Phoenix-See

Wildgänse stehen unter verschärfter Beobachtung

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Kanada-Gänse am Phoenix-See. Die Tiere siedeln sich in den Dortmunder Grünanlagen an, obwohl Mitteleuropa eigentlich nicht ihr Lebensraum ist.

Kanada-Gänse am Phoenix-See. Die Tiere siedeln sich in den Dortmunder Grünanlagen an, obwohl Mitteleuropa eigentlich nicht ihr Lebensraum ist.

Foto: Felix Guth

Hörde.  Sanfte Eindringlinge oder echte Schädlinge? Seit Jahren reden Park- und Naturplanern über Kanada- und Nilgänse. Am Phoenix-See zeigt sich gerade wieder, warum die Antwort auf diese Frage nicht eindeutig ausfällt.

Fakt ist: Die stolzen Großvögel stehen unter kritischer Beobachtung.Denn sie haben sich in der jüngeren Vergangenheit derart vermehrt, dass die Verantwortlichen beim städtischen Seebetrieb zunehmend besorgt sind.Aktuell liegt die Population bei 50 bis 60 Tieren.

Anfang der Woche verschaffte sich Georg Sümer, Leiter des Seebetriebs, einen Überblick. Verschmutzte Wege, eingeschränkte Lebensräume für andere Tiere, letztlich auch die Wasserqualität: Eine Überpopulation der Großvögel hat Konsequenzen. Übrigens nicht nur am Phoenix-See, denn die Wildgänse lassen sich in allen Dortmunder Grünanlagen nieder.

Spaziergang wird zum Watschelgang

Der See-Besucher merkt die aktuelle Veränderung auf unterschiedliche Weisen. Auf eine erquickliche, wenn ganze Gänse-Familien samt süßer Küken am Ufer entlang watscheln oder die Tiere ein ganz nahes Naturerlebnis liefern.

Und auf die ganz unerquickliche, wenn der eigene Spaziergang zum Watschelgang wird, um dem Vogelkot auf den Wegen auszuweichen.

Eindringlinge in das Ökosystem

Die Wildgänse sind Eindringlinge in das Ökosystem Phoenix-See. "Sie gehören nicht in diesen Lebensraum", wie es Sümer formuliert. Dennoch hat sich eine stabile Population in Hörde entwickelt - die weiter fleißig brütet. "Noch ist die Situation so, dass der See es vertragen kann", sagt Sümer. "Aber wir beobachten das sehr genau."

Erste Versuche, das Wachstum einzudämmen, haben die See-Verantwortlichen schon unternommen, etwa die Grün-Insel im See schwerer zum Brüten zugänglich gemacht.

Jagd auf die schwarz-weiß gefiederten Vögel

Der nächste Schritt wäre radikaler: die aktive Jagd auf die schwarz-weiß gefiederten Vögel. Dazu bedarf es der Zustimmung von Umweltamt und Unterer Jagdbehörde.

"Dort müssten wir den Leidensdruck sehr genau darlegen", sagt Georg Sümer. Unschöner Vogelkot auf den Wegen ist da ganz sicher kein Argument, eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht schon eher.

Jagd-Befehl wäre riskant

Als die Gänse 2011 zum ersten Mal auftauchten, diskutierte die Stadt, einen Falkner mit einem Seeadler fest einzusetzen, der die Eindringlinge vertreiben könnte. Man hat damals darauf verzichtet. Ein Seeadler ist schließlich in der Lage, auch kleinere Hunde oder andere Säugetiere zu greifen - zu riskant, lautete 2011 das Fazit.

Riskant wäre unter Umständen auch ein Jagd-Befehl für die Gänse. Zumindest wenn es so läuft wie im Jahr 2010, als die Stadt den Auftrag gab , die Nilgänse im Westfalenpark zu schießen. Damals verloren auch etliche zahme Gänse ihr Leben, die zum Bestand des Parks gehörten - ein Kommunikationsfehler, der vorsichtig macht.

Vergleichsweise sanfte Maßnahmen

Deshalb wird es für die nächste Brutsaison im Frühjahr 2014 zunächst wohl bei vergleichsweise sanften Maßnahmen bleiben wie dem Einzäunen von potenziellen Brutgebieten oder mehr Kontrollen der Population.Und die städtischen Mitarbeiter, die für die Sauberkeit am See zuständig sind, müssen so lange ein Häufchen mehr auf die Schüppe nehmen.

Letztlich werden aber auch die Gänse zu einem Teil des Ökosystems Phoenix-See. "Es ist noch nicht perfekt, aber es stellt sich ein", sagt Georg Sümer. Gerade bei Vögeln ist die Vielfalt groß. Rund 30 Arten gibt es, gesichtet wurde unter anderem der seltene Eisvogel. Ein erwünschter Gast - im Gegensatz zu den Wildgänsen.

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