Bahnverkehr

Die neuen RRX-Züge fahren jetzt durchs Ruhrgebiet

Haben seit wenigen Tagen die Betriebserlaubnis: Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag müssen sich die ersten der neuen RRX-Züge vom Hersteller Siemens im Praxis-Betrieb beweisen. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Haben seit wenigen Tagen die Betriebserlaubnis: Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag müssen sich die ersten der neuen RRX-Züge vom Hersteller Siemens im Praxis-Betrieb beweisen. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf/Dortmund.   Die ersten RRX-Züge kommen ab Sonntag auf der Linie des RE11 zum Einsatz. Für die Bahnkunden bedeutet das vor allem: mehr Sitzplätze.

Im 15-Minuten-Takt und mit mehr Platz in den Zügen soll das Rhein-Ruhr-Express-Netz (RRX) ab frühestens 2030 an Rhein und Ruhr mehr Pendler auf die Schiene ziehen. An diesem Sonntag fällt, fast unbemerkt, ein wichtiger Startschuss: Der Fahrplanwechsel am 9. Dezember ist Premiere für die neuen RRX-Züge.

Auf der Linie RE11 Düsseldorf/Hamm/Paderborn/Kassel sind ab Sonntag erstmals die neuen Züge unterwegs. Auch der Betreiber wechselt: Abellio hat mit Betriebsbeginn von der Deutschen Bahn (DB). Der Fahrplan-Takt bleibt vorerst der Alte, die Züge aber sind die, die für die kommenden 32 Jahre den bisherigen Fuhrpark in NRW ersetzen werden und das künftige RRX-Netz bestücken.

RRX-Züge sollen Tempo machen

"Vom ersten Tag an immer fahrbereit", verspricht der Hersteller Siemens Mobility für die neuen RRX-Fahrzeuge vom Typ Desiro HC, was für "High Capacity" steht - viel Platz. Jedes Fahrzeug besteht aus je zwei ein- und doppelstöckigen Waggons mit zusammen 400 Sitzplätzen. Sie sind bis zu 160 Stundenkilometer schnell und je Einheit 105 Meter lang. Acht der 16 Achsen werden mit insgesamt bis zu 5400 PS angetrieben. Die Züge können "mit Leichtigkeit Zeitreserven herausfahren", wirbt Siemens, um bei 'Verzögerungen im Betriebsablauf' nicht von ICE und Co. ausgebremst zu werden, weil der Fernverkehr auf den Schienen Vorrang genießt. Das ist zum Ärger von Bahnpendlern bisher im Regionalzugverkehr leider die Regel.

Dass die ersten 15 von insgesamt 82 bestellten RRX-Zügen tatsächlich am Sonntag in den Praxis-Betrieb dürfen, wurde erst jüngst besiegelt; das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat am vergangenen Freitag die Betriebsgenehmigung erteilt. "Der Zeitplan war ehrgeizig", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Die RRX-Fahrzeuge seien "so zugelassen worden, wie es Siemens beantragt hatte".

Sorge vor Kinderkrankheiten bei RRX-Fahrzeugen

"Alle Tests waren erfolgreich", sagt eine Siemens-Sprecherin. Gleichwohl weiß man auch dort, "man kann nicht alles simulieren": Wirkliche 'Kinderkrankheiten' "kriegt man erst im realen Betrieb 'raus". Allerdings: Desiro-Züge seien in Russland, in abgewandelter Form, bereits seit vier Jahren im Einsatz und hätten sich bewährt, heißt es bei Siemens. Dennoch, "die Mitarbeiter sind angespannt", zumal der Zug "ein reines NRW-Produkt ist": Gebaut im Siemens-Werk in Krefeld, erprobt vor allem auf der Teststrecke in Wildenrath - und gewartet im eigens gebauten Depot in Dortmund-Eving.

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Auf die Frage nach dem Umgang mit möglichen "Kinderkrankheiten" gibt man sich beim VRR, dem RRX-Auftraggeber, wortkarg: Der VRR hat die Züge finanziert, das Bahnunternehmen Abellio ist als Betreiber der Linie RE11 verantwortlich für das Personal - und der Hersteller Siemens hatte den Zuschlag für Bau der insgesamt 82 Züge und deren Wartung bekommen. "Siemens hat die Verpflichtung, die Fahrzeuge zu Hundert Prozent verfügbar zu halten", sagt eine VRR-Sprecherin. Sollten Züge ausfallen, würden Strafen fällig: "Alles ist vertraglich festgelegt".

Zugpremiere ohne Blasmusik

Pendlern würde das kaum helfen, aber noch geht es nur um die Linie RE11, die im Ruhrgebiet auch Duisburg, Essen und Dortmund verbindet. Dort gibt es im Fall des Falles Ausweich-Linien, heißt es beim VRR. Absehbar aber ist bereits, dass die Einstiegshöhe der RRX-Fahrzeuge am Hauptbahnhof Düsseldorf zum Beispiel Probleme machen wird: Der Zug ist für Bahnsteighöhen von 55 bis 76 Zentimeter ausgelegt; in Düsseldorf sind es 96 Zentimeter.

Im Halbjahres-Takt werden die RRX-Linien ab Sonntag ausgeweitet. Zum Juni 2019 übernimmt der Betreiber National Express von der DB die Linie RE 5 (Koblenz - Wesel), im Dezember 2019 folgt die Linie RE6 (Köln/Bonn Flughafen - Minden), im Juni 2020 ist wieder Abellio an der Reihe mit der Linie RE1 (Aachen - Hamm) und im Dezember 2020 muss die DB dann auch die Linie RE 4 (Aachen - Hagen - Dortmund) an National Express abgeben.

An Girlanden und Blaskapellen sei am Sonntag nicht gedacht, heißt es bei Siemens zur RRX-Fahrzeugpremiere. Beim Betreiber Abellio geht man davon aus, dass Bahnfans sich die Zugpremiere auf der Linie RE11 nicht entgehen lassen wollen. Abfahrt des ersten Zuges am Sonntag ist laut Fahrplan in Düsseldorf Hauptbahnhof um 6.36 Uhr von Gleis 10. In Dortmund startet der erste Zug um 6.21 Uhr in Richtung Düsseldorf.

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