Transsexuellen-Treff spaltet Nachbarschaft

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Hörde. "Der Weg war umsonst. Hier ist kein Sexclub." Mit diesem neuen Aushang wendet sich der Club "Lili Marlene" an ungebetene Unterleibsgetriebene. "Unser Verein zur Lebenshilfe von Transsexuellen und Transvestiten ist kein Bumslokal", sagt der 2. ...

... Vorsitzende - ein Mann, der Tanja genannt werden will. Doch dass der Privatclub unter falscher Hausnummer um Mitglieder wirbt, empfinden Nachbarn als Rufschädigung. Zum Beispiel ein Mann, der Peter heißt. "Bei euch geht´s ja richtig rund..." - so was hört Peter Betz öfter, seit die Stadtteil-Zeitung über den Treff berichtete. Dem 69-jährigen Ex-Hoeschianer, nach eigener Einschätzung "bekannt wie ein bunter Hund in Hörde", gehört das Haus Burgunderstraße 3. Unter dieser Adresse aber empfiehlt sich "Lili Marlene" für einen Besuch, obwohl der "Treff für gemütliche Stunden" nachweislich an der Burgunderstraße 1 liegt.

Das sorgt für böses Blut im Nachbarhaus, der tatsächlichen Nr. 3. Dort wohnt - neben Familie Betz - auch Daniela Filetti. "Na, lebst Du jetzt im Transenclub?" habe sie jüngst jemand gefragt. "Das ist peinlich", sagt die 28-jährige Heilpädagogin. Sie arbeitet an der Uni Dortmund und möchte "nicht so angesprochen werden".

Peter Betz ist richtig sauer. Er besitzt auch ein Ladenlokal in der Burgunderstraße 3. "Das halten viele jetzt für den Transen-Treff", schimpft er. "Die Leute rufen deshalb schon bei mir an." Um unzweideutig klarzumachen, "wer wohin gehört", habe er jüngst die Ziffer 1 auf Lilis Schaukasten geklebt. Doch über Nacht sei sie verschwunden.

"Stimmt. Weil ich sie abgehangen habe", outet sich der Vereinsvize. "Tanja" - geschätzte 1,85 m groß, blonde Perücke, rote Nägel, schwarze Stöckelschuhe - empfängt die Stadtteil-Zeitung im knappen Mini-Rock. Der Streit werde provoziert. Die Klagen der Nachbarn seien "kleinbürgerlich und spießig". Der Verein biete eine Nische für Transsexuelle und Transvestiten an - "ein Platz, an dem sie sein können, wie sie sind". Der Initiative sollen rund 65 Personen aus ganz NRW angehören.

Mittwochabend sind knapp zehn dort. Jüngere und Ältere. Drei erkennbare Transvestiten, der Rest mit bürgerlichem Einschlag. "Um die Anonymität der Gäste zu wahren, sind die Fenster abgeklebt", erklärt "Tanja". "Sonst stünden die Gaffer draußen Schlange." Warum lädt ein Transsexuellen- und Transvestiten-Verein ausdrücklich auch "Bisexuelle, Schwule, Lesben und Heteros" ein? "Die Einen sind Randgruppen, denen wir ein entspanntes Treffen ermöglichen wollen. Aber auch interessierte Besucher sprechen wir an und versuchen, sie zu integrieren." Die Idee: "eine große, tolerante Familie".

"Lili Marlene" - das ist eine Mischung aus Kneipe, Bar und Klamottenladen. Keine öffentliche Gaststätte, ein Vereinsheim, "eines, das offen ist für weltoffenes Publikum". Tresen, Tische, Stühle, ein Sofa, ein Sessel. Ganz hinten: ein abgeteilter Raum mit Vorhang. "Hier ziehen wir uns um, schminken uns, legen Schmuck an, probieren Kleider und Schuhe aus." Dessous hängen an den Wänden. "Männer denken da vielleicht an Sex. Frauen sehen das anders", sagt "Tanja".

So entspannt wie der Transsexuelle, so entspannt ist auch das Ordnungsamt. "Eine gute Sache", sagt Heike Tasillo, kommissarische Leiterin der Gewerbeabteilung. "Da ist nichts Zwielichtiges dran." Der Verein finanziere sich durch Mitgliedsbeiträge: 20 Euro pro Monat und Nase - Getränke inklusive. Der Ausschank sei rechtens und nicht gewerbsmäßig, da keine Gewinne anfielen. "Unglücklich" findet Tasillo zweierlei. Zum Einen die offensive Anwerbung von Mitgliedern diverser sexueller Ausrichtungen. "Dadurch wird die Intention des Vereins verwässert." Und dann die Sache mit der Hausnummer. "Da besteht ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch."

Unheimliche Begegnung auf dem Parkplatz

Vermieter Peter Schrader sieht das ähnlich. "Der Kasten kommt da weg", kündigt er an. "Und die Hausnummer bringe ich persönlich an." Den Vereinsmitgliedern hält er die Stange. "Die sind ganz in Ordnung. Da kannst du in Ruhe ein Bier trinken."

Peter Betz wird das sicher nicht tun. Einmal ist er "Tanja" begegnet, im Dunklen, draußen auf dem Parkplatz. "Das reicht. Ich dachte nur: Mein Gott!", stöhnt er.

"Die Menschen müssen lernen, damit umzugehen", sagt "Tanja" - "auch in Hörde".

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