Schwarzfahrer

Zugtüren verriegelt: Kunde wirft Bahn Freiheitsberaubung vor

Der Bahnhof in Derne. Hier durften rund 80 Fahrgäste rund 30 Minutenlang einen Zug nicht verlassen.

Der Bahnhof in Derne. Hier durften rund 80 Fahrgäste rund 30 Minutenlang einen Zug nicht verlassen.

Foto: Oliver Schaper

Dortmund.  Eine Kontrolleurin hat Zugtüren verriegelt, weil sie einen Schwarzfahrer nicht entwischen lassen wollte. Ein Fahrgast wirft der Bahn Freiheitsberaubung vor.

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Dass die Bahn mal nicht kommt, das weiß man als regelmäßiger Kunde. Dass die Bahn, wenn sie kommt, mal nicht weiter fährt, ist seltener. Dass man dann aber nicht aussteigen darf, war Stefan Droste neu. Jetzt hat er es erlebt. Und ist relativ fassungslos.

Am vergangenen Dienstag wollte Droste zur Arbeit fahren und stieg, wie üblich, um 11.38 Uhr in die Regionalbahn vom Bahnhof in Derne. Seine Bahn, die RB 10581, kommt von Lünen und hält dort an. Zwei Haltestellen weiter beziehungsweise zehn Minuten später wollte Droste am Hauptbahnhof aussteigen. Doch die Bahn fuhr an diesem Vormittag nicht los.

Türen wurden verriegelt

„Ein paar Meter von mir entfernt diskutierte eine Kontrolleurin mit einem jungen Mann, der offenbar sein Ticket nicht abgestempelt hatte“, sagt Droste. Für regelmäßige Bahnfahrer kein seltenes Erlebnis. Das Gespräch habe sich hochgeschaukelt, die Kontrolleurin habe sich zum Lokführer zurückgezogen und die Polizei alarmiert.

Das bestätigt so auch die Deutsche Bahn. Der Schwarzfahrer, der eine Station vorher eingestiegen war, habe keinen gültigen Fahrausweis gehabt und hätte sich auch nicht ausweisen wollen. Was wiederum der Lokführer mitbekommen habe, der daraufhin in Absprache mit der Kontrolleurin die Türen verriegelt habe.

Vorwurf der Freiheitsberaubung

So stand der Zug dann auf dem Gleis in Derne, Minuten verstrichen, nichts geschah und irgendwann beschloss Droste, den Bus zu nehmen. Er wollte aussteigen, doch das ging nicht. Also wandte sich Droste an die Kontrolleurin. Die habe ihm dann gesagt, sie lasse hier niemanden heraus, bis die Polizei da sei. Andernfalls könne ja auch der Schwarzfahrer fliehen.

Droste sagt, er habe der Frau noch gesagt, dass das doch Freiheitsberaubung sei. Doch davon habe sich die Frau nichts angenommen.

Rund 80 Fahrgäste im Zug

Die Bundespolizei bestätigt, dass am Dienstag um 11.45 Uhr ein Notruf einging, um 12.05 Uhr seien die Kollegen vor Ort gewesen. In der Bahn hätten rund 80 Fahrgäste gesessen, darunter auch ein 17-Jähriger, der mit einem falschen Fahrausweis unterwegs war.

Laut Aussage der Kontrolleurin habe der Schwarzfahrer eine drohende Haltung angenommen und sei äußerst aggressiv gewesen. Die Personalien seien aufgenommen worden, der Schwarzfahrer stieg aus, dann war der Einsatz erledigt.

Was sagt die Deutsche Bahn dazu?

Die Deutsche Bahn findet das Verhalten auf Anfrage „nicht ganz glücklich“. Hier liegt laut einem Bahnsprecher ein ungewöhnlicher Fall vor, den es so bisher noch nicht gegeben habe. Verhältnismäßiger sei es gewesen, die Türen für die anderen Bahngäste zu öffnen. Oder auch, die Polizei zum Dortmunder Hauptbahnhof zu bestellen. Denn Polizisten hätte es gebraucht, da der Schwarzfahrer sich nicht ausweisen wollte.

Man will, so der Bahnsprecher weiter, den Fall jetzt noch einmal intern durchgehen und in Teambesprechungen erörtern.

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