Fan-Kolumne

„Standgas-Veranstaltung“ des BVB gegen Fürth

Foto: Bongarts/Getty Images

Dortmund.   Der BVB zeigte beim ungefährdeten 3:1-Heimsieg gegen die biedere Spielvereinigung Greuther Fürth am Samstag zwei verschiedene Gesichter und offenbarte eine bislang unbekannte Seite: Es muss nicht immer Vollgas sein.

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Der BVB zeigte beim ungefährdeten 3:1-Heimsieg gegen die biedere Spielvereinigung Greuther Fürth zwei verschiedene Gesichter und offenbarte eine bislang unbekannte Seite: Es muss nicht immer Vollgas sein. Nach der Pause nutzte das Team die Gunst der Stunde und schonte sich für das Champions-League-Spiel in Amsterdam. Auf der Tribüne machte sich ein Gefühl breit, das wir in Dortmund eigentlich gar nicht mehr kannten: Langeweile.

Mit einer teilweise furiosen ersten Spielhälfte hatte die Borussia immerhin den Nährboden dafür gelegt, dass kaum ein Zuschauer diese Langeweile als besonders störend empfand. Am Spielausgang, soviel war jedem klar, würde sich nichts mehr ändern, einzig die ein oder andere Ergebniskorrektur wäre vielleicht wünschenswert gewesen. Dem Gast aus Franken fiel wenig bis gar nichts ein, dieser Partie noch einen Hauch von Spannung einzuhauchen, so dass der BVB souverän und locker mit dem Auslaufen beginnen konnte. Ein Sieg im Schongang.

Den Spielern sei es gegönnt, nach den Strapazen der vergangenen englischen Wochen in den Trainingsspiel-Modus gewechselt zu haben. Schließlich verlangte der Gegner wirklich nicht mehr, der Aufsteiger präsentierte sich wenig bundesligawürdig und hatte kaum etwas gemein mit jenem Gegner, der als Zweitligist im DFB-Pokal-Halbfinale so furios Kontra gegeben und den Favoriten am Rande einer Niederlage hatte. Man kann aus der BVB-Perspektive ein Zeichen der gewonnene Reife sehen, die sich bereits beim „dreckigen Sieg“ von Augsburg zeigte.

Gleichwohl steckte auch diese einseitige Bundesliga-Partie voller interessanter Erkenntnisse, von denen einige ausgesprochen erfreulich sind, andere hingegen nicht. So zum Beispiel die Tatsache, dass die Mannschaft nach einer Führung die fatale Neigung hat, ein kurzes Nickerchen einzulegen und auf diese Art und Weise einen zwar nett herausgespielten, aber ziemlich überflüssigen Gegentreffer hinzunehmen. Gegen eine stärkere Mannschaft als Greuther Fürth in der Verfassung vom Samstag kann ein Spiel eine blöde Wendung nehmen, wenn eine Führung derart schnell wieder abgegeben wird.

Ein weitere interessante Erkenntnis ist, dass Jürgen Klopp nach wie vor für Überraschungen gut ist. Wer gedacht hätte, dass der Trainer Ivan Perisic nach dessen ungebührlicher öffentlicher Einlassung zu den seiner Meinung nach zu knapp bemessenen Einsatzzeiten demonstrativ abstrafen würde, sah sich getäuscht. Im Gegenteil, Klopp ließ Perisic als „erzieherische Maßnahme“ über die gesamten 90 Minuten auf den Rasen. Und demonstrierte so vor mehr als 80.000 Zeugen, dass Perisiczurecht nicht mehr spielt.

Der kroatische Nationalspieler lieferte so gut wie kein einziges Argument in eigener Sache. Er begann schwungvoll mit einem feinen Freistoß und fiel darüber hinaus nicht besonders auf. Defensiv zeigte er die altbekannten Defizite, offensiv wirkte er übermotiviert und teilweise egoistisch. Fazit: Seine Leistung rechtfertigt keinen 90-Minuten-Einsatz. Dass er ein vorzüglicher Fußballer ist, der an guten Tagen den ein oder anderen Geniestreich auf Lager hat und torgefährlich ist, ist hinlänglich bekannt. Und genau das zeichnet einen guten Ergänzungsspieler aus, dafür muss er nicht über die volle Distanz auf dem Platz stehen.

Und somit hat Jürgen Klopp alles richtig gemacht: Er hat Lautsprecher Perisic seine 90 Minuten gegönnt und so sichergestellt, den Unzufriedenen nicht zwingend häufiger aufbieten zu müssen. Und ganz nebenbei konnte Kevin Großkreutz seine Akkus aufladen, denn dessen Qualitäten in puncto Einsatzfreude, Laufbereitschaft und defensiver Disziplin sind beim wichtigen Champions-League-Spiel in Amsterdam sicherlich mehr gefragt als eine durchschnittliche Perisic-Leistung.

Erfreuen wir uns also der positiven Erkenntnisse des Spiels und schätzen uns glücklich, dass Jakub Blaszczykowski trotz längerer Verletzungspause offenbar nichts von seiner exzellenten Form eingebüßt hat, die ihn nun schon seit geraumer Zeit auszeichnet. Ganz stark, was der Pole auf den Platz brachte, Weltklasse seine Einzelleistung, mit der er den Elfmeter erzwang, den Robert Lewandowski zur Führung nutzte.

Ebenso erfreulich wie die Vorstellung von ‘Kuba’ ist der Umstand, dass Mario Götze endgültig sein Lächeln wiedergefunden hat. Und seine Leichtigkeit – mit dem 3:1 gelang ihm ein so schönes Tor, dass man es einrahmen möchte, um mit ihm auf eine einsame Insel auszuwandern. Ein wirklich ausnehmend hübscher Treffer, den so zu erzielen nur ganz außergewöhnliche Kicker imstande sind. Mario Götze ist so einer.

Und so hat der verhältnismäßig leicht herausgespielte und clever nach Hause geschaukelte Sieg noch eine weitere Erkenntnis gebracht: Die Borussia scheint bestens gerüstet, in Amsterdam den benötigten Zähler zum Erreichen des CL-Achtelfinales einzufahren. Kuba ist zurück, Götze in Gala-Form, Reus auch noch da – mal sehen, vielleicht kann Jürgen Klopp es sich sogar „erlauben“, auf die Dienste eines Ivan Perisic in diesem Spiel zu verzichten…

Uli Vonstein – www.die-kirsche.com

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