Dortmund von unten

Bierlager und Kunstdepot — das Kellergewölbe unterm "U"

Auerbachs Keller in den 80er Jahren

Auerbachs Keller in den 80er Jahren

Dortmund.   Vom Bierlager zum hochgesicherten Kunstdepot: Für die Serie "Dortmund von unten" haben wir uns im historischen U-Turm-Keller umgesehen. Von "historisch" gibt's heute allerdings kaum noch was zu sehen. Nur in wenigen Räumen ist das alte Tonnengewölbe noch zu sehen.

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Zugegeben: So richtig "Dortmund von unten" ist der Keller unterm U-Turm nicht. Nennen wir es lieber "Dortmund Souterrain". Was die Sache nicht weniger spannend macht — denn wie das historische Gewölbe, in dem einst die DUB auf 3120 Quadratmetern Bier lagerte, nach der Sanierung aussieht weiß kaum jemand.

Ohnehin ist das Konstrukt skurril: Das U war schließlich das erste Gär- und Kellerei-Hochhaus Dortmunds. Bis zum Bau des imposanten Gebäudes 1927 wurde in Dortmund das Bier in echten Kellern unter der Erde gelagert. Der Turm ist also selbst ein Keller — und damit: Dortmund von unten!

Heute ist im Keller von alter Braukunst nicht mehr viel zu sehen. Dafür von moderner Kunst: Neben Schreinerei, Lackiererei, Anlieferung, Gastronomielager und Ausstellungsaufbauten ist hier auch das Kunstdepot des Ostwall-Museums untergebracht. Ein Hochsicherheitstrakt wie der Technik-Raum nebenan, in dem riesige Rechner für die Sicherheit der wertvollen Ausstellungsstücke sorgen. Fotografieren darf man hier nicht. Man darf noch nicht mal rein. Versicherungsgründe... Allein 30.000 Grafiken lagern hier unten. Dazu kommen zig Bilder und Objekte.

Aber ein kleines bisschen Geschichte findet man im U-Turm-Keller doch noch: die alten Tonnen-Gewölbe. An den meisten Stellen ist die historische Decke zwar verschalt oder mit Rohren und Leitungen verdeckt. Seelenlos und kalt. Nur in sechs Räumen ist die alte Backsteindecke noch zu sehen.

Die noch tiefer liegenden Keller der alten Union-Brauerei von 1873 sind längst verfüllt, vermutet Dr. Heinrich Tappe vom Dortmunder Brauerei-Museum. Sie hätten vermutlich einen Großteil der Brauereigeländes durchzogen.

Ehemaliger "Auerbachs Keller" 

Spannender wird's nebenan — in einem Teil des Kellers, der ein wenig höher liegt als das Lager und dadurch eine niedrigere Decke hat. Dort prunkt der alte "Auerbachs Keller" mit einem beeindruckenden säulengetragenen Kreuzgewölbe. Herzstück ist der sechs Meter tiefe Brunnen in der Mitte des Raumes.

1974 hatte sich die Brauerei in diesem damals fast vergessenen Raum eine Privat-Gaststätte eingerichtet. Genutzt wurde der Raum für Firmen-Empfänge, Veranstaltungen und Privatfeiern. Mit dem Brauerei-Aus wurde 1994 auch "Auerbachs Keller" geschlossen.

Seit die Stadt den U-Turm 2007 für 25,5 Mio. Euro kaufte, sollte der Auerbachs Keller wieder eröffnet werden. Es fand sich aber kein Betreiber. So wurde der Keller zunächst nur für einzelne Veranstaltungen genutzt. Dann fand sich aber doch noch ein Betreiber: Till Hoppe, der auch die anderen gastronomischen Einrichtungen im und am U betreibt (View, Emil, FZW).

Aber erst im August 2013 hat der alte "Auerbachs Keller" als Restaurant "Moog" neu eröffnet. Gewölbe und Säulen geben dem Raum etwas Edel-Historisches. Auch der Bierbrunnen ist noch da, wenn auch trockengelegt. Zudem ist ein Teil der Fußboden-Platten noch von früher. Ansonsten ist auch hier alles neu. Immerhin: Das "Moog" ist der einzige Raum im Dortmunder U, der optisch an die Geschichte des Hauses erinnert.

Streit um den Keller-Namen

Vor der Neueröffnung des "Auer...", Verzeihung, des "Moog" hatte es nicht nur Ärger mit Verzögerungen und Kostensteigerungen bei der Sanierung gegeben — es gab auch juristische Querelen. Denn auch in Leipzig gibt es einen "Auerbachs Keller", und zwar seit 1530 (wir erinnern uns: Mephisto, Faust, Wein aus dem Holztisch). Der Betreiber der Traditions-Gaststätte beanspruchte die Namensrechte für sich.

Dass der Dortmunder Keller schon 20 Jahre lang "Auerbachs Keller" hieß, ließen die Richter am Ende nicht gelten. Ebenso wenig seine Tradition als Promi-Stammtisch (hier fand die "Dortmunder Abendrunde" statt, zu der unter anderem Johannes Rau und Hans Tilkowski kamen). Auch zog das Argument nicht, dass die Leipziger Kneipe zwischen 1927 und 1945 von der Union-Brauerei und dem Dortmunder Gastronomen Alfred Langöhrig bewirtschaftet wurde.

Dann eben nicht. Die Stadt steckte zurück, Till Hoppe nannte sein Restaurant bei der Neueröffnung einfach "Moog" (nach dem Architekten des U-Turms, Emil Moog). Wieder ein Stück weniger Geschichte im ehemals altehrwürdigen U.

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