Dortmund von unten

Das geheime Labyrinth unter der TU Dortmund

Ein Tunnel unter der Technischen Universität Dortmund, aufgenommen am Donnerstag (05.12.13). Foto: Tim Schulz / WAZ FotoPool

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Ein Tunnel unter der Technischen Universität Dortmund, aufgenommen am Donnerstag (05.12.13). Foto: Tim Schulz / WAZ FotoPool Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.  Unter der TU Dortmund verbindet ein verzweigtes Versorgungssystem Hörsäle, Mensa und Labors. Die rund 31.000 Studenten bekommen nur etwas von dem Tunnel mit, wenn sich plötzlich eine Klappe im Boden irgendwo auf dem Campus öffnet. Dabei ist die unterirdische Anlage die Schlagader der Uni.

Rund fünf Meter unter dem Campus Nord der Technischen Universität (TU) Dortmund verläuft die Hauptschlagader der Uni. In einem drei Kilometer langen Tunnel liegen Leitungen mit heißem und kaltem Wasser sowie Leitungen für Daten oder Telefon. Wann immer in einem Gebäude die Heizung aufgedreht, oder kalte Luft benötigt wird, kommen die schier endlosen Leitungen ins Spiel, die in dem verzweigten System verlaufen.

Der Tunnel unter der Technischen Uni wäre der perfekte Schauplatz für eine — noch zu drehende — Folge des Dortmunder Tatort. Verfolgungsjagd unter dem Campus, plötzlich öffnet sich eine Klappe im Boden und Kommissar Faber blickt aus der Maulwurfsperspektive auf den Mathe-Tower mit dem rotierenden "TU" auf dem Dach. Verdutzte Studenten würden ihren Augen nicht trauen, denn allzu oft kommt es nicht vor, dass jemand aus einem der zahlreichen Notausstiege des langen Versorgungssystems klettert.

Effiziente Kraft-Wärme-Kopplung

Das Herz des unterirdischen Systems schlägt allerdings oberirdisch in Form dreier mächtiger Gasmotoren in einem Gebäude an der Emil-Figge-Straße. Die etwa 20 Jahre alten Boliden mit je 114 Liter Hubraum bringen es auf eine Leistung von jeweils 1,95 Megawatt Strom und 3,6 Megawatt Wärme — Kraft-Wärme-Kopplung heißt das Zauberwort. "Der Wirkungsgrad der Anlage beträgt 80 Prozent. Herkömmliche Kraftwerke liegen bei ungefähr 45 Prozent", erklärt Fredy Schad, Maschinenbaumeister und Herr über die Anlage und das unterirdische Versorgungssystem.

Ab Oktober wird die produzierte Wärme zum Heizen der Gebäude auf dem Campus genutzt. Im Sommer hilft sie — so paradox das klingt — bei der Kühlung. Dazu gibt es einige Räume weiter entfernt eine große Kühlanlage, wo heißes Wasser durch Wärmetauscher fließt.

Wasserleitungen und Telefonkabel

Ein auf den ersten Blick wirr und unüberschaubar wirkendes Netz aus Rohren führt heißes, gekühltes und städtisches Wasser dann in den Versorgungstunnel unter dem Campus, zusammen mit vielen, dick gebündelten Daten- und Telefon- und Stromkabeln. "Die Leitungen fließen in Hörsäle, die Bibliothek, die Mensa und die Labors", erklärt Thomas Quill, Leiter des Bau- und Facility-Managements der TU, und präsentiert einen Campus-Plan, auf dem der Verlauf des Tunnels in rot eingezeichnet ist.

Das Wasser in den Rohren ist so heiß, dass im Falle eines Lecks sofort heißer Dampf austreten würde. Theoretisch würde das Heißwasser auch für den Campus Süd reichen, aber das kalte Wasser und der Strom nicht. Daher hat der südliche Teil der TU ein eigenes Versorgungssystem.

Unter einem Gebäude der Chemie befindet sich eine Frischluftanlage, die Außenluft ansaugt und falls nötig befeuchtet und dann weiterleitet. "In den Hörsälen wird die Luft ständig gemessen", erklärt Schad. Falle die Luftqualität unter ein gewisses Level, werde Frischluft in den betroffenen Raum geleitet. Das heiße und kalte Wasser aus dem Tunnel dienen dann dazu, die Außenluft entweder zu erwärmen oder abzukühlen.

Tunnel unter der TU wurde in den 60er Jahren geplant

Dass ein so großes Gelände wie der Campus Nord über einen begehbaren Tunnel versorgt wird, ist nicht die Regel. Quill vermutet, dass frühere, hochtrabendere Pläne für die Universität Dortmund der Grund für die Ausmaße des Systems sind: "Die Planungen stammen aus den 60er Jahren. Damals dachte man wohl sogar noch an den Bau einer Uni-Klinik", erklärt er. So weit kam es nicht, der Tunnel wurde dennoch gebaut und versorgt nun den Campus, der Ansprüche hat "wie eine kleine Stadt", so Quill. Immerhin arbeiten etwa 7.000 Menschen bei der TU, dazu kommen 31.000 Studenten. Allein rund 8.000 Telefone werden durch den Tunnel versorgt.

Die großzügigen Ausmaße des Tunnels bieten einen großen Vorteil. Fredy Schad: "Wenn eine Leitung defekt ist, müssen wir nicht den Boden aufreißen, sondern könne zu Fuß zu der Stelle gehen." Das macht Reparaturen schneller und billiger.

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