Macher vom Rhein

Der T-Shirt-Drucker vom Düsseldorfer Rheinufer

Stefan Hermanns hat sich eine Siebdruckmaschine gekauft, um selber seine Shirts zu bedrucken.

Stefan Hermanns hat sich eine Siebdruckmaschine gekauft, um selber seine Shirts zu bedrucken.

Foto: Nicole Kampe

Düsseldorf.  Der promovierte Politologe Stefan Hermann aus Düsseldorf gründete sein eigenes Modelabel.

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Die beiden Glühbirnen, die über dem Spiegel im Gästebad hängen, schraubt Stefan Hermanns raus, drückt das Kabel einer kleinen Lampe in die Steckdose und schaltet sie an. Schwachgelb leuchtet sie, wie eine Funzel, die in einer dunklen Kneipe an der Decke hängt. Viel Platz hat der 36-Jährige nicht im Bad, kann sich gerade einmal um die eigene Achse drehen. Der Raum ist aber der einzige in seiner Wohnung, der kein Tageslicht reinlässt. „Meine Dunkelkammer“, sagt Hermanns, der eine Folie mit einem Schriftzug auf einen Rahmen legt. In der Fassung befindet sich eine Art Gewebe, das durchlässig ist, das flexibel ist. „Das müssen wir jetzt fünf, sechs Minuten beleuchten“, erzählt Hermanns, und fertig ist die Schablone für sein nächstes T-Shirt.

Um seine T-Shirts zu bedrucken kaufte er sich eine Siebdruckmaschine

Stefan Hermanns bedruckt Stoffe, vor allem Klamotten – Hoodies, T-Shirts, Kinderbodys. Manchmal auch Jutebeutel, manchmal Papiertüten. Vor Kurzem hat er sich eine eigene Siebdruckmaschine gekauft, die er auf dem Esszimmertisch aufgestellt hat. Drumherum liegen Zeitungen, stehen Farbtöpfe. Und irgendwo mittendrin sitzt Tochter Lia, die aus buntem Krepppapier einen Fuchs bastelt. „Wie viele Beine hat der Fuchs noch mal?“, fragt die Dreijährige, während Papa Stefan Hermanns ein dunkelgraues T-Shirt auf die Maschine legt. „Four“, sagt er. Stefan Hermanns spricht mit Lia Englisch, „sie versteht alles, redet momentan aber nur Deutsch mit mir.“ Dann misst er mit einem Lineal den Abstand vom Kragen zur Brust. Ein Handgriff, der zur Routine geworden ist, den er macht, weil das zum Ablauf gehört. Eigentlich weiß Hermanns genau, wo der exakte Platz ist für den Druck. Kleine Falten zupft er vorsichtig gerade, schraubt den Rahmen ein, den er selber hergestellt hat, legt ihn auf den Stoff. „Ich flute das Sieb jetzt“, sagt der 36-Jährige ganz selbstverständlich. Fluten – das heißt, die Farbe gleichmäßig zu verteilen, ohne sie durch das Sieb zu drücken. Und dann streicht er mit einer Art Gummispachtel über den Rahmen.

In weißen Lettern, die ein bisschen durchbrochen sind, steht auf dem grauen T-Shirt Rheinufer geschrieben, verteilt auf drei Zeilen. Rheinufer – so heißt Stefan Hermanns Label, das Rheinufer ist beliebt bei seinen Kunden, auch wenn Hermanns inzwischen gar nicht mehr Fan ist von den plakativen Motiven, lieber feinere Schriftzüge druckt, „ich mag auch das Schaf von den Kindersachen“, sagt er. Beigebracht hat sich Stefan Hermanns alles selbst, reich wird er vom T-Shirts-Drucken nicht. „Es ist ein Hobby“, sagt der 36-Jährige, „mein Baby.“ Die Idee ist entstanden, als Hermanns auf der Suche nach einem Thema für seine Masterarbeit war. Während seine Kommilitonen Business Cases geschrieben haben, „auf dem Papier in einem Jahr Millionär waren“, sagt Hermanns, wollte er etwas Praktisches machen.

Der Wunsch etwas eigenes zu entwerfen

Gerade als er seinen Posten bei der Bundeswehr gekündigt hatte, als Offizier in der Aufklärungstruppe, mit der er auch sieben Monate in Afghanistan im Einsatz war, kam Töchterchen Lia zur Welt. Mit seiner Frau Nina und Lia reiste er durch Australien und Neuseeland, „wenn ich heute die kleinen Babys sehe, denke ich: ,Wie konnten wir das tun’“, sagt er und erinnert sich noch gut an die letzten Wochen im Camper, als Lia anfing, sich zu drehen „und wir aufpassen mussten, dass sie nicht aus dem Bett fällt“. Bei Freunden und in Bars bekam das Paar Getränke in Flaschen, die in einer Kühl-Manschette steckten. Das hatte Stefan Hermanns in Deutschland noch nicht gesehen, das war seine Idee, das Ganze ein bisschen aufpeppen, modifizieren, „aber das reichte nicht. Wir wollten etwas Größeres machen“. Und weil das Paar immer gern am Rhein unterwegs ist, schlug Nina Hermanns vor, ein Lifestylelabel zu gründen, das den Namen Rheinufer trägt.

Mit der Masterarbeit hat Stefan Hermanns einen Marketingplan ausgearbeitet, hat Programmieren gelernt, sich in Produktdesign eingelesen, sich mit Druckarten beschäftigt. In der Zwischenzeit promovierte er in Politik, „die Lernkurve bei der T-Shirt-Produktion war ziemlich steil“, sagt er. „Ich habe ja bei Null angefangen, mehr als dass ich T-Shirts tragen kann, wusste ich nicht über T-Shirts.“ Anfangs ließ er seine Klamotten von einem Profi bedrucken, inzwischen macht er das nur noch, wenn er zu viele Aufträge rein bekommt oder er gar keine Zeit hat. Immerhin hat Stefan Hermanns auch noch einen Beruf, ist Freelancer in der agilen Softwareentwicklung. Zu seinen Kunden gehören die Telekom und Volkswagen, „dass ich das mal mache, hätte ich als Politologe auch nicht gedacht“, sagt er.

Das Nähen brachte er sich selber bei

Manchmal verbringt Stefan Hermanns ganze Tage an der Siebdruckmaschine, manchmal bleiben ihm in der Woche nur ein paar Stunden. Wenn die Farbe aufgetragen ist, muss die Feuchtigkeit aus der Farbe. Dazu legt er das Shirt auf eine Konstruktion, die aus Sofakissen und Alufolie besteht, dann schaltet er den Heizer ein. Im Backofen würde es auch gehen, „aber die Küche will der 36-Jährige nicht auch noch okkupieren. Irgendwann kam ihm die Idee, dass es schön wäre, wenn seine Mode kleine Etiketts bekämen, ein Schildchen am Bündchen des Pullis, des Shirts. „Drei Euro pro Stück wollte eine Näherin dafür haben“, sagt Hermanns, der kurzerhand eine Nähmaschine kaufte und sich bei der Sendung mit der Maus das Nähen selbst beibrachte.

Wichtig war Stefan und Nina Hermanns, dass das Label nachhaltig ist, „wir könnten in unserem Verhalten sicher manches noch besser machen“, sagt der 36-Jährige, der zum Beispiel auf Bio-Baumwolle von nachhaltigen Textilpartnern setzt. Die Hoodies, Pullis, Shirts und Strampler verkauft er vor allem über das Internet. Manchmal sind er und seine Frau auch auf Märkten unterwegs, wie zuletzt beim Pfingstmarkt in Hamm. Dort wohnt die Familie, im Moment noch in einer Maisonettewohnung. Bald steht der Umzug an, ein paar Kisten sind schon gepackt. „Wir bauen ein Haus“, sagt Stefan Hermanns, nur ein paar Meter die Straße runter. Dann muss er sich auch nicht mehr ausbreiten, im Wohn- und im Esszimmer, muss keine Glühbirnen mehr aus der Fassung schrauben im Bad. Dann hat er einen eigenen Keller mit viel Platz für seine Ideen, von denen es noch so viele gibt in seinem Kopf.

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