Zeit war reif, das Rad zurückzudrehen

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Patrick Arens ist Schausteller - wie schon seine Eltern, Groß-, Ur- und Ururgroßeltern. Etwas anderes wollte der 41-Jährige nie, sei's doch "mit der schönste Beruf". ...

... Das sagt einer, der als Kind bei Pflegeeltern groß wurde, weil Papa und Mama auf Reisen waren. Die Liebe zur Branche hat das nicht geschmälert, die haben die Arens' im Blut. Und das gilt auch schon für die beiden Kinder von Patrick Arens. Der Name Arens fehlt in Dortmund und Umgebung auf keiner Kirmes, keinem Volks- oder Straßenfest, nicht auf dem Weihnachtsmarkt - und auch nicht auf der Nostalgiekirmes. Das Konzept für diese Kirmes mit liebevoll restaurierten Oldie-Karussells weckt bei Älteren so manche Erinnerung. "Damit schaffen wir es, drei Generationen anzusprechen", freut sich Patrick Arens über den Zuspruch. Er hörte, wie Großeltern ihren Enkeln vom ersten Kuss unter der blickdichten Plane der Raupenbahn erzählten, die mittlere Generation schmunzelnd daneben stand...

Arens' eigene Augen leuchten vor Begeisterung - obwohl selbst erst 1967 geboren. Nein, leider habe seine Familie kein Uralt-Fahrgeschäft mehr: "Und das bedau're ich manchmal schon..." Erst vor wenigen Jahren ist die alte Überschlagschaukel der Arens-Dynastie verkauft worden: "An jemanden, der sie pflegt und damit reist." Denn trotz reicher Familientradition hatte bei den Arens' niemand mehr die rechte Lust, mit dem Karussell zu touren. "Von 1983 bis '92 war ich damit noch unterwegs. Danach selbstständig bis 1999 mit dem Terminator." In alle Bundesländer führte ihn diese Ära - "bis auf Mecklenburg-Vorpommern alles gesehen".

Wenn Arens aus dem Nähkästchen plaudert, dann hört man die Liebe zum Beruf heraus. Dabei ist es ein Knochenjob - ach was: ein hartes Leben. Denn Patrick Arens erfuhr schon als Kind die Nachteile der Schaustellerei hautnah: "Als ich zur Schule kam, konnte ich nicht mehr mitreisen; ich kam zu Pflegeeltern, um in Dortmund zur Schule gehen zu können." Die Eltern besuchte er am Wochenende, denn die tourten damals noch mit der Kindereisenbahn durch die Lande. "Oft so weit weg, dass sich die Fahrt am Wochenende nicht lohnte, und ich zur Oma ging." Drei Pflegefamilien lernte er kennen. 1983 war damit Schluss - wie mit der Schule: Die Schaustellerei lockte ihn zu sehr. "Und es wird wieder so kommen", deutet er im Hinblick auf seine Kinder an.

Sohn Marcel (24) ist schon im Betrieb, Tochter Alicia (15) will nur eins: Schaustellerin werden. "Dabei würde ich lieber sehen, sie würde in Richtung Event-Marketing gehen. Das würde gut passen." Denn der Markt sei im Wandel. So gehören etwa bei der Cranger-Kirmes auch Karaoke-Shows fest ins Beiprogramm. Motto: singen und trinken. Denn längst setzt der gesamte Arens-Clan statt auf Karussells auf Getränke und Imbiss. Patrick Arens selbst bietet mit Ehefrau Luise ausschließlich Getränke an. Im Sommer: Bier, im Winter: Glühwein. Nur wenige Wochen leben sie im Wohnwagen, fahren fast immer heim; die Kinder konnten zuhaus' aufwachsen.

Mehr und mehr entdeckt Arens sein Organisationstalent - etwa bei der Gesamtkomposition der Nostalgiekirmes. Sein Rezept dafür sei eigentlich ganz einfach, verrät er: "Die Zeit war reif, das Rad zurückzudrehen: Es muss nicht immer höher, schneller, weiter sein." Das was wieder zähle, seien Illusionen.

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