ein sensibler Umgang damit gefragt.

„Man darf nicht überkarikieren“

„Die Frage, ob die Darstellung des Melchior als afrikanischem König angemessen ist, halte ich für das Ensemble des Ulmer Münster angebracht“, meint der evangelische Superintendent Heinrich Fucks. Auch, dass die Gemeinde die Sache erst im nächsten Jahr abschließend klären möchte. Die vergangenen Monate haben im Blick auf rassistische, koloniale und anderweitig herabsetzende Äußerungen und Darstellungen sensibilisiert, so Fucks. Das zeige auch der Umgang katholischer Verbände mit der Figur des Melchior bei den Sternsingern, solle dieser doch nicht mehr durch Blackfacing dargestellt werden.

Axel Weber, Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Unterrath und Lichtenbroich findet ebenfalls, dass man in der Art wie man Melchior darstellt, vorsichtig sein muss. „Man darf ihn nicht überkarikieren.“ Und was Blackfacing-Debatte anbelange: Er findet etwa die Verkleidungen an Karneval nicht despektierlich.

In Kirchen hat Rassismus kein Platz

Der katholische Seelsorger Franz E. Kirsch, der im Krankenhaus Benrath tätig ist, meint, dass eine solche Überzeichnung wie in Ulm „nicht in die heutige Zeit“ passe. Es sei jedoch wichtig, dass darüber in der Kirche eine Diskussion entstehe. „Wir müssen zeigen, dass hier kein Platz für Rassismus ist.“

Michael Dederichs, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius und Benediktus in Oberkassel, findet ebenfalls die Darstellung überzogen. Grundsätzlich habe es aber an der schwarzen Darstellung des Melchior nicht Anstoß gegeben, denn es seien alle Menschen gleich welcher Hautfarbe gleichberechtigt und gleichwertig: „In der Kirche gibt es keine Ausländer.“

Er habe zwar davon gehört, kenne aber die Darstellung nicht und könne daher die künstlerische Form nicht beurteilen, so Uwe Vetter, leitender Pfarrer der evangelischen Johanneskirche in Stadtmitte. Unabhängig davon sei die Legende der Heiligen Drei Könige als Ausformung der biblischen Magier aus dem Morgenland in Bethlehem sicher nicht rassistisch, im Gegenteil, so Vetter. „Die Weltvölker – in Sequenz der drei Söhne Noahs Sem, Ham und Japhet zu dritt – auf ihrer Wallfahrt zum Zion werden gleichberechtigt symbolisiert.“ Die Empörung könne folglich nur Kunstkritik an der Darstellung sein.

Schwarzer Jesus in der Jonakirche

In der evangelischen Jonagemeinde Lohausen steht ein Kreuz aus Ruanda auf dem Altar. Das Holz sei schwarz und damit Jesus auch, so Pfarrerin Ute Kaufmann. Denn die Welt sei eben „bunt“, so die Pfarrerin. Bisher habe sich dort auch niemand über die Darstellung beschwert. Wenn sich jedoch schwarze Men schen daran stören würden, sollte man das nicht machen.
(Mit DPA)

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