Gourmetfestival

Westfalen schmaust: Fünf Spitzenköche am Herd

Zwei Spitzenköche verderben nicht den Brei: Thomas Hartz (l.) und Elmar Simon im Kücheneinsatz.

Zwei Spitzenköche verderben nicht den Brei: Thomas Hartz (l.) und Elmar Simon im Kücheneinsatz.

Foto: Stephan Schütze

Dortmund.  Der Westfale versteht nichts von guter Küche, kann nur Frikadellen brutzeln und Möppkenbrot in die Pfanne hauen? Vonwegen! Fünf Spitzenköche der Region zeigen, wie kreativ und vor allem lecker regionale Küche sein kann.

Als Botschafter des guten Geschmacks Westfalens siehtsich Gerhard Besler vom "Westfalen Institut Gastronomie und Touristik" aus Lünen. In Sachen Image habe die westfälische Küche reichlich Nachholbedarf. Daher hat erfür das Westfalen-Gourmetfestival die besten Köche zusammengeholt, um Appetit auf heimische Küche zu machen. Am Donnerstagabend wurde das Festival eröffnet.

In vierter Auflage

In der vierten Auflage findet das Festival statt, "mittlerweile fängt man an, uns wahrzunehmen", sagt Besler. "Wir sind Westfalen und das wollen wir nicht verleugnen, aber man kann es an der ein oder anderen Stelle besser machen." Wie das gelingen kann, das demonstrierten fünf Köche von Ruf im Brauersaal der Dortmunder Actien Brauerei.


Manfred Kobinger von der Rohrmeisterei Schwerte, der sich schon dreizehn Jahre lang mit einem Michelin-Stern schmücken durfte, kredenzte die Häppchen vorweg, etwa gebackene Schweinebäckchen auf asiatischem Salat, bodenständige Küche mit dem gewissen kulinarischen Pfiff.

"Blödsinn" für den Teller

Elmar Simon aus Paderborn - ihn ziert seit 15 Jahren ein Michelin-Stern, dazu kommen noch 17 Punkte im Gault Millau - stellte klar: "Wir kochen für Gäste, nicht für Führer." Für den Abend habe er "ein bisschen Blödsinn gemacht und den finden Sie auf dem Teller." Dort lag Alaska-Wildlachs mit Blumenkohl, nun ja, eine durchaus gewagte Kombination. Kohl hat eben doch eine sehr dominante Note.

"Heimische Produkte plus Urlaubseinflüsse" kredenzte Thomas Harz, auf den Teller kam ein Bachsaibling mit Sobrassada, einer mallorquinischen Wurstspezialität. Butterweich auf der Zunge zerging das erwähnte Filet und die Bäckchen vom Weideochsen, die Stefan Manier (Foto) vom Gasthaus Stromberg in Waltrop gezaubert hatte. Im B1 im Inhouse bietet er Kochkurse an und verwöhnt kulinarisch bei privaten Veranstaltungen.

Schokoladentarte fürs Hüftgold

Extra von der Funkausstellung in Berlin war Fernsehkoch Björn Freitag eingeflogen, um mit seiner Interpretation eines Snickers-Riegels, einer Schokoladentarte, das Hüftgold der Gäste zu mehren. Mit seinem Restaurant Goldener Anker in Dorsten verteidigt Freitag seit 2001 einen Michelin-Stern.

Schlagfertige Sommelire

Moderator Peter Großmann hatte Glück mit einer schlagfertigen Sommelire Bärbel Weinert. Die hält nicht viel vom doch recht abgehobenen Geschwurbel mancher Weinexperten, sondern spricht Klartext: Der Trollinger sei in Baden-Württemberg ein "Grundnahrungsmittel", und kündigte einen entsprechenden Tropfen vom Weingut Sonnenhof als einen "schwäbischen Rioja-Ersatz" an.

Ausschließlich deutsche Weine kredenzt

Als "Lokalpatriotin" hatte sie ausschließlich deutsche Weine ausgewählt, als Abschluss einen köstlichen Cabernet Cubin Eiswein vom Weingut Spiess mit satten 160 Gramm Restzucker auf den Liter - normal sind drei bis sechs Gramm -, gekeltert wie ein Champagner.

Den rund 80 Besuchern des Abends dürfte der Auftakt zum Gourmetfestival Lust auf mehr heimische Spitzenküche gemacht haben.

  • Zwölf Restaurants beteiligen sich mit 32 Gastköchen bis zum 3. November am Westfalen Gourmetfestival 2013. Aus Dortmund sind das Haus Overkamp, Am Ellberg 1, und das l’Arrive Hotel & Spa, Wittbräucker Straße 565, dabei.
  • Overkamp lädt am 19. September (Donnerstag) ab 19 Uhr zur Ruhrpottgala "Pott, oh schön!" ein. Gastköche sind Axel Schmidt von der Schankwirtschaft Zum Neuling in Bochum und Dirk Eggers vom Hotel-Restaurant Eggers in Sprockhövel. Dazu gibt es künstlerische Leckerbissen wie etwa Adolf Tegtmeier alias Peters Schütze. Der "Komplett-Schnackel-Preis" pro Person: 110 Euro. Anmeldung unter Tel. 46 27 36 oder info@overkamp-gastronomie.de
  • Das l‘Arrive bietet ein Kochseminar mit dem hochdekorierten Heiko Antoniewicz am 2. Oktober (Mittwoch) ab 18 Uhr sowie ein Gourmetfestivalmenü am 17. Oktober (Donnerstag) ab 18.30 Uhr mit Stefan Manier, ebenfalls mehrfach ausgezeichneter Spitzenkoch.
  • Das Kochseminar steht unter dem Thema "Das Spiel der Aromen" und kostet inklusive begleitender Getränke 125 Euro pro Person. Das Festivalmenü ist ebenfalls für 125 Euro zu haben. Anmeldung beim l’Arrive unter Tel 88 05 00 oder mail@larrivee.de
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