Klartext

Für Streiks nie die richtige Zeit

NRZ-Redakteur Götz Middeldorf über die Warnstreiks.    

NRZ-Redakteur Götz Middeldorf über die Warnstreiks.    

Foto: OH

NRZ-Redakteur Götz Middeldorf meint, dass Verdi den Bogen nicht überspannen sollte, auch wenn er die Streiks versteht.

Es ist verdammt ärgerlich, wenn wieder keine Busse und Bahnen fahren. Die Straßen sind wieder verstopft, Düsseldorfer und Einpendler wissen nicht, wie sie zur Arbeit kommen. Den Ärger darüber sollte man nicht an Verdi auslassen und schon gar nicht an den streikenden Arbeitnehmern. Für Streiks gibt es aus Sicht der Arbeitgeber eben nie den richtigen Zeitpunkt. Aber sie muss die Wut der Streik-Opfer treffen.

Viele Streikende, darunter Mitarbeiter in Kliniken, wurden vor wenigen Monaten für ihr Engagement gelobt und beklatscht. Wenn es um Gesten geht, ist man schnell dabei. Wenn es darum geht, Leistung in Geld umzuwandeln, ist es Vorbei mit der Solidarität.

Aber: Verdi darf den Bogen nicht überspannen. Zwei Tagen hintereinander den ÖPNV lahm zu legen, ist heftig. Es gibt Corona-Opfer, die nicht mit der geballten Macht von Streiks auf ihre Misere aufmerksam machen können: Mitarbeiter der Event-, Gastronomie- und vieler anderer Branchen. Sie werden auf Dauer mit Unverständnis darauf reagieren, wie Verdi Lohnerhöhungen für sichere Jobs durchsetzen will, während sie von der Öffentlichkeit vergessen werden.

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