Kommunalpolitik

Wie Andreas Hollstein für die CDU Dortmund erobern will

Nach 20 Jahren an der Spitze im Rathaus Altena will Andreas Hollstein der erste CDU-Oberbürgermeister in Dortmund werden.

Nach 20 Jahren an der Spitze im Rathaus Altena will Andreas Hollstein der erste CDU-Oberbürgermeister in Dortmund werden.

Foto: Oliver Berg / dpa

Dortmund/Altena.  Die CDU Dortmund hat Andreas Hollstein aus Altena einstimmig als Bürgermeister-Kandidaten nominiert. Er soll die letzte Hochburg der SPD erobern.

Andreas Hollstein ist an diesem Dienstagvormittag auf dem Weg zum Flughafen, wieder einmal. In Istanbul tritt der 56-Jährige als Redner bei einer Veranstaltung zum Thema Integration auf. „Ich tue viele Dinge, die nicht in die Schablone eines Kleinstadtbürgermeisters passen“, sagt der CDU-Politiker – und es schwingen dabei ein bisschen Stolz und Trotz mit.

Am Montagabend haben seine Dortmunder Parteikollegen ihn einstimmig als Oberbürgermeister-Kandidaten für die Kommunalwahl im nächsten Jahr nominiert. 20 Jahre lang führte Hollstein das Rathaus in Altena und will nun beweisen, dass er auch Großstadt kann.

Bereits im September hatte er bekannt gegeben, eine neue Herausforderung fernab seiner Heimatstadt zu suchen. Wenig später machte ihn ein „Heiratsvermittler“, wie es Hollstein nennt, mit der Dortmunder CDU-Spitze bekannt. Und die hatte die passende hohe Hürde für ihn: Hollstein soll die letzte Hochburg der SPD erobern. Seit 70 Jahren stellen die Sozialdemokraten das Stadtoberhaupt in Dortmund. Es gebe keine politischen Erbhöfe mehr, sagt Hollstein dazu, „nirgends gibt es die noch“.

Grüne in Dortmund wollen eigenen Kandidaten nominieren

Der seit 2009 amtierende SPD-Oberbürgermeister Ullrich Sierau tritt 2020 nicht mehr an. Dortmunds oberster Wirtschaftsprüfer Thomas Westphal hat seinen Hut für die SPD schon in den Ring geworfen, seine offizielle Kandidatur steht noch aus. Ein Durchmarsch ins Rathaus dürfte trotz roten Parteibuchs und langjähriger Erfahrung in Dortmund schwierig werden.

So werden auch die Grünen noch einen Kandidaten aufstellen, kündigte deren Sprecher Julian Jansen an. Zwar habe es mit der CDU Gespräche über die bevorstehende Kommunalwahl gegeben. „Es stand und steht für uns aber nicht zur Debatte, jemanden mit CDU-Parteibuch zu unterstützen“, macht Jansen klar. Wer für die Grünen ins Rennen gehen wird, sei noch unklar. Andreas Hollstein ist es jedenfalls nicht – obwohl er in Altena eine schwarz-grüne Koalition anführt. Nicht nur deswegen stufen ihn einige Beobachter schon jetzt als politisches Schwergewicht ein.

Politisch motiviertes Attentat machte Hollstein 2017 bundesweit bekannt

Ein Attentat machte den Verwaltungsjuristen 2017 bundesweit bekannt. In einem Imbiss stach ihn ein mittlerweile verurteilter Mann mit einem Messer nieder – weil Hollstein zu viele Flüchtlinge aufgenommen habe, wie der Attentäter begründete. Einschüchtern ließ sich der CDU-Politiker davon nicht: Er setzt sich weiter für eine offene Gesellschaft ein, bekommt dafür immer wieder Morddrohungen. Ob der Kampf gegen Rechts im für seine Neonazi-Szene bekannten Dortmund sein Schwerpunkt-Thema werde? „Man würde zu kurz gucken, wenn man Dortmund nur aus diesem Blickwinkel sieht“, antwortet Hollstein.

„Ich bin noch weit davon entfernt, Dortmund kleinteilig zu kennen“

Natürlich werde er sich weiterhin authentisch gegen Rechts abgrenzen. Thematisch aber wolle er in Dortmund vor allem Felder wie Mobilität, Klimawandel und Wohnungsbau beackern. „Ich bin noch weit davon entfernt, Dortmund kleinteilig zu kennen“, gesteht Hollstein offen ein. Da sich die Stadt vor allem über seine Stadtteile definiere, wolle er dort anfangen und „gucken, was die Menschen da bewegt“.

Um für eine Stadt zu brennen, müsse man nicht dort geboren sein, ist Hollstein überzeugt. 30 Minuten Fahrt trennen ihn von Altena und dem westfälischen Oberzentrum, mit dem ihn bislang vor allem die Musik verband. „Ich hatte lange ein Abo für die Jungen Wilden im Konzerthaus“, sagt Hollstein. Ein Fußballfan hingegen sei er nicht, „ich schaue aber gern ein gutes Spiel“, sagt Hollstein. Dass das im Westfalenstadion zurzeit schwierig werden dürfte, dazu schweigt er.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben