Westspiel-Mitarbeiter erhalten nicht mehr Gehalt

Spielbank Hohensyburg büßt Umsatz und Besucher ein

Foto: WAZ

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Der Sterne über der Hohensyburg glänzen nicht mehr so hell: Weniger Besucher, weniger Umsatz im Casino, weniger Geld, das in die Spielbankabgabe fließt und auch die Stadtkämmerin in Dortmund erfreut.

Die Besucher sind nicht mehr so spendabel: Der Tronc - die Schatztruhe für Trinkgelder - wird nicht mehr so stark gefüttert. Jetzt will die Casino-Mutter Westspiel ihre Mitarbeiter zu „Verlierern” machen, so die Gewerkschaft Verdi.

Im September 2007 lief der Tarifvertrag aus. Gehaltverhandlungen scheiterten. Als man sich am Montag zu einer neuen Gesprächsrunde traf, habe man eigentlich ein Angebot erwartet, so Andreas Elbracht von Verdi. Stattdessen regten die Westspiel-Verantwortlichen, wegen der „ dramatischen wirtschaftlichen Entwicklung ein Aussetzen der Gespräche bis Anfang 2009” an. Dramatisch seien die Umsatzrückgänge: 20 Prozent. Beim Tronc gingen die Einnahmen sogar um 25 Prozent zurück, so Westspiel-Sprecherin Katrin Koch. Anfang der 90er-Jahre gingen Croupiers mit 10 000 Mark im Monat nach Hause - weil viel Trinkgelder in den Tronc flossen. Die Festgehälter waren und sind bescheiden - und seit 1996 auf gleichem Niveau. Mit 1272 Euro/Monat fest startet ein junger Croupier, sollte er 33 Jahre durchhalten, dann kann er 3909 Euro brutto fest verdienen. Nach der Eröffnung des Casinos in Duisburg im Februar 2007 gingen die Einnahmen nicht nur in Dortmund drastisch zurück. Das Westspiel-Casino Aachen leide noch mehr als die Hohensyburg, so wird berichtet. In Aachen kursieren Gerüchte, dass betriebsbedingte Kündigungen anstehen. Das Casino im CityPalais Duisburg wurde im Startjahr von 585 000 Gästen besucht, mehr als 2007 nach Dortmund kamen. Sascha Tiefenbacher, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für die noch knapp 340 Mitarbeiter auf der Hohensyburg: „Der Tronc in Duisburg wird separat verwaltet, er fließt nicht mehr in den gemeinsamen Topf der Westspiel-Casinos”, um an alle Mitarbeiter verteilt zu werden. Man hätte das Personal für Duisburg aus den anderen Westspiel-Casinos rekrutieren können, ärgert sich Tiefenbacher. Aber das habe man weitestgehend vermieden. „Die Probleme waren absehbar”, so Tiefenbacher: es kämen zwar leicht mehr Besucher insgesamt, aber verteilt auf mehr Standorte. Die Belegschaft werde im aktuellen Tarifstreit nicht klein beigeben. Das könne sich keiner der Angestellten bei sinkenden Einkommen mehr leisten. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Besucherzahl auf der Hohensyburg halbiert. 2002 kamen 1,05 Mio Besucher, 2007 waren es nur noch 522 000 Gäste. „Die Lage macht uns zu schaffen. Sie ist aber nicht dramatisch”, macht Westspiel-Sprecherin Koch gute Miene zum bösen Spiel. Dabei dauert die Pechsträhne in Dortmund verstärkt an: Bisher kamen 2008 rund 20 Prozent weniger Gäste als im Vorjahreszeitraum. 80 Prozent der Spielbank-Einsätze fließen als Spielbankenabgabe in die öffentliche Hand. Die Stadt Dortmund kassiert einen Anteil an der Spielbankenabgabe - und der schrumpft. 2007 wurde mit 9,6 Mio Euro gerechnet. 2006 waren es noch 14,5 Mio Euro.

Überraschend löst Westspiel den langjährigen Direktor der Spielbank ab. Franz Hirthammer übernehme ab 1. September andere Aufgaben in der Duisburger Unternehmenszentrale.

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