In Brackel

Vahle-Konflikt auf neuem Wege

Betriebsrundgang: Die Bürgerinitiative informierte sich über Produkte und Produktionsabläufe. Foto: Jochen Linz

Foto: Linz/PiLi

Betriebsrundgang: Die Bürgerinitiative informierte sich über Produkte und Produktionsabläufe. Foto: Jochen Linz

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Brackel. Lange Zeit sprachen sie nur vorwurfsvoll übereinander. Nunmehr setzten sich Firma Vahle und Bürgerinitiative „Gemeinsam für Brackel“ an einen Tisch. Ziel der Aussprache, die unsere Zeitung angeregt hatte: Den nervenden Lkw-Verkehr im Wohngebiet um die Schimmelstraße spürbar drosseln. Dazu kamen konkrete Ideen auf den Tisch. Welche davon umgesetzt werden können? Das müssen die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Die Premiere begann mit einer Betriebsbesichtigung. Erstmals schnupperten Nachbarn der Firma sowie Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „Gemeinsam für Brackel“ am Montag (14. März) in die Vahle-Produktion hinein. Geschäftsführer Michael Pavlidis und Betriebsleiter Bernd Hauptreif führten die sechsköpfige Gruppe durch die Hallen, in denen stromführende Schienen für Kunden im In- und Ausland hergestellt werden. Während des Rundgangs machten die Vahle-Vertreter aus betriebswirtschaftlicher Sicht deutlich, wie das Unternehmen mit Material versorgt und auf welchen Wegen der Vertrieb per Lkw erfolgen müsse. Anschließend steckten die Parteien die Köpfe für eine „offene und ehrliche Aussprache“ zusammen, die u. a. Pavlidis und Dr. Alexander Busch (BI) forderten.

Mit „klaren Worten“ eröffnete Pavlidis den Dialog. „Wir als Firma Vahle haben kein Problem. Aber was sind Ihre Ziele?“ Dr. Busch, Wilhelm Auffahrt und andere BI-Vertreter machten ihrem jahrelangen Ärger über den Schwerlastverkehr durch das Wohngebiet Schimmelstraße, Königstraße und Unterer Graffweg Luft. „Morgens um 5.45 Uhr donnern die ersten 40-Tonner durch die engen Straßen; das geht den ganzen Tag so weiter.“ Pavlidis und Hauptreif räumten ein, dass „im Augenblick“ dank eines Großauftrages weit über den regulären Ein-Schicht-Betrieb (6 bis 14.30 Uhr) gearbeitet werde. Das erkläre den regen Lkw-Verkehr.

Vertreter der BI zweifelten im weiteren Verlauf des Gesprächs daran, ob Vahle alle für die aktuelle Produktion erforderlichen Genehmigungen habe. Und: Als letzten Ausweg werde man vor Gericht ziehen für mehr Lebensqualität vor Ort. Andererseits, betonte Auffahrt, wolle man Vahle das Leben nicht böswillig schwer machen und keine Arbeitsplätze gefährden. Voraussetzung für eine gütliche Lösung sei allerdings: Vahle nehme mehr Rücksicht auf die Anwohner und suche mit ihnen nach Lösungen für eine akzeptable Nachbarschaft von Gewerbe und Wohnen.

Pavlidis und Hauptreif griffen zum Ende der zweieinhalbstündigen Aussprache einige Anregungen auf:

Auf dem Firmengelände sorgen Schwellen für Lärm; diese ließen sich demontieren. Möglicherweise könne man die Lkw-Fahrer auch anders zum Langsamfahren zwingen

Vielleicht könnte Vahle seine Sammeltransporte (mit dem Hauptsitz Kamen) weiter optimieren und damit Lkw-Fahrten vermeiden

Vahle könnte Schwerlasttransporte zukünftig erst ab 8 Uhr zulassen

Lkw-Fahrern könnte untersagt werden, auf dem Firmengelände oder im Umfeld zu übernachten

Vahle und Bürgerinitiative könnten sich gemeinsam bei der Stadt dafür einsetzen, dass die desolaten Zufahrtsstraßen neue, geräuscharme Belage bekommen und Inseln gebaut werden, die das vorgeschriebenen Tempo 30 km/h von den Fahrern erzwingen

Indes: Die Bürgerinitiative liebäugelt damit, Vahles Warenanlieferung möglichst ganz aus dem Wohngebiet zu nehmen. Da alternative Zufahrten fehlen, denkt die BI über eine größere technische Lösung nach: Vahles Warenanlieferung könnte möglicherweise über die Westfälische Straße erfolgen, wenn dafür eine Kranbrücke über die Bahn-Gleise gebaut würde. Hierfür legte die BI eine Skizze vor. Auch eine Gleis-Untertunnelung wäre theoretisch möglich. Vahle sollte mit der städtischen Wirtschaftsförderung Machbares und Kofinanzierungen ausloten

Pavlidis deutete an, dass Vahle sich im Interesse einer guten Nachbarschaft an realistischen Lösungen beteiligen könnte. Diese dürften aber nicht zu teuer werden. „Dieser Standort ist kerngesund und muss profitabel bleiben.“ Dem großen Wurf erteilte der Technische Geschäftsführer eine klare Absage: „Eine Verlagerung des Standorts Brackel kommt für uns nicht in Betracht.“

Die Vahle-Geschäftsführung will die Anregungen „erstmal sacken lassen.“ Pavlidis sagte der BI zu: „In drei Wochen melden wir uns bei Ihnen.“

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