Lärmbelästigung

Wilde Party im Dortmunder Polizeipräsidium nervt Nachbarn

Barbara F. hat die Lärmbelästigung mit ihrem Smartphone aufgenommen. Und es war nicht die erste Party.

Barbara F. hat die Lärmbelästigung mit ihrem Smartphone aufgenommen. Und es war nicht die erste Party.

Foto: Dieter Menne

Dortmund.  Barbara F. hatte Sonntagnacht den Kaffee auf: Die Party ihrer Nachbarn hielt sie wach. Die Polizei kümmert sich aber nicht – sie feierte selbst.

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Wenn der Nachbar zu laut feiert, kann man mitfeiern. Oder höflich nachfragen, ob das auch etwas leiser geht. Oder, wenn nichts mehr geht, die Polizei rufen. Was aber macht man, wenn der, der da feiert, selbst die Polizei ist? Und die Musik laut bleibt? Vor der Frage stand in der Nacht zu Montag auch die 29-jährige Barbara F..

Laute Partymusik direkt aus dem Polizeipräsidium

Partys findet sie selber nicht schlecht, aber in der Nacht auf einen Montag in der Nachbarschaft - das wollte sie nicht. Dass da in ihrer Nachbarschaft kräftig gefeiert wurde, kann sie belegen: Sie hat in der Nacht zu Montag ihr Handy herausgeholt und Videoaufnahmen aus ihrem Fenster heraus gemacht - darauf ist die Hohe Straße zu sehen, im Dunkeln liegt das Polizeipräsidium gegenüber.

Es gibt wenig zu sehen und viel zu hören. Partymusik, johlende Menschen, es klingt so, als hätten die Menschen gegenüber eine Menge Spaß. "Juhuu-Girls" nennt Barbara F. die Frauen, die man da durch die Dunkelheit hören kann. Barbara F. entschied sich, zum Telefon zu greifen.

Zehnmal, sagt sie, habe sie im Polizeipräsidium angerufen, sechsmal habe sie jemanden erreicht. Am Anfang habe es geheißen, man werde sich kümmern, später sei ihr empfohlen worden, ihr Fenster zu schließen. Letztlich habe man ihr erklärt, dass ihr Lärmempfinden subjektiv sei.

Als sie daraufhin den Polizisten, den sie am Telefon hatte, nach seinem Namen gefragt habe, habe er sie gefragt, ob sie keinen eigenen Namen habe. Eine "bodenlose Frechheit" findet das Barbara F.. Doch wer die Party-Meute war, blieb unklar. Ferens sagt, es sei nicht die erste im Präsidium gewesen.

Polizei blockt und gibt keine Infos heraus

Die Polizei hielt sich nit Informationen zurück: Die Pressestelle will auch auf Nachfrage weder sagen, wer die Party veranstaltet hat, noch wie viele Menschen an ihr teilnahmen, und sie will auch nicht angeben, ob solche Veranstaltungen häufiger vorgekommen seien.

Da es sich um ein laufendes Beschwerdeverfahren handele, könne man keine Einzelheiten nennen. Man nehme den Hinweis aber in jedem Fall ernst. In einer schriftlichen Äußerung der Polizei gegenüber unserer Redaktion heißt es weiter: "Darüber hinaus ist es uns wichtig zu betonen, dass wir normalerweise jeden Einsatz wegen eines Hinweises auf Ruhestörung wahrnehmen, auch wenn wir selber als Verursacher benannt werden. Und normalerweise ist es auch nicht unser Ansinnen, unsere Nachbarn zur späten Stunde zu stören."

Gegen 2.20 Uhr, sagt Barbara F., habe sie dann - trotz der Hitze - die Fenster geschlossen. Gegenüber sang, sagt die 29-Jährige, gerade Whitney Houston.

In eigener Sache: Auf Wunsch der Anwohnerin haben wir ihren Nachnamen nachträglich abgekürzt. Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt.

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