Umsatzsteuerpflicht

Düsseldorfer Kirchengemeinden fürchten Bürokratiechaos

Kirchengemeinden – wie St. Margareta – werden ab 2021 bei der Umsatzsteuer zur Kasse gebeten.

Kirchengemeinden – wie St. Margareta – werden ab 2021 bei der Umsatzsteuer zur Kasse gebeten.

Foto: Foto: Hans Blossey

Düsseldorf.  Für Kirchen kommt 2021 die Umsatzsteuerpflicht. Gemeinden werden etwa bei Verkäufen auf Pfarrfesten zur Kasse gebeten. Das bedeutet mehr Aufwand.

Der Staat belangt ab Januar 2021 die Kirchengemeinden bei der Umsatzsteuer. Mit dieser neuen Gesetzgebung wird EU-Recht durchgesetzt – aus Wettbewerbsfairness, heißt es. In Zukunft fallen also auch für die Düsseldorfer Gemeinden bis zu 19 Prozent Steuern auf die Einnahmen an. Das bedeutet für Pfarr- und Gemeindefeste, dass über jedes verkaufte Stück Kuchen, jede verkaufte Wurst akribisch Buch geführt werden muss.

Superintendent Heinrich Fucks: „Für Gemeinden komplizierter“

„Das mag ja ein sinnvolles Steuerungssystem für die Finanzverwaltung sein und für eine größere Steuergerechtigkeit sorgen, aber für die Gemeinden wird es komplizierter“, so Superintendent Heinrich Fucks. Dort müsse man nun erst einmal identifizieren, was alles von der Umsatzsteuerpflicht betroffen ist. Gleichzeitig sei man auch vorsteuerpflichtig. „Alle Mitarbeiter müssen nun ganz genau gucken, wann sie welchen Betrag ausgelegt haben und pünktlich abrechnen.“ Das werde vor allem am Anfang komplizierter, mit der Zeit werde sich das aber wohl geben, so Fucks. Allerdings hat er eine ganz andere, große Befürchtung: Dass der neue, deutlich größere Aufwand Ehrenamtliche verprellt.

Hans-Peter Junker, Vorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius und Benediktus in Heerdt, kann über die neue Regelung nur den Kopf schütteln – gerade auch weil der Kirchenvorstand nun persönlich für die Richtigkeit der Angaben haftet. „Das sind Ehrenamtliche, die sich sozial engagieren“, so Junker. Zudem sei der Erlös – etwa eines Pfarrfestes – immer für einen guten Zweck, sei es für Seniorenarbeit oder den Kinderchor. Wenn da der Staat zugreife, sei das schon „irgendwie krank“.

Aufwand für Ehrenamtliche gering halten

Sabine Willems, Verwaltungsleiterin in der katholischen Kirchengemeinde St. Margareta in Gerresheim, sieht ebenfalls eine „große Herausforderung“ darin, den „Aufwand für die Ehrenamtlichen so gering wie möglich zu halten“. Bei einer 180 Seiten umfassenden Einführung, was zu beachten ist, sei das aber nicht einfach. Wichtig sei vor allem, genau zu schauen, für welche „Aktionen die Umsatzsteuer gilt“, so Willems.

Eigentlich ist die Neuregelung auch schon in Kraft – seit 2017. Doch Evangelische Kirche und die Deutsche Bischofskonferenz machten sich für eine Übergangsfrist stark. „Bei unter 35.000 Euro im Jahr gilt die Freistellung bis 2020“, so Junker.

Schlupfloch im Steuerrecht geschlossen

Gegen die Umsatzsteuerpflicht für Kirchengemeinden lässt sich nicht mehr vorgehen, da es geltendes EU-Recht ist. „Das deutsche Steuerrecht hatte dort ein Schlupfloch – und das wurde nun zugemacht“, so Martin Löbach, Leiter des Fachbereichs Finanz- und Rechnungswesen der Rendantur der katholischen Kirche. Auch er sieht die kommenden Veränderungen kritisch, sie seien aber vor allem bürokratischer Natur. Mit der Umsatzsteuerpflicht werden die Kirchengemeinden auch vorsteuerberechtigt. Geld kann so zurückgeholt werden, so Löbach. „Im ersten Moment erschrecken viele aufgrund der neuen Umsatzsteuerpflicht. Finanziell macht das aber keinen allzu großen Unterschied.“ Vielmehr findet auch er es bedenklich, dass Sozialengagierte so in die Pflicht genommen werden. Das sei Quatsch. Zudem bedeute das einen erhöhten Mehraufwand und eine größere Belastung für alle Ehrenamtlichen. „Das ist sehr unschön.“

Zentrale Schulungen werden angeboten

Damit die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen aber gut in das neue System hineinfinden, soll es zentrale Schulungen geben, zu denen eingeladen wird. Bei der Evangelischen Kirche in Düsseldorf will man im nächsten Jahr intensiv schulen, so Heinrich Fucks. Auch bei der Katholischen Kirche stehen Schulungen auf dem Programm. „Alle Rechnungen müssen bestimmte Merkmale erfüllen. Worauf zu achten ist, will das Erzbistum in Schulungen vermitteln“, so Löbach weiter. Dabei geht es auch darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Tätigkeiten alles Einnahmen bringen. „Haben wir einen Dritte-Welt-Laden? Kommt ein Basar? Dort, wo wir etwas verkaufen treten wir in den öffentlichen Wettbewerb ein und darauf müssen wir nun besonders achten“, so Löbach.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben