Fragen und Antworten

Rattenplage auf Spielplatz in der Nordstadt

Aufkleber warnen Spielplatz-Besucher vor den giftigen Ködern gegen die Ratten.

Aufkleber warnen Spielplatz-Besucher vor den giftigen Ködern gegen die Ratten.

Foto: Peter Bandermann

Dortmund.  Ein Spielplatz an der Stahlwerkstraße in der Nordstadt hat ein ausgewachsenes Rattenproblem. Die großen Nagetiere huschen über das Gelände und die umliegenden Straßen. Warum konnten sie sich dort ausbreiten? Wer geht dagegen vor? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Eine Anwohnerin aus der Dreherstraße hat uns auf das Thema hingewiesen. Wie hat die Bürgerin das Rattenproblem festgestellt?

Sie wohnt seit 45 Jahren in der Nordstadt und kennt sich in ihrem Quartier gut aus. Aufgefallen sind der Frau zunächst größere Ratten, die über den Spielplatz und die Straßen huschen. Dann hat sie genauer hingesehen: Löcher führen in die unterirdischen Bauten der Ratten. Beobachtet hat sie auch das: "Ab 20.30 Uhr kann man die Ratten gut sehen. Die Großen verlassen den Spielplatz, die Kleinen bleiben aber da."

Welchen Eindruck hinterlässt der Spielplatz?

Nach dem Hinweis der Bürgerin haben wir den Spielplatz am Dienstag (20. 6., 11 Uhr) selbst inspiziert. Das Ergebnis: Die Mülleimer sind geleert. Spuren im Sand zeugen davon, dass die Anlage mit Gartengeräten gepflegt worden ist. Die hohen Temperaturen verstärken die Urin- und Fäkaliengerüche aus den Gebüschen. Müll ist unübersehbar: Leere Flaschen und Dosen, Verpackungspapier und Picknickreste liegen auf dem Boden, darunter große Brotreste. Der Spielplatz wirkt nicht gerade einladend. Neben dem Spielplatz liegt eine Kindertagesstätte.

Was sagt die EDG zu dem Müll-Problem?

Für die Entleerung der Mülleimer auf dem Spielplatz ist die Stadt Dortmund zuständig. EDG-Sprecher Matthias Kienitz über das Umfeld: "Wir betreiben dort einen Depotcontainer-Standort für Altpapier, Altglas und Alttextilien. Dieser Standort ist oft verunreinigt, wir müssen ihn zweimal täglich abräumen. Das zeigt, was da draußen los ist."

Wer geht gegen die Ratten vor?

Die Stadt Dortmund. Sie betreibt den Spielplatz. Die Bürgerin hat das Problem im Mai 2017 auch der Verwaltung geschildert. Inzwischen sind dort von einem Fachunternehmen im Auftrag des Tiefbauamtes auch Köder ausgelegt worden. Doch die Ratten sind immer noch da.

Wie wirken diese Köder?

Wenn Ratten den Köder fressen, nehmen sie ein Medikament auf, das die Blutgerinnung im Körper aufhebt. "Nach bis zu drei Tagen tritt der Tod ein", berichtet der Dortmunder Schädlingsbekämpfer Andreas Herdes mit Firmensitz in Marten.

Warum müssen Ratten bekämpft werden?

Ratten übertragen Krankheiten, unter denen sie selbst nicht leiden müssen. Erreger werden über Kot, Urin und Speichel übertragen. Sie können auch Parasiten übertragen. Dazu kommen von den Nagern angerichtete Materialschäden an Kabeln und auch Straßenschäden: Gepflasterte Flächen können wegen der Wühlerei im Untergrund absacken.

Warum konnten sich die Ratten dort ausbreiten?

"Die Leute, die den Spielplatz besuchen, lassen dort ihren Müll liegen, darunter auch Lebensmittel. Die füttern die Ratten mit durch", sagt die Anwohnerin, die für dieses Verhalten kein Verständnis zeigt. Denn der Spielplatz verfüge über genug Mülleimer. Sie meint: "Wenn sich jeder um seinen eigenen Dreck kümmern würde, gäbe es das Problem hier nicht. Mir tun die Arbeiter leid, die hier morgens aufräumen müssen." Müll und Lebensmittel würden von Eltern und deren Kindern liegengelassen.

Was unternimmt die Stadt Dortmund, um das Rattenproblem in den Griff zu bekommen?

Akut legt sie die Köder aus. Langfristig hilft das allerdings nicht.

Wie vermehren sich Ratten?

Nun, da sind die Nagetiere sehr fleißig. Die gemeine Hausratte und Wanderratten vermehren sich das ganze Jahr über und können nach drei Wochen Tragzeit bis zu zehn Junge werfen. Bereits nach drei Monaten sind die Jungen geschlechtsreif. Wegen des großen Nahrungsangebots können Rattenpopulationen in Großstädten besonders gut gedeihen.

Wenn Bürger auf einem Grundstück der Stadt Dortmund ebenfalls ein Rattenproblem erkennen: Wen können sie informieren?

Tiefbaubezirk Nord: Tel. 50 2 95 00
Tiefbaubezirk Süd: Tel. 50 2 86 00

Rattengift kann den Bestand der Tiere zurückdrängen. Wie lange dauert das?

Eine Faustregel gibt es nicht. Schädlingsbekämpfer Andreas Herdes nennt ein Beispiel: "Für den Nordmarkt haben wir mal ein Jahr gebraucht." Der Bürger müsse mitziehen und seinen Müll ordentlich entsorgen.

Ratten bevölkern nicht nur Spielplätze, sondern auch Privatgrundstücke. Muss die Stadt den Eigentümern helfen?

Nein, Hauseigentümer sind verpflichtet, das Problem auf dem eigenen Grundstück selbst zu lösen. Je nach Ausmaß müssen Profis das in die Hand nehmen.

Wie können die Bürger einer Stadt dazu beitragen, dass ein Rattenproblem erst gar nicht entsteht?

Indem sie Abfälle - vor allem Lebensmittel - richtig entsorgen, sodass diese für Ratten nicht zugänglich sind. Damit entziehen sie den Tieren langfristig die Nahrungs- und so auch die Existenzgrundlage. Die Ratten vermehren sich nicht mehr so stark.

Wenn Ratten in der Nachbarschaft unterwegs sind: Wie schütze ich mein Haus?

Der Schädlingsbekämpfer "Rentokil" rät, Löcher und Türspalten abzudichten. Ratten zwängen sich durch nur zwei Zentimeter schmale Engpässe. Fenster, Türen, Lüftungsschlitze und andere Durchlässe sollten angepasst werden. Bei Ratten beliebt sind auch Aufzugsschächte.

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