CDU-Wahlkampf

Roland Koch, die Menschen und 'ne Wurst

Foto: WR RALF ROTTMANN

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dortmund. Bunte Luftballons, Bierwagen und Wurstbuden auf einem Parkplatz im Industriegebiet sind sonst eher ein Anzeichen für einen Auftritt von Bata Illic oder anderen Schlagersängern anlässlich der Eröffnung eines Möbelhauses. Politik hatte dort bisher nichts verloren. Bisher.

Denn am Freitagnachmittag war alles anders. Denn auf dem Hof des Garten- und Campingsaus-statters Stellfeld &Ernst in Brackel machte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) auf seiner Tour durch NRW einen kurzen Halt, um seine Partei beim (Wahl)-Kampf um das Dortmunder Rathaus und „seinen Freund” Jürgen Rüttgers bei der Verteidigung der schwarz-gelben Mehrheit im NRW-Landtag zu unterstützen.

Doch bevor Koch zwischen Gartenmöbeln und Strandkörben als „Energielieferant für seine Leuchttürme” – so nennt er die etwa 100 der CDU zugeneigten Besucher – fungiert, damit sie mit ihrem Feuer bei unentschlossenen Wählern für Orientierung sorgten, betreiben Dortmunds Unionisten aus der ersten Reihe für den 9. Mai Werbung in eigener Sache. Als nacheinander der Kreisvorsitzende Steffen Kanitz und der OB-Kandidat Joachim Pohlmann das Mikrofon hinter dem Rattan-Pult ergreifen, ist sehr häufig von „den Menschen” die Rede. Denn genau die wolle man mit dieser neuen Form des Wahlkampfes erreichen, 'raus aus den Sälen, um nah bei ihnen zu sein. Aber einer ist nach Ansicht von Steffen Kanitz sowieso schon inmitten der so häufig Adressierten: Joachim Pohlmann. „Er ist nah bei den Menschen und tut nicht nur so”, sagt der junge CDU-Boss mit dem blonden Scheitel in einem Seitenhieb auf den SPD-Kandidaten Ullrich Sierau.

Überhaupt Sierau. An ihm arbeiten sich Kanitz und Pohlmann in ihren Reden ab. Der weißhaarige Gentleman bedankt sich zunächst natürlich artig dafür, dass so viele Menschen am Freitagnachmittag Zeit gefunden haben, vorbeizuschauen. Danach beweist er in seinem Vortrag über das verschwiegene Haushaltsloch nach der Kommunalwahl („Wo kommt das denn her”) und den Anwaltskosten aus dem Verfahren von Alt-OB Langemeyer gegen den Regierungspräsidenten, die der Stadt aufgebürdet wurden, sogar kabarettistisches Talent. Doch nicht jede Pointe will sofort zünden. In so einem Fall ist es gut, einen erfahrenen Wahlkämpfer wie Roland Koch als Applaus-Taktgeber mitten in der Menschenmenge stehen zu haben.

In seinem etwa 25 Minuten andauernden Vortrag gibt sich Roland Koch als Kronzeuge, der aus der Hessen-Wahl wisse, dass die SPD bei der kleinsten Chance auf Machtgewinn auch nicht vor der Koalition mit den Linken zurückschrecke. Er gibt jedoch auch offen zu, dass Schwarz-Gelb im Bund eher holprig gestartet sei und er nicht jeden Tag mit der Performance glücklich sei.

Zum Schluss darf dann auch Ulf Katler, Kandidat für den NRW-Landtag, noch ein paar Worte sagen – die im Prinzip bereits alle gesagt wurden. Deshalb langt der ein oder andere CDU-Mann zu diesem Zeitpunkt auch schon kräftig am Grill-Stand zu.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben