Gewalt

Tödlicher Teenagerstreit: Polizei findet mögliche Tatwaffe

Trauernde Jugendliche an der Stelle, an der am Freitagabend eine 16-Jährige eine 15-Jährige mit einem Messer getötet hat.

Foto: Felix Guth

Trauernde Jugendliche an der Stelle, an der am Freitagabend eine 16-Jährige eine 15-Jährige mit einem Messer getötet hat. Foto: Felix Guth

Dortmund.  Nach der tödlichen Auseinandersetzung am Bahnhof Hörde hat die Polizei ein Messer gefunden, bei dem es sich um die Tatwaffe handeln könnte.

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Nach dem gewaltsamen Tod eines 15-jährigen Mädchens auf einem Parkdeck am Bahnhof Hörde gibt es erste neue Erkenntnisse, aber auch noch viele offene Fragen. Mittlerweile haben die Ermittler ein Messer gefunden worden, bei dem man davon ausgeht, dass es sich um die Tatwaffe handelt, so Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel. Am Wochenende war zunächst spekuliert worden, dass eine abgebrochene Bierflasche die Tatwaffe gewesen sein könnte.

16-jährige Tatverdächtige ist in Untersuchungshaft

Nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung hatte die Polizei Glas- und Papiercontainer in einem anderen Dortmunder Stadtteil durchsucht. Außerdem haben die Ermittler die Bilder aus einer Überwachungskamera ausgewertet und es wurden weitere Zeugen vernommen. Die 16-Jährige sitzt mittlerweile wegen Totschlags in Untersuchungshaft. Jörg Schulte-Göbel bestätigt Informationen, nach denen es gegen die Tatverdächtige 2017 ein Verfahren wegen Körperverletzung gab, das „rechtskräftig abgeschlossen“ sei.

Am Montag sitzen Mädchen vor der Gedenkstelle. Dort hängt ein Foto des Opfers. Dunkle Haare, dunkle, strahlende Augen. Das Opfer sei eine sehr gute Freundin gewesen, man sei oft zusammen draußen gewesen, erzählt eine 13-Jährige, die am Freitag Teil der Gruppe auf dem Parkdeck war. Ihre Lippen zittern vor Kälte und vor Erschütterung.

Sie erzählt in klaren Worten von diesem Abend. Es habe vor der Messerattacke einen Streit und eine Schlägerei wegen Beleidigungen unter den Mädchen gegeben. Einige Jungen hätten die 16-Jährige zurückgehalten. Die Freundin des Opfers schildert den weiteren Ablauf so: „Wir dachten, der Streit wäre vorbei. Dann hat sie sich losgerissen, ist auf sie zugelaufen und hat gerufen: ‚Ich bringe dich um!‘ Einige haben noch gerufen: ‚Vorsicht, sie hat ein Messer.‘ Doch es ging zu schnell.“ Nach dem Messerstich habe sich die 15-Jährige ins Treppenhaus geschleppt, sei erst ansprechbar gewesen, dann aber zusammengebrochen.

Dass die mutmaßliche Täterin ein Messer dabei hatte, das sie wegen seiner Größe überhaupt nicht hätte mitführen dürfen, überrascht keinen der Jugendlichen. „Jeder Zweite in Hörde hat so etwas dabei, um sich zu schützen“, sagt ein Mädchen. So etwas äußern hier in den vergangenen Tagen immer wieder Jugendliche unabhängig voneinander. Die Polizei wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Stunden vor der Tat gab es ein Gespräch über Sicherheit am Hörder Bahnhof

Nur sieben Stunden vor der Tat wurde am Freitagnachmittag in 50 Metern Entfernung in der Hörder Bezirksverwaltungsstelle ein Gespräch über die Sicherheit am Bahnhof beendet. Anlass waren Vorfälle und wachsende Ängste von Bürgern, Kunden und Ladenbetreibern. Ein Ergebnis war, dass das Parkhaus künftig zwischen 24 und 7 Uhr abgeschlossen werden soll. Die Tat hätte dies aber nicht verhindert: Der tödliche Messerstich ereignete sich gegen 22.40 Uhr.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau äußerte sich in einer Stellungnahme „schockiert und betroffen“ zu dem aktuellen Fall eskalierter Gewalt. „Zunächst gilt es, den tatsächlichen Sachverhalt darzustellen, so dass wir die jetzt erforderlichen Schritte einleiten können. Dazu gehören auch Hilfen für die betroffenen Familien“, so Sierau. „Wir werden alle ordnungsrechtlichen, baulichen und betreuerischen Möglichkeiten einsetzen“, heißt es von der Stadtverwaltung. Kurzfristig solle deshalb auch das Freizeitangebot und Betreuungsangebot für Jugendliche weiter intensiviert werden.

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