Corona

Düsseldorf: So lief das erste Wochenende mit "Verweilverbot"

Lesedauer: 8 Minuten

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Düsseldorf.  Weniger Gedränge als zuvor: In Düsseldorf seien zahlreiche Ansprachen und Belehrungen zum Verweilverbot nötig gewesen, heißt es von der Stadt.

  • Am vergangenen Wochenende gab es in der Düsseldorfer Altstadt und am Rheinufer einen starken Besucherandrang.
  • Die Stadt Düsseldorf hat aufgrund der wieder ansteigenden Corona-Zahlen harte Maßnahmen beschlossen.
  • In der Altstadt und am Rhein galt am Wochenende eine strengere Maskenpflicht und ein "Verweilverbot" - ein Eilantrag gegen diese Maßnahmen ist gescheitert.
  • Es gab weniger Gedränge, heißt es von der Stadt. Es seien zahlreiche Ansprachen und Belehrungen zum Verweilverbot nötig gewesen. Die Angesprochenen waren in der Regel einsichtig, heißt es.

Milde Temperaturen und Sonnenschein haben trotz Corona-Beschränkungen am Wochenende erneut viele Menschen in NRW ins Freie gelockt. Gedränge wie eine Woche zuvor vor allem in den Großstädten meldeten die Ordnungsämter aber nicht. Besonders die drei größten NRW-Städte Köln, Düsseldorf und Dortmund hatten bei ihren Schutzvorschriften nachjustiert. Aus der Landeshauptstadt hieß es am Sonntag zu dem neu verhängten „Verweilverbot“, die Situation an den beliebten Stellen am Rheinufer und in der Altstadt sei deutlich entspannter gewesen.

Dort kontrollierten Polizei und Ordnungsamt in Doppelstreifen, wie ein Stadtsprecher sagte. Es seien zahlreiche Ansprachen und Belehrungen zum Verweilverbot nötig gewesen. „Die Angesprochenen waren aber in der Regel einsichtig.“ Auch mit Lautsprecheransagen sei auf das „Verweilverbot“ hingewiesen worden. Danach dürfen die Menschen in Bereichen der Altstadt und dem nahen Rheinufer bis 14. März an den Wochenenden fast den ganzen Tag über nicht stehen bleiben, sich nicht hinsetzen oder auf eine Wiese legen. Zudem gilt Maskenpflicht dort auch für Spaziergänger und Jogger.

Bußgeldverfahren in Düsseldorf wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht

Ein dpa-Reporter berichtete von vielen Menschen, die auf der Rheinweise und auf Bänken saßen oder auf Stangen am Rheinufer hockten - inmitten der „Verbotszone“. Sie hielten zwar die Abstandsregeln ein, trugen aber nicht durchgängig Mund-Nasen-Schutz. Einen Eilantrag gegen das Verweilverbot hatte das Verwaltungsgericht am Freitag abgelehnt.

Bei Verstößen gegen Corona-Auflagen kam es in Düsseldorf am Samstag nach Stadt-Angaben unabhängig vom „Verweilverbot“ zu Bußgeldverfahren im Stadtgebiet. I

Verwaltungsgericht hatte Eilantrag gegen Verweilverbot abgelehnt

Einen Eilantrag gegen das „Verweilverbot“ in der Düsseldorfer Altstadt hatte das Verwaltungsgericht am Freitag noch kurz vor dem Start abgelehnt. Die zuständige Kammer lehnte das Ansinnen am Freitag unter anderem mit der Begründung ab, dass der Gesundheitsschutz der Bevölkerung wichtiger als die privaten Interessen des Bürgers sei. Noch keine Beschwerde war am Gericht zunächst gegen die parallel verschärfte Maskenpflicht eingegangen. Sie sieht auch vor, dass Jogger am Rheinufer am Wochenende Maske tragen müssen.

In Düsseldorf ist damit am Freitag um 15 Uhr erstmals das „Verweilverbot“ in Kraft getreten, wonach man in einer bestimmten Zone nicht mehr länger stehen bleiben, sich hinsetzen oder auf eine Wiese legen darf. Die Regelungen gelten auch am Samstag und Sonntag. Die Verwaltung hat bereits damit begonnen, 300 rote Schilder aufstellen, die mit dem Schriftzug „Verweilverbotszone: Bitte gehen Sie weiter“ versehen sind.

Die zusätzlichen Corona-Regeln hatte die Stadt nach dem starken Besucherandrang am vergangenen Wochenende aufgestellt: Am vergangenen Wochenende hielten sich Zehntausende Menschen bei bestem Wetter in den Gassen der Altstadt und vor allem an der Rheinpromenade auf. Laut Stadt wurde der Mindestabstand immer wieder missachtet.

Die neue Allgemeinverfügung trat am Donnerstag in Kraft. Sie gilt - außer das Verwaltungsgericht gibt dem Eilantrag statt - von freitags 15 Uhr bis 1 Uhr nachts sowie samstags und sonntags jeweils von morgens 10 Uhr bis nachts um 1 Uhr. Mit den Uhrzeiten soll die Verfügung gegen mögliche Klagen wegen mangelnder Verhältnismäßigkeit geschützt werden.

Corona-Maßnahme: Stadt Düsseldorf erweitert die Maskenpflicht

Die Stadt Düsseldorf geht laut dem Text der Allgemeinverfügung davon aus, dass es mit steigenden Temperaturen eher noch mehr Menschen an den Rhein ziehen könnte. „Angesichts entfallener Alternativen“ nehme die Attraktivität zu. Es ist an Wochenenden nun erstmal nicht mehr erlaubt, sich etwa für ein Picknick hinzusetzen oder ein Eis zu essen.

Die Regel gilt nach Angaben der Stadt im "erweiterten Maskenpflichtgebiet Altstadt" - also entlang des Rheins von der Dreieckswiese, Höhe Kunst im Tunnel (KiT) bis hin zu den Rheinterrassen. Eingeschlossen sind das Mannesmannufer und das Untere Rheinwerft. In diesem Gebiet gilt nun auch komplett Maskenpflicht - unter freiem Himmel sind Schutzmasken aus Stoff grundsätzlich ausreichend, heißt es von Seiten der Stadt. Medizinische Masken seien allerdings wirksamer und zu empfehlen.

Die Stadt will 300 rote Schilder aufstellen, die mit dem Schriftzug „Verweilverbotszone: Bitte gehen Sie weiter“ versehen sind. Der Satiriker und Moderator Micky Beisenherz kommentierte das Steh-Verbot am Donnerstag bei Twitter mit einem alten Elton-John-Song: „I'm still standing“ werde nun zum „Protestsong“.

"Verweilverbot" gilt in der Düsseldorfer Altstadt

Zudem gilt seit Donnerstag an der Rheinpromenade Maskenpflicht. Das Ordnugnsamt will das Verweilverbot kontrollieren. Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht im Freien wird in der Regel ein Bußgeld von 50 Euro erhoben. Die Verwaltung betont aber, bei den Kontrollen „mit dem gebotenen Augenmaß" vorzugehen.

Die verschärfte Maskenpflicht in der Düsseldorfer Altstadt und am Rheinufer hat auch Folgen für Jogger: Sie müssen dort am Wochenende Maske tragen. Das gehe aus der entsprechenden Allgemeinverfügung hervor, sagte ein Stadtsprecher. Die Promenade am rechten Rheinufer ist eine beliebte Strecke für Jogger und Radfahrer in der Landeshauptstadt. Während man auf dem Rad laut Stadt keine Maske tragen muss, gelte das „für Jogger allerdings wohl“, so der Sprecher.

Mit der Maßnahme reagiert die Landeshauptstadt , einen wachsenden Anteil festgestellter Virusmutationen unter den vorhandenen Corona-Infektionen und auf zahlreiche Verstöße gegen die Abstandsregeln und die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung am vergangenen sonnigen Wochenende. Wie ein Stadtsprecher ergänzte, ist bei den Infektionen vor allem die Zahl der besonders ansteckenden britischen Virusvariante hoch: Sie liege bei den untersuchten Proben inzwischen bei 49 Prozent.

Düsseldorfs OB Stephan Keller äußert sich

Oberbürgermeister Stephan Keller sagte dazu in einer Pressemitteilung: „Mit der erweiterten Maskenpflicht und einem Verweilverbot an Wochenenden möchten wir die Menschen schützen und ihnen helfen, die gebotenen Coronaschutzregeln besser einzuhalten. Es ist wichtig, dass wir es schaffen, die Infektionszahlen wieder kontinuierlich zu senken - gerade jetzt, wenn ansteckendere Virusmutationen auftreten."

Keller weiter: „Nur so können wir möglichst schnell Inzidenzwerte erreichen, die die Lockerungen ermöglichen, nach denen wir uns alle so sehr sehnen. Daher bitte ich alle: Schützen Sie sich und andere. Vermeiden Sie Menschenansammlungen, halten Sie sich an Abstands- und Hygieneregeln und tragen Sie eine medizinische Maske. Nur gemeinsam können wir es schaffen!"

Weitere Corona-Vorkehrungen der Stadt Düsseldorf

  • Die Zufahrt zum Mannesmannufer wird an den Wochenenden für den Verkehr mit Ausnahmen für Anlieger, Anlieferung und Busse gesperrt, jeweils freitags, 15 bis 1 Uhr, sowie samstags und sonntags von 11 bis 1 Uhr.
  • Kontrolle der Maskenpflicht am Rheinufer am Unteren Rheinwerft zwischen Dreieckswiese bis Freitreppe am Burgplatz über Zugänge von freitags bis sonntags.
  • Die Freitreppe bleibt bis auf weiteres gesperrt.
  • Die Polizei wird ihre Präsenz in Düsseldorf am Wochenende verstärken.

(mit dpa)

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