Kunst und Kultur

Kultur und Wohnen auf Düsseldorfer Gefängnis-Gelände

Freie Fläche für Kunst und Kultur in Düsseldorf. So soll der Ausstellungsraum in der Kapelle Ulmer Höh’ aussehen.

Freie Fläche für Kunst und Kultur in Düsseldorf. So soll der Ausstellungsraum in der Kapelle Ulmer Höh’ aussehen.

Foto: Olaf Kasperidus / Kunstverein Ulmer Höh'

Düsseldorf.  Der Kunstverein Ulmer Höh’ will in der ehemaligen Knast-Kapelle in Düsseldorf Wohnungen und Raum für Kunst schaffen. Konzept wurde vorgestellt.

Der Kunstverein Ulmer Höh’ (KUH) stellte am Donnerstag sein Konzept für die ehemalige Gefängniskirche Ulmer Höh’ vor. Dabei standen, neben dem Projekt selber, auch die Pläne für den Bau, die städtebauliche Eingliederung und die Ökologie des Programms im Fokus. Die Initiatoren des 2014 gegründeten Vereins arbeiten seit 2012 an dem Projekt.

Die Hälfte der Wohnungen werden öffentlich gefördert

In der Kapelle der ehemaligen JVA soll Platz für Wohnraum, Kunst und Kultur geschaffen werden. Daran arbeitet der Verein KUH seit seiner Gründung. Bald wird der Zuschlag für das Gebäude erwartet. Darin sollen zehn Wohnungen entstehen, von denen die Hälfte öffentlich gefördert wird. „Das wird ein junger Stadtteil, kein Luxusghetto“, betonte KUH-Vorsitzender Horst Wackerbarth.

„Die Wohnungen werden in den unteren beiden Etagen, im Gewölbe, wo die Zellen waren, sowie in der dritten Etage entstehen“, erklärte Lukas Göbel, KUH-Kassenwart. „Fünf Eigentumswohnungen werden von Vereinsmitgliedern gekauft. Im oberen Bereich wird ein großzügig angelegter Ausstellungsraum eingerichtet. Dieser soll ein Ort für Kunst und Kultur werden.“ Die alte Empore der Kapelle, wo einst eine große Orgel stand, wurde vor einigen Jahren bei einem Brand beschädigt, so Göbel weiter. „An ihrer Stelle soll ein Zwischengeschoss, ein sogenanntes Mezzanin, gebaut werden, wo zusätzlich Veranstaltungen stattfinden können, ohne dass die Ausstellung abgebaut werden müsste“, erklärte Wackerbarth. „Wir wollen hier mehr als 100 Veranstaltungen organisieren.“

Viel Platz für urbanes Leben

Das Gelände auf dem früher die Zellentrakte standen soll eine freie Grünfläche werden. „Hier wird mit einem Supermarkt, dem Spielplatz und einem Café viel urbanes Leben entstehen“, erläuterte Göbel weiter. Ebenso soll der Vorplatz vor der Kapelle zur Grünfläche werden. Mit Außenbereich für das Cafés. „Das passt dann auch zum Gesamtkonzept der Wohngegend, welche die Firma Interboden auf dem restlichen Areal plant.“

Um den hinteren Gebäudeteil zu erschließen muss ein Anbau mit einem zweiten Treppenhaus errichtet werden. Das ist Vorschrift für öffentliche Gebäude. Diese müssen über einen zweiten Fluchtweg verfügen. Dieses zweite Treppenhaus hatte die Bau- und Liegengesellschaft NRW (BLB) zuvor abgerissen, „obwohl wir gebeten haben, es stehen zu lassen, da wir es brauchen werden“, kritisierte Wackerbarth. „Auch die original Steine wurden entsorgt, obwohl wir sie für den nun nötigen Anbau nutzen wollten.“ Richtung BLB sagte er: „Es gibt nichts unkooperativeres als diesen Club.“

Ein Mahnmal für die westdeutsche Geschichte

Die Kapelle sei ein Mahnmal westdeutscher Geschichte, erklärte Wackerbarth. „Hier war die Hinrichtungsstätte aus dem Mittelalter und das Gefängnis, in dem im Kaiserreich Verbrecher und dann unter den Nazis politische Gefangene eingesperrt wurden. Schließlich saßen die Kriegsverbrecher selber hier ein.“ Daher solle es später auch eine Skulptur oder Gedenktafel auf dem Gelände geben. „Und wir holen die alte Kirchenglocke zurück“, kündigte er an. „Die ist im Justizministerium eingelagert. Als Mahnmal gehört sie aber hierhin.“

Sobald man den Zuschlag habe, wolle man so schnell wie möglich die Genehmigungen einholen, mit dem Bau beginnen und eröffnen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Zuschlag noch in diesem Jahr bekommen“, sagte Wackerbarth weiter. „Wir hoffen, dass bis 2021 der öffentliche Bereich dann fertiggestellt ist.“

Künstler wollten ökologischen Aspekt

Für das Bauprojekt in der alten Kapelle auf dem Gelände der ehemaligen JVA war es dem Kunstverein Ulmer Höh’ (KUH) wichtig, einen ökologischen Aspekt einzubringen. Daher soll es eine vertikale Begrünung an der Fassade geben. Diese isoliere das Gebäude und nehme mehr CO2 auf, so der Verein. Weiterhin soll zum Schutz vor Tauben ein Turmfalke angesiedelt werden und Bienen auf dem Gelände ein zu Hause finden. Der Strom soll von Photovoltaikanlagen auf dem Dach, sowie durch Fernwärme kommen.

„Der Finanzbedarf pro Jahr wird rund 400.000 Euro betragen“, erklärte Beate Düsterberg-Eissing, zweite Vorsitzende des KUH. „Das Geld soll durch die Einnahmen des Cafés, die Vermarktung, Events, Mitgliederbeiträge, sowie Spenden und Zuschüsse der Stadt und dem Land NRW zusammenkommen.“ Außerdem wird eine einmalige Förderung durch die NRW-Stiftung und den Bund beantragt. Dazu gebe es bereits Vorgespräche, so Horst Wackerbarth.

Finanzier unterstützt den Kunstverein

„Unser Businessplan ist von Profis geprüft. Wir werden schlagkräftig und schnell operieren können“, versicherte Wackerbarth. Finanziert werden soll der Bau auch durch einen Finanzier, der nicht genannt werden möchte, solange der Zuschlag nicht sicher ist. „Wir haben die Gesamtkosten des Projekts auf etwa 6,8 Millionen Euro kalkuliert. Nach unseren Einnahmen und den Förderungen haben wir eine Finanzlücke von rund 2 Millionen Euro, die unser Mann im Hintergrund übernehmen wird.“

SPD-Ratsherr Philipp Tacer sagte dazu: „Als Vorsitzender des Umweltausschusses bin ich begeistert von den ökologischen Aspekten. Wir brauchen mehr solcher Pilotprojekte. Dass ein Teil zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung steht war nicht selbstverständlich. Dafür hat sich auch Oberbürgermeister Thomas Geisel eingesetzt.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben