Raubüberfall

Polizei: Überfall auf Geldtransporter "ganz besonderer Fall"

Mehrere Täter haben am Samstagabend einen Geldtransporter in Dortmund überfallen. Die Täter sind auf der Flucht.

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Mehrere Täter haben am Samstagabend einen Geldtransporter in Dortmund überfallen. Die Täter sind auf der Flucht. Foto: IDA News

Bodelschwingh.  Unbekannte Täter haben einen Geldtransporter in Dortmund überfallen und Bargeld erbeutet. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter in Dortmund, bei dem die Täter am Samstag mit einer Panzerfaust gedroht haben sollen, suchen die Ermittler weiter nach den Hintergründen. Die Dortmunder Polizei sprach am Montag von einem "ganz besonderen Fall", der umfangreiche Ermittlungen nach sich ziehe. Der Fokus liege auf der Spurensicherung und deren Auswertung.

Bei dem Raubüberfall im Dortmunder Westen hatten noch unbekannte Täter mitten in einer Wohnsiedlung Bargeld in zurzeit unbekannter Höhe erbeutet. Wir haben mit der Polizei und Anwohnern gesprochen. Hier eine Rekonstruktion des präzise vorbereiteten und eiskalt durchgezogenen Überfalls.

Wo liegt der Tatort?
Auf der Richterstraße, also in einem Wohngebiet im Stadtteil Bodelschwingh im Dortmunder Westen. Die Täter müssen die Route des Transporters gekannt haben. Der Sicherheitsdienst betreibt in der Nähe der Richterstraße eine Niederlassung.

Wie sind die Täter vorgegangen?

Polizeisprecher Kim Ben Freigang spricht von einem "mit hohem Organisationsgrad vorbereiteten Überfall", der am Samstag (12.12.2015) um 18.52 Uhr eiskalt durchgezogen worden ist. An einer Verkehrsinsel, die Autofahrer zu gedrosseltem Tempo zwingen soll, keilten zwei Tatfahrzeuge den Geldtransporter ein, so dass es an der Engstelle kein vor und zurück gab.

Die Täter waren bewaffnet. Setzten sie die Waffen ein?
Ja. Sie benutzten Kriegswaffen. Einer der mindestens zwei Angreifer richtete eine Panzerfaust auf den Transporter. Mit Schnellfeuerwaffen (Maschinenpistolen oder Maschinengewehren) eröffneten sie das Feuer. Das Personal im gepanzerten Transporter trafen sie nicht – sie zielten bewusst auf die Motorhaube.

Wie konnten die Räuber in den Geldtransporter eindringen?
Von quietschenden Reifen und den Schüssen aufgeschreckte Zeugen hörten die für eine Flex typischen Geräusche, wenn sich die Trennscheibe durch Metall frisst und sahen Funkenflug. Allerdings konnten die Täter die Seitentür des Transporters nicht vollständig öffnen, so dass ihnen der Zugang zu den im Innern gelagerten Geldkassetten nur begrenzt möglich war.

Als die Täter die Wagen öffneten - wo hielt sich das Sicherheitspersonal auf?
Getrennt voneinander in der Fahrerkabine und in einem Rückzugsraum. Während sich die Täter vorarbeiteten, war die Polizei bereits alarmiert. Sie setzte auch einen Hubschrauber ein.

Ein Raubüberfall mit Waffengewalt in einem Wohngebiet - was bedeutete das für Passanten, Anwohner und Autofahrer?

Am Tatort bildete sich ein Stau. Autofahrer erkannten die gefährliche Situationen, wendeten und rasten davon. Einen Fahrer schrien die Täter an und verscheuchten ihn. Nachbarn hörten den ungewöhnlichen Lärm und blickten auf die Straße. Ein Zeuge: "In den letzten Tagen knallte es hier öfter. Das waren dann Böller. Aber diesmal war das irgendwie anders. Ich hörte durchdrehende Reifen und habe dann nachgeschaut: Zwei Autos haben den Geltransporter von vorn und von hinten eingekeilt und dann hier herumgeballert. Ich habe mir so große Sorgen um die Männer im Transporter gemacht. Aber ich habe mich nicht getraut, näher heran zu gehen." Der Zeuge verständigte sofort die Polizei. Er handelte also genau richtig.

Wie und wohin konnten die Täter flüchten?
Die Flucht führte mit zwei Fahrzeugen quer durch Bodelschwingh bis zur Brietenstraße. Etwa 1,4 Kilometer vom Tatort entfernt stellten die Täter die Autos ab. Im Innenraum eines Wagens legten sie Feuer – vermutlich, um Spuren zu vernichten. Polizisten fanden die Pkw und löschten die Flammen. Beide Wagen waren seit Monaten als gestohlen gemeldet. Zeugen berichten zudem von einem orangenen Van/Lieferwagen, der vom Tatort davonfuhr. Das eigentliche Fluchtfahrzeug?

Gibt es eindeutige Spuren?
Möglicherweise konnten die Polizisten, die die Flammen löschten, dazu beitragen, dass nicht alle Spuren vernichtet worden sind. Kriminaltechniker untersuchen die abgeschleppten Fahrzeuge nach Haaren, Haut- und Speichelpartikeln und Textilfasern. Am Tatort Richterstraße sicherte die Kriminalpolizei auch Patronenhülsen und andere Spuren. Die Analyse der Munitionstreffer am Geldtransporter kann Aufschlüsse über die verwendeten Waffen liefern. Die Polizei wertet auch Mobilfunkzellen aus. Um zu erkennen, wer sich zur Tatzeit am Tatort oder in Tatortnähe aufgehalten hat.

Wie viele Täter gibt es?
Zeugen beobachteten am Tatort zwei maskierte Männer. Das Duo kann allein vorgegangen sein oder mit Komplizen zusammengearbeitet haben. Nicht auszuschließen ist, dass sie in ein abgestelltes oder begleitendes Fluchtfahrzeug (orangener Van?) eingestiegen sind und darin ein Komplize als Fahrer saß. Die Polizei fahndet nach vier Männern, die alle Deutsch gesprochen haben sollen.

Gibt es ähnliche Fälle?
Ja, in den Berliner Stadtteilen Marienfelde und Schöneberg. Im November und im Dezember 2015 überfielen bewaffnete Unbekannte in zwei Fällen ebenfalls Geldtransporter. In einem Fall nutzten auch sie eine Flex, um ein Fahrzeug zu öffnen. Ob es einen Zusammenhang gibt, kann aktuell nicht gesagt werden. Die Polizei prüft das und vergleicht Spuren und Zeugenaussagen.

Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise auf verdächtige Personen. Hinweise an den Kriminaldauerdienst im Polizeipräsidium unter Tel. 0231 / 1 32 7441.

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