Migration

In Düsseldorf fehlen Wohnungen für Geflüchtete

Amit Marcus (zweiter von links) von der Aidshilfe Düsseldorf mit Edward Sakash, Alaa Miro und Ali Saad (von links), die der Sozialarbeiter im Rahmen der Initiative „You‘re welcome – Mashallah!“ betreut.

Amit Marcus (zweiter von links) von der Aidshilfe Düsseldorf mit Edward Sakash, Alaa Miro und Ali Saad (von links), die der Sozialarbeiter im Rahmen der Initiative „You‘re welcome – Mashallah!“ betreut.

Foto: FOTO: Grotjohann

Düsseldorf.  Die Suche nach einer Bleibe ist für Geflüchtete schwierig. „Jahrelanges Wohnen in Asyl-Einrichtungen verhindert Integration“, heißt es.

„Ich finde keine Wohnung, habe 300 Mails auf Wohnungsanzeigen geschrieben, doch leider nur vier Absagen bekommen“, erzählt Edward Sakash. „Die anderen Adressaten haben überhaupt nicht reagiert.“ Er stammt aus Sibirien, flüchtete von dort, weil er als schwuler und politischer Aktivist diskriminiert und verfolgt wurde und sucht seit zweieinhalb Jahren eine Wohnung in Düsseldorf.

Homosexuelle Flüchtlinge haben es noch einmal schwerer

Auch von vielen anderen homosexuellen Geflüchteten weiß Amit Marcus, dass sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Repressalien erlebten und deshalb in Deutschland um Asyl baten. „Die Wohnungssuche ist für die meisten dieser Menschen sehr langwierig und schwierig“, so Marcus. Der studierte Sozialarbeiter und promovierte Literaturwissenschaftler ist bei der Aidshilfe Düsseldorf tätig – und betreut im Rahmen der NRW-Initiative „You‘re Welcome – Mashallah!“ Migranten und geflüchtete Männer, die schwul oder bisexuell sind. „Großartig“, „toll“ bedeutet das arabische Wort „Mashallah“ sinngemäß. Die wörtliche Übersetzung ist: „Was Gott will“.

„Mir und meinen Klienten ist bewusst, dass es hier in Düsseldorf vor allem an staatlich geförderten, günstigen Wohnungen mangelt“, sagt Marcus. Überwiegend seien die von ihm unterstützten geflüchteten Männer arbeitssuchend – und somit bei ihrer Wohnungsfinanzierung auf das Geld des Jobcenters angewiesen, das für Alleinstehende in der Regel 459 Euro Wohnkosten bezahlt.

Doch noch ein anderer Faktor, glaubt Marcus, erschwert das Finden einer bezahlbaren Wohnung: „Ich vermute, dass viele Vermieter haben Angst, dass ihre Miete nicht regelmäßig und rechtzeitig bezahlt wird, wenn der Mieter seine Geldleistungen vom Jobcenter bezieht. Diese Angst, auch wenn sie nachvollziehbar ist, ist unbegründet, da eine direkte Überweisung der Miete vom Jobcenter an den Vermieter problemlos möglich ist.“

93 Prozent der städtischen Unterkünfte sind derzeit ausgelastet

Alaa Miro flüchtete aus Syrien, lebt seit vier Jahren in einem Flüchtlingsheim und ist schon lange auf Wohnungssuche. Ali Saad floh aus Algerien. In beiden Ländern ist Homosexualität illegal und gesellschaftlich tabuisiert. „Wir sind Deutschland sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen“, sagt Saad, der auch in einer Unterkunft für Geflüchtete lebt und eine Wohnung sucht. „Ich suche seit langem Arbeit – und würde jede Tätigkeit annehmen“, betont er. Doch er wünsche sich auch, nach dem jahrelangen Heim-Alltag mit Doppelzimmer-Belegung, Gemeinschaftsküche und -bad ein Zuhause zu finden, in dem er für sich sei und mehr Privatsphäre habe. Nach seiner Beobachtung stünden viele Zimmer in den Unterkünften leer, und er frage sich, ob Geflüchtete die freien Räume nicht auch nutzen könnten, um dort allein zu wohnen.

„Es ist nur scheinbar ein Leerstand“, antwortet Miriam Koch, Leiterin des Düsseldorfer Amts für Migration und Integration, auf Anfrage der NRZ. „Unsere städtischen Unterkünfte sind derzeit zu 93 Prozent ausgelastet. Die freien Räume sind entweder renovierungsbedürftig oder wir müssen sie frei halten, um flexibel auf neu ankommende Geflüchtete reagieren zu können.“ Sie wisse, sagt Koch, dass der Wohnungsmarkt gerade für alleinstehende Wohnungssuchende schwierig sei. Zudem verpflichtet die seit Anfang 2016 geltende Wohnsitzauflage anerkannte Flüchtlinge, die der Stadt Düsseldorf als Schutzberechtigte zugewiesen wurden, für drei Jahre in der Kommune zu bleiben.

Tipps zur Wohnungssuche in den Welcome Points

Die Stadt selbst, so Koch, teile Geflüchteten keine Wohnungen zu. „Die Welcome Points geben ihnen jedoch Tipps zur Wohnungssuche.“ Insgesamt elf dieser Anlaufstellen gibt es in Düsseldorf, betreut werden sie meist von Wohlfahrtsverbänden. Und zu Geflüchteten, die ihre Wohnkosten vom Jobcenter beziehen, meint Koch: „Ich glaube, dass das ganz sichere Mieter sind.“

Von Marcus Klienten, die er bei seinem Projekt betreut, haben inzwischen einige eine Wohnung und auch Arbeit gefunden. „Doch die Mehrheit lebt oft jahrelang in Asyl-Einrichtungen. Ich erlebe, dass das Frustration, manchmal auch Depressionen bei den Geflüchteten verursacht und ihre Integration in die Gesellschaft verhindert.“ Er vermutet, dass einige Vermieter die ausländische Herkunft von Geflüchteten als problematisch empfinden. „Mein Appell ist: Vermieter sollten aus Solidarität, und um die Integration zu fördern, ihre Wohnungen auch an Geflüchtete vermieten.“

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