Prozessauftakt zu Falschaussage

Vermeintlicher Vergewaltiger wartet vier Jahre nach Haft auf Freispruch

Thomas Ewers saß womöglich fast sieben Jahre zu Unrecht in Haft.

Thomas Ewers saß womöglich fast sieben Jahre zu Unrecht in Haft.

Foto: Peter Bandermann

Dortmund.  Am 14. Juli 2003 musste er eine fast sieben Jahre dauernde Haftstrafe antreten, im März 2010 kam er wieder frei - drei Monate später gab das vermeintliche Opfer eine Falschaussage zu. Am Mittwoch beginnt der Prozess, der Thomas Ewers einen späten Freispruch bringen kann.

Das Landgericht Dortmund hatte Ewers damals wegen zweier Vergewaltigungen schuldig gesprochen. Jetzt hofft der heute 45-Jährige auf einen zweiten Schuldspruch - für seine frühere Lebensgefährtin Claudia K. und ihren damaligen Komplizen David K. In einem am 7. Juni 2010 aufgesetzten Schreiben erklärte sie "aus freien Stücken", die Vergewaltigungen "frei erfunden" zu haben.

Von dem Ende des Falschaussage-Prozesses in Dortmund hängt viel bei einem weiteren Verfahren in Essen ab. Im Landgericht dort hat am Montag (14. 4.) das Wiederaufnahme-Verfahren begonnen. Die Richter in Essen müssen den Fall neu aufrollen, sämtliche Beweise prüfen und am Ende feststellen, ob Ewers tatsächlich schuldig oder unschuldig war. Verhandelt wird in Essen und nicht in Dortmund, um die Neutralität des Gerichts zu wahren.

25 Euro Entschädigung pro Tag in Haft

Erkennen die Richter Ewers' Unschuld, müssen sie ihn nachträglich freisprechen. Dann hätte der 45-Jährige einen Entschädigungsanspruch auf 25 Euro pro Tag (insgesamt rund 60.000 Euro). Sollte das Dortmunder Landgericht das mutmaßliche Opfer Claudia K. wegen der Falschaussage und "Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft" verurteilen, würde dies den nachträglichen Freispruch begünstigen.

Thomas Ewers betritt den Gerichtssaal heute als Nebenkläger. Rechtsanwalt Dr. Martin von Glahn rechnet mit der Verurteilung von Claudia K. und David K.: "Ich bin ein alter Pessimist. Aber diese Sache ist eindeutig." Kritisch bewertet er das Urteil von 2003: "Damals stand Aussage gegen Aussage. Sämtliche Zweifel an den Aussagen der Frau sind einfach weg interpretiert worden."

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