Verkehr

Radautobahn - Rad-Lobby rügt Rolle rückwärts in Dortmund

Schon als Baustadtrat präsentierte sich Dortmunds heutiger OB Ullrich Sierau als Freund aller Fahrradfahrer. Unser Foto aus dem Jahre 2006 zeigt (v.l.) Schirmherr Sierau zum Start der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ an der Seite von Werner Blanke, Chef des ADFC in Dortmund, sowie  Johannes Löhr und Dipl.-Sportlehrer Christian Kunert von der örtlichen AOK.

Schon als Baustadtrat präsentierte sich Dortmunds heutiger OB Ullrich Sierau als Freund aller Fahrradfahrer. Unser Foto aus dem Jahre 2006 zeigt (v.l.) Schirmherr Sierau zum Start der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ an der Seite von Werner Blanke, Chef des ADFC in Dortmund, sowie Johannes Löhr und Dipl.-Sportlehrer Christian Kunert von der örtlichen AOK.

Foto: Stefan Kuhn

Dortmund.   In der Sache gingen die Reaktionen auf das Dortmunder Nein zur 110 Millionen Euro teuren Radautobahn quer durchs Revier weit auseinander. Wie rasant aber Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) vom Vorkämpfer zum Bedenkenträger wendete, löste einheitlich Verwunderung aus.

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Dortmunds SPD hielt am Tag nach dem Nein zur 110 Millionen Euro teuren Radautobahn quer durchs Revier die Füße still. Wie rasant aber OB Sierau (SPD) vom Vorkämpfer zum Bedenkenträger wendete, löste Verwunderung aus. An der Debatte im Fraktionsvorstand habe er wegen wichtigerer Termine nicht teilnehmen können, wohl aber an der folgenden Sitzung der Gesamtfraktion. Die habe die ablehnende Haltung ihrer Spitzen widerspruchslos zur Kenntnis genommen. Sieraus Reaktion: Schweigen.

Auch die CDU-Fraktion, die mit ihrem Nein vorgeprescht war, hielt sich zurück. Mehr als ein „Wir freuen uns“ war Geschäftsführer Manfred Jostes nicht zu entlocken.

Aufschrei der Grünen erwartbar

Dass die Grünen aufschreien würden, stand zu erwarten. „Dortmund verabschiedet sich aus einem innovativen Projekt, das endlich dazu beitragen könnte, auch den RadfahrerInnen einen Komfort zu bieten, der für AutofahrerInnen als selbstverständlich vorausgesetzt wird“, bedauert Fraktionssprecherin Ingrid Reuter, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. Wer es ablehne, die „derzeit lächerlich geringen“ kommunalen Mittel für die Radverkehrsinfrastruktur wenigstens zu verdoppeln, wie die Grünen es beantragt haben, sollte es „tunlichst vermeiden, jetzt Krokodilstränen wegen des vermeintlich teureren Radschnellwegs zu weinen.“

„Erstaunlich rasant“ nennt Fraktions-Chef Mario Krüger die Kehrtwende des OB. Vor vier Monaten erst habe Sierau mit anderen

„Offenbar hat er seine Rechnung ohne seine bekanntlich nicht gerade fahrradfreundlichen Genossen gemacht“, sagt Krüger. „Dass sich der OB, der sich noch im Wahlkampf als überzeugter Radfahrer plakatieren ließ, an die Spitze seiner autofreundlichen GenossInnen setzt, ist blamabel.“

Vernunft kehrt zurück

Spät, aber nicht zu spät kehrt nach Einschätzung von Lars Rettstadt, Chef der Fraktion von FDP und Bürgerliste, auch bei CDU und SPD die Vernunft ein. In der RVR-Verbandsversammlung hätten beide - im Unterschied zu den Liberalen - noch eifrig dafür gestimmt. „Inzwischen hat man ihnen offenbar klar gemacht, was das für Dortmund finanziell bedeutet.“

„Vielleicht war die Debatte um die Radautobahn aber auch nur eine große Show-Veranstaltung, fragt sich Rettstadt, warum OB Sierau nicht schon früher die Bremse gezogen hat. „Wer mit Blick auf den Solidarbeitrag um jeden Euro in der Stadtkasse verlegen ist, sollte nicht einmal zum Schein auf derart teure Projekte eingehen.“ Warum für eine Radautobahn Millionen ausgegeben werden, während vorhandene Radwege und Schulgebäude verkommen, lasse sich niemandem vermitteln.

Mit Empörung reagiert die Radfahrerlobby auf Dortmunds Absage an das 110 -Mio-Projekt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in NRW spricht von einem „Rücksturz in die Verkehrspolitik der 1980er Jahre“.

Projekt akut gefährdet

Für Sprecher Thomas Rommelspacher ist damit das Projekt „akut gefährdet“, die Stadtzentren des Ballungsraums durch einen hoch leistungsfähigen Radweg zu verbinden. NRW-Chef Thomas Semmelmann rät der Dortmunder SPD, sich in den Niederlanden davon zu überzeugen, dass Radschnellwege einen „wichtigen Beitrag zur urbanen Mobilität“ leisten. Semmelmann: „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist exzellent.“

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