Oldtimer

Düsseldorfer Werkstatt mit französischem Flair

Dirk Sassen in seiner Werkstatt in Düsseldorf, wo er seit fast 30 Jahren Citroens DS repariert und restauriert.

Dirk Sassen in seiner Werkstatt in Düsseldorf, wo er seit fast 30 Jahren Citroens DS repariert und restauriert.

Foto: Andreas Endermann

Benrath.  Dirk Sassen betreibt in Düsseldorf-Benrath eine eigene Werkstatt für Citroen-Oldtimer.

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Vor 30 Jahren hat Dirk Sassen seine Leidenschaft zu seinem Lieblingsauto Citroen DS zum Beruf gemacht. Dass er heute eine Werkstatt für den Oldtimer mit zehn Mitarbeitern führt und Ersatzteile für Liebhaber des Wagen in alle Welt verkauft, hätte er sich damals nicht träumen lassen. Denn Sassen stammt aus einer alteingesessener Benrather Familie mit einem Metzgerei-Betrieb in der vierten Generation, seinen Metzgermeister hat er mit Auszeichnung gemacht. „Ich stand schon als Zehnjähriger hinter der Theke und habe Wurst eingepackt und kassiert“, sagt Sassen. Von früh auf hat er mitbekommen, dass ein Laden nur läuft, wenn er gut organisiert ist und die Kunden zufrieden sind. Das ist ihm beim Aufbau seines Betriebs zugute gekommen. „Ich habe von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Sassen.

Liebe zum Oldtimer vom Vater geerbt

Nicht nur mit der Geschäftstüchtigkeit, sondern auch der Liebe zum Citroen DS und zur französischen Lebensart ist er aufgewachsen. In seiner Kindheit ging es mit der „Déesse“ in den Sommerferien jahrelang nach Korsika. Noch heute fährt sein Vater das geliebte französische Modell. Als Sassen an seinem eigenen Auto schraubte, merkte er, dass es sinnvoll ist, wenn er für andere Besitzer ebenfalls die Reparaturen übernimmt. Sein begonnenes Studium der Fahrzeugtechnik gab er nach einiger Zeit auf: zu groß war die Nachfrage nach seinem Angebot. „Ich habe mich dann voll und ganz damit beschäftigt“, erzählt er über seinen Anfang als Ein-Mann-Betrieb.

Eine Zeitreise im Citroen

Wer heute an der Benrodestraße 61 in den Hinterhof zu seiner Werkstatt geht, fühlt sich zurückversetzt in eine andere Zeit und an französische Filme mit Alain Delon oder Louis de Funès, bei denen das stilvoll designte Fahrzeug Teil der Ausstattung war. Wie bei Sassen gearbeitet wird, erleben die Kunden ganz unmittelbar. Die Halle ist vollgestellt mit verschiedenen Citroen DS von Kunden, jeweils in einem anderen Stadium der Restaurierung. Die laute Geräuschkulisse entsteht durch echte Handarbeit. Bei einem Fahrzeug, das ganz von Rost befreit wurde, baut ein Mitarbeiter gerade ein neues Chassis auf. Ein anderer überholt einen alten Motor. „Der muss aus dem Dornröschen-Schlaf geweckt werden“, sagt Sassen und lacht. 800 bis 900 Arbeitsstunden investiert Sassen mit seinem Team, bis ein alter Citroen DS komplett restauriert ist. Ab 25.000 Euro ist ein gut erhaltenes Modell mit einfacher Ausstattung zu haben. Für das luxuriöse Pallas-Modell geben Liebhaber bis zu 60.000 Euro aus.

Kunden aus aller Welt

Über eine Treppe geht es in einen anderen Teil der Werkstatt: 3500 verschiedene Ersatzteile lagern dort, in nummerierten Kästchen sortiert. Über den Online-Shop der Werkstatt bestellen Kunden aus der ganzen Welt originalgetreue Teile für ihre alten Schätzchen. Darunter zahlreiche Franzosen. Aus dem Heimatland des Oldtimers hatte Sassen erst Fahrzeuge über Anzeigen aufgespürt, später vermittelte ein Scout ihm die Kontakte. Über die Jahre wurde der Draht in das Land enger, die Vorliebe für die französische Lebensart größer. „Wenn man in Frankreich zur Mittagszeit eintrifft und ein Geschäft abschließen möchte, dann heißt es entweder, Mitkommen zum Essen oder um 14 Uhr wiederkommen. Le Midi, die Mittagsstunde, ist den Franzosen heilig. Das ist unserer schnellen Zeit ja auch ganz schön.“

Mit diesem Auto wird man häufig angesprochen

Bei einer kleinen Spritztour einem edel ausgestatteten Modell, demonstriert Sassen das Fahrgefühl. Die Ledersitze sind weich. „Man sitzt wie auf einem Sofa“, findet er. Die Fenster sind nicht wie bei modernen Autos durch dicke Verstrebungen unterbrochen. So hat man einen guten Panoramablick. Natürlich besitzt Sassen neben seinem modernen Citroen selbst auch einen Oldtimer, in seiner Lieblingsfarbe Blau, den er auch vermietet. Erst neulich habe ein Kunde von den Kanaren damit eine Reise nach Hamburg unternommen, weil er früher selbst einen Citroen DS fuhr.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, wird häufig angesprochen. „Auch wenn ich in Eile bin, nehme ich mir dann die Zeit“, sagt Sassen, der sich über das Interesse freut. Bei einem alten Mercedes passiere das nicht so leicht, glaubt er. „Es ist auch ein Auto, das keinen Neid erweckt.“

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