Godefriedstraße

Nächste Kehrtwende: "Luxussanierung" ist wieder Thema

Anwohner der Godefriedstraße und Vertreter des Mietervereins und des Mieterbundes sind weiter in Sorge über die Modernisierungspläne in Wellinghofen.

Anwohner der Godefriedstraße und Vertreter des Mietervereins und des Mieterbundes sind weiter in Sorge über die Modernisierungspläne in Wellinghofen.

Foto: Felix Guth

Dortmund.  Leben an der Godefriedstraße fühlt sich für viele Mieter an wie eine Fahrt auf einer Wildwasserbahn. Die "Luxussanierung" durch das Unternehmen Wohnbau Berke kommt nun doch, der Rat wird dem Bebauungsplan zustimmen. Die Wellinghofer sind überrascht - und schwer enttäuscht von der lokalen Politik.

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Für die nächste Kehrtwende sorgte die SPD-Fraktion in der Sitzung des städtischen Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen am Mittwoch. Sie signalisierte Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplans und damit zu den ursprünglichen Modernisierungsplänen von Wohnbau Berke in der nächsten Ratssitzung am Donnerstag (28.9.).

Dass das Thema überhaupt auf die Tagesordnung kam, überraschte die Anwohner der Godefriedstraße, die durch den Mieterverein und den Mieterbund vertreten werden. Vor der Sommerpause hatte es noch eine Mehrheit für eine Ablehnung des Bebauungsplans gegeben. Wohnbau Berke hatte daraufhin angekündigt, auf die geplante Modernisierung zu verzichten und die Häuser nur energetisch zu sanieren.

Mieterverein weiß von nichts

"Wir wissen nicht, warum es sich gedreht hat. Aber klar ist: Alle Probleme, die im Raum stehen, sind bisher noch ungelöst", sagt Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund. Es bleibe dabei, dass sich rund 50 der 128 betroffenen Mietparteien die neue Miete von rund 9 Euro pro Quadratmeter nicht leisten können. Es gebe weiterhin keine Angebote für die Härtefälle, keine Antworten auf Anfragen, keine Gespräche mit Wohnbau Berke. Susanne Neuendorf, Rechtsanwältin für den Mieterbund sagt: "Die Stadt hat hier auch eine Verantwortung, dass die Mieter noch hier sind, nicht verdrängt werden."

Auf einem Firmenschild von Berke an der Godefriedstraße 36 ist jetzt das Wort "Beratungsbüro" ergänzt worden. Das macht die Mieter, die noch nicht vor dem seit Novermber 2016 andauernden Streit kapituliert haben, nicht weniger wütend. Im ersten Wohnblock, der umgebaut werden soll, sind zwei Drittel der Wohnungen schon leer. Bewohnerin Martina Becker berichtet von zynischen Antworten in Briefen von Berke, dass sie ja jetzt auch wegziehen könne, wenn das soziale Umfeld ja ohnehin nicht mehr da sei. "Psychologische Taschenspielertricks", nennt ihr Nachbar Klaus-Dieter Henze ein solches Vorgehen.

"Wo ist das Soziale?"

Nur bittere Worte haben die Bewohner der Wellinghofer Siedlung für die lokale SPD. "Wo ist das Soziale, das der Grund war, dass diese Partei überhaupt gegründet worden ist?", sagt eine Nachbarin. Dabei sei dies eine Siedlung, in der viele Witwen der Männer wohnten, die Dortmund ab den 50er-Jahren wieder aufgebaut haben. Die Umstehenden nicken, sie alle fühlen sich im Stich gelassen. Susanne Neuendorf vom Mieterbund sagt: "Wir appellieren an die Fraktionen im Rat der Stadt Dortmund, der Änderung des Bebauungsplans nicht zuzustimmen und aktiv nach mieterfreundlichen Lösungen zu suchen. Politik und Stadt stehen ansonsten mit in der Verantwortung für die Mietervertreibung durch Wohnbau Berke."

Bei Berke selbst gibt man sich zurückhaltend. Es lägen weiterhin beide Sanierungs-Varianten auf dem Tisch, heißt es auf Anfrage. Sollte der Rat der Bebauungsplan-Änderung zustimmen, könnte der ursprüngliche Plan der umfassenden Sanierung wieder aktuell werden. Dabei gelten weiterhin die Angebote, 30 öffentlich geförderte Wohnungen vorzusehen und individuelle Gespräche mit allen Mietern zu führen.

Die habe es inzwischen auch schon gegeben, erklärte Planungsdezernent Ludger Wilde am vergangenen Mittwoch im Ausschuss - außer mit den Mietern, die von Mieterverein und Mieterbund vertreten würden.

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