Dortmund von unten

Warum es in Dortmund unterirdische Ampeln gibt

Unter dem Klinikum Dortmund gibt es Tunnel - und sogar Ampeln.

Foto: Stefan Reinke

Unter dem Klinikum Dortmund gibt es Tunnel - und sogar Ampeln. Foto: Stefan Reinke

Dortmund.  Bei Grün darf man gehen, bei Rot bleibt man stehen — was im oberirdischen Straßenverkehr selbstverständlich ist, gilt an manchen Stellen in Dortmund auch unter der Erde. Nicht etwa in der U-Bahn und auch nicht in einem geheimen Straßensystem. Sondern an einem Ort, an dem man es nun wirklich nicht erwartet.

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Der schnellste Weg vom Klinikum Dortmund an der Beurhausstraße rüber zur Kinderklinik? Ist doch klar: Durch die Drehtür, vorbei an der U-Bahn-Treppe zur Ampel. Auf Grün warten, die Straße überqueren — schon stehen Sie vorm Eingang der Kinderchirurgie. Zur Kinderklinik müssten Sie jetzt noch ein Stück an der Beurhausstraße entlang gehen und dann rechts abbiegen. Auch nicht weit. Aber es geht noch kürzer.

Der kürzeste und schnellste Weg zwischen Klinikum und Kinderklinik verläuft eben nicht auf der Beurhausstraße, sondern unter ihr. Zwischen Asphaltdecke und U-Bahn unterquert ein Tunnel die Straße und ermöglicht einen autofreien und wetterunabhängigen Wechsel der Straßenseite. Die Decke des unterirdischen Gangs liegt 1,15 Meter bis 1,45 Meter unter der Fahrbahn.

Doch einfach so drauf losrennen ist nicht; auch in dem kurvig verlaufenden Tunnel gelten Verkehrsregeln, wenn auch nur ganz rudimentär. Denn hier, im Keller des Klinikums, gibt es eine Ampel. Marc Raschke, Sprecher des Klinikums weiß, warum: "Der Gang ist zu schmal, es passen nicht zwei Betten nebeneinander durch." In der Tat. Der Tunnel misst in der Breite lediglich 1,92 Meter — kein Raum für mächtige Krankenhausbetten im Gegenverkehr. An einer Wand verläuft zudem noch eine Fernwärmeleitung.

Ampel zeigt an, ob der Weg frei ist

Darum zeigt an den 105 Meter von einander entfernt liegenden Tunnelenden jeweils eine Ampel, ob der Weg gerade frei ist. Das ist auch dringend nötig, da der Tunnel zwar der normalen oberirdischen Bevölkerung unbekannt, bei weitem aber kein Geheimgang ist. Klinikmitarbeiter nutzen ihn, um zur Kantine zu kommen, Betten werden von einem Teil des Klinikums zum anderen geschoben. Und Kinder, die zwar in der Kinderklinik liegen, aus verschiedenen Gründen aber im Op auf der anderen Straßenseite operiert werden müssen. "Es wäre nicht so gut, die mit ihrem Bett über die Straße zu schieben", erklärt Raschke.

Um 1929 herum wurde der Tunnel gebaut, um den Neubau der Kinderklinik mit dem Stammhaus zu verbinden. Der Gang wird hauptsächlich für den Patienten-Transport genutzt, Essen wird nicht durch den Tunnel geschoben.

Zweite Ampel im Klinik-Neubau

Die "Bettenampel" unter der Beurhausstraße ist jedoch nicht die einzige Lichtzeichenanlage im Untergeschoss der Kliniken. Auch im brandneuen OP-Trakt des Haupthauses verhindert eine Ampel Zusammenstöße. Besser ist das, da hier die Gefahr nicht unbedingt von geschobenen Betten ausgeht, sondern von kräftigen Elektro-Fahrzeugen, die zum Beispiel Essenswagen beinahe lautlos durch die großzügigen Gänge schieben. An den Decken helfen zusätzlich konvexe Spiegel, zu erkennen, ob von rechts oder links Gefahr droht.

Die Ampel im modernen OP-Trakt wird ganz altmodisch gesteuert: per Seilzug. Etwa fünf bis zehn Meter vor einer Kreuzung können die Klinikmitarbeiter am Seil zupfen und so die Ampel umstellen.

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