Nordstadt

"Sauf-Raum" soll Trinker von Dortmunds Straßen holen

Foto: WR

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Dortmund. Mit einem Trinkerraum will die Stadt Dortmund den Alkoholkonsum aus den Straßen der Nordstadt verbannen. Aber der Raum soll nicht bloß zum zechen dienen, sondern auch soziale Anlaufstelle sein und Ein-Euro-Jobs schaffen. Vorbild ist ein "Sauf-Raum" in Kiel.

Ein Trinker-Treff in der Nordstadt. Wo sie drinnen statt draußen bechern, unter ihresgleichen. Ein solches Angebot soll Alkoholiker von öffentlichen Plätzen und Straßen holen. In Kiel funktioniert das seit sieben Jahren. Rechtsdezernent Wilhelm Steitz hat den dortigen „Saufraum” besucht. Sein Fazit: „Hochinteressant für Dortmund.”

Saufraum – ein intensiver Arbeitstitel, der sprittig und ausgrenzend klingt, aber deutlich zu kurz greift. „Das ist nicht einfach nur ein Raum zum Zudröhnen, sondern ein Zentrum mit einem differenzierten Sozialangebot”, berichtet Steitz.

Flüssige und feste Nahrung

Hauptanlaufpunkt des Projektes ist eine Trinkerhalle – mit Tresen, Barhockern, Tischen, Stühlen. Eine Art Multifunktionslokal, in dem es flüssige wie feste Nahrung gibt. Um 9 Uhr öffnet das Frühstückscafé. Mittags werden warme Mahlzeiten serviert. Ab 16 Uhr kreisen meist nur noch Tetrapack-Wein und Flaschenbier. Beides kann man dort kaufen – „zu Preisen wie am Kiosk”, so Steitz – oder selbst mitbringen. Schnaps ist tabu, zu jeder Zeit.

Der Betrieb bringt Arbeitsplätze. Ein-Euro-Jobber schaffen in Küche und Kneipe. „Die Nachfrage nach den Stellen ist groß”, so Steitz. Die Stadt Kiel finanziert das Angebot mit 75 000 Euro auf eine Dauer von drei Jahren. Davon werden zwei feste Tresenkräfte beschäftigt.

Soziale Stützpfeiler

Soziale Pfeiler stützen den Trinker-Treff: Schuldner- und Obdachlosenberatung, Wohnungs- und Arbeitsvermittlung – „alles kompakt unter einem Dach”, das überzeugt den Dezernenten. Diakonie, Caritas und andere Wohlfahrtsverbände engagieren sich als Träger. Fachlich geschulte Sozialarbeiter betreuen Ratsuchende.

Steitz hält das Kieler Modell prinzipiell für übertragbar auf die Nordstadt. „Die Infrastruktur mit den sozialen Beratungsangeboten haben wir auch, nur nicht so punktgenau”. Mit geringem Aufwand sei einiges zu erreichen. „Für ein solches Projekt muss ja keine Beratungsstelle umziehen. Sprechzeiten würden schon reichen.” Der integrative Ansatz verspreche deutlich mehr als nur eine Verdrängung von Alkoholikern.

Gespräche mit allen Beteiligten

Der Dezernent will nun gezielte Gespräche über eine Trinkerhalle führen. „Das Thema gehört offen diskutiert, in der Sicherheitskonferenz ebenso wie im Koordinationskreis Nordstadt.” Sofern ein Konsens erzielbar sei, könne daraus eine Ratsvorlage gestrickt werden.

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