Erich Rüttel

Vater der BUGA 1959 erinnert sich gern

Foto: WR

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ohne ihn gäbe es den Westfalenpark nicht - oder zumindest nicht so, wie wir ihn lieben: Erich Rüttel darf man den Vater der Bundesgartenschau 1959 nennen, zu der der Park damals angelegt wurde.

Einen Riesenhunger nach Grün und Farbe gab es: Auf 41 000 qm pflanzten Gärtnerkolonnen u.a. 73 000 Rosen, 400 000 Stauden, 500 000 Tulpen, Narzissen, 2000 Rhododendron, 45 000 Heidepflanzen... Doch der ganze Stolz Erich Rüttels gehört bis heute dem ersten rotierenden Turmrestaurant.

Als Leiter des BUGA-Hauptbüros hatte er kein Privatleben mehr: bis zu 18 Stunden Arbeit - normal. "Aus Sorge, nicht rechtzeitig fertig zu werden." Am Eröffnungstag, dem 30. April 1959, sei noch 100 m vom eintreffenden Bundespräsidenten Theodor Heuss der letzte Dreck weggekehrt worden. "Es wird gern erzählt, er sei wegen Höhenangst nicht mit auf den Turm gefahren; aber er war einfach schon zu krank." Die BUGA sei "Papa" Heuss´ letzte Amtshandlung gewesen. Wenige Monate später übernahm schon Heinrich Lübke sein Amt. "Um den hatte ich mich bei der BUGA-Eröffnung zu kümmern, zu der er als Landwirtschaftsminister kam."

Rüttels Augen funkeln, wenn er von dem "tollen Effekt der Rundumschweinwerfer am Fernsehturm" erzählt: "Eine dolle Sache!" Und jeder, auch die Gastronomen, Kioskbetreiber usw. seien auf ihre Kosten gekommen: "Die haben alle einen Riesenverdienst gemacht." Der absolute Renner sei die erste Hendl-Braterei gewesen.

Stiefvater von Romy Schneider hatte eigene Gastronomie

"Aber auch der Stiefvater von Romy Schneider, Daddy Blatzheim, hat ordentlich Kasse gemacht mit seiner Gastronomie am Buschmühlenteich." Seine Ehefrau Magda Schneider sei auch mal im Park gewesen."

Bis heute hat Rüttel Kopien der Kostenaufstellungen, Abrechnungen griffbereit. In Kürze: Die BUGA kostete 30 Mio. DM, der Turm 4 Mio. DM. Die beteiligten Unternehmer nahmen in den fünfeinhalb Monaten über 13 Mio. DM ein, wovon die Stadt über 1,6 Mio DM Umsatzpacht kassierte.

Höhepunkte seien die Tage mit Extra-Programm gewesen. Wenn das Ballett der Staatsoper Wien Schwanensee auf der Seebühne gab, wenn eines der vielen Freiluftkonzerte lockte oder philharmonische Orchester... Und die Wasserorgel sei ein Publikumsgarant gewesen. Lachend erinnert sich Rüttel an die Ankündigung des "Wassermachers" per Mikrofon nach einem Riesenapplaus der begeisterten Menge: "Un´ nu machen wir dat Janze nochma´ mit warmem Wasser!" Allein 200 000 Menschen seien zum ersten Lichterfest gekommen. "Aber es gab auch echten Nervenkitzel", erinnert Rüttel an die Vorführungen der Traber-Hochseilartisten, die mit Motorrädern auf einem Seil den Turm hin-auffuhren.

"Und der alte Traber rief: Hier zeigen wir Ihnen die neuesten Trickse...!"

In den 90er Jahren standen Turm und -restaurant vor großen Problemen: Die Technik war marode, die Brandschutzbestimmungen waren schärfer geworden. Es brauchte Geld - das fehlte.

Mit Alt-OB Günter Samtlebe startete der damals 70-Jährige die Aktion "Dreh dich!" und brachte ca. 750 000 DM für "Florian" zusammen. Mehr als zwei Jahre lang blieb das Restaurant geschlossen. Im Herbst 1999 eröffnete das rotierende Restaurant wieder. Der Vater der BUGA 1959 hatte es auch 40 Jahre später wieder geschafft!

Rüttels Resümee zum 50-jährigen Bestehen des Parks klingt bescheiden: "Die BUGA, kurz zuvor die Eröffnung der Traumstraße... Es war einfach alles zur rechten Zeit. Der erste Wiederaufbau war vollbracht, wir waren im begin-nenden Wirtschaftswunder."

Serie wird fortgesetzt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben