Lanstrop, ein Stadtteil ohne Fürsprecher

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Lanstrop. "Wenn die Zeche stirbt, stirbt die Stadt". Oft stand der Spruch auf Protestplakaten, wenn ein Pütt geschlossen werden sollte. Die Menschen hatten Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Sie hatten Angst, dass ihr Lebensumfeld vor die H

"Uns haben sie hier vergessen", sagt Hans-Werner Woidelko. Er ist Mitglied des Mieterbeirates der ehemlaligen LEG-Siedlung. Woidelko wohnt schon lange hier. Er weiß, wie es früher war und sieht, wie es heute ist: trist, trostlos, grau. Die Häuser sind schmuddelig, der Anstrich ist längst überfällig. Fenster, Türen, die Balkonbrüstungen, alles alt und unansehnlich.

"Es wird nichts gemacht", beklagt auch Helmut Millmann. Er betreibt an der Färberstraße einen Schreibwarenladen mit einer Lotto-Toto-Annahmestelle und arbeitet im Mieterbeirat mit. Wenn er die Rollläden vor der Schaufesterscheibe herunter lässt, sieht man das Geschmiere, dass sich durch die Siedlung zieht. Wie ein Schwarzes Brett der Gefrusteten.

Gerade hat Millmann einen älteren Herren beraten, der lieber anonym bleiben möchte. In seinem Bad hat es ein defektes Rohr gegeben. Bis das repariert worden ist, vergingen Wochen. "Alles dauert hier lange", klagt Millmann. Die Hausverwaltung Simchen, die im Auftrag eines Investmentfonds die 1 162 Wohnungen verwaltet, hat einen Hausmeister abgestellt. "Viele Mängel, die wir melden, werden gar nicht erledigt. Es ist einfach kein Geld da." Nach der Reparatur bei dem Mieter mussten Fliesen ersetzt werden. "Passende gibt es nicht mehr. Jetzt kleben irgendwelche an der Wand", erklärt Millmann. "Der Mieter ist natürlich unzufrieden."

Andere beklagen sich über defekte Fenster, Türen und Garagentore. Schimmel ist ein großes Thema. "Kein Wunder", sagt Herbert Millmann. "Die Häuser sind alle nicht isoliert, da können sie heizen und lüften, wie sie wollen".

Was die Mieterbeiräte besonders ärgert: Im benachbarten Scharnhorst sind alle Häuser saniert worden. In den vergangenen Monaten ist viel in die Wärmedämmung investiert worden. Vorher hat es Programme für Fenster und Türen gegeben, und auch die Außenanlagen sind neu gestaltet worden. Viele Häuser haben heute nachträglich eingebaute Fahrstühle. In Lanstrop sucht man das alles vergbens.

Dabei lagen die beiden, in den 60er Jahren gebauten "Neue Heimat Siedlungen" jahrelang gleichauf. Dann rückte die Großsiedlung in Scharnhorst mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Finanzmittel flossen, wie zuletzt aus dem Topf für "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf".

Derweil ging es in Lanstrop weiter bergab. Als die Neue Heimat in die Pleite schlitterte und die LEG den Wohnungsbestand übernahm, wurde auch nur verwaltet und nichts erneuert. "Aber die Betreuung war gut", findet Hans- Werner Woidelko. Die Gesellschaft initiierte einen Wettbewerb für schön gestaltete Balkone und Mietergärten. "Das sah nett aus", erinnert sich Woidelko. Jetzt sind die meisten "Gartenbesitzer" weggezogen und die Gärten zugewachsen.

Seit dem Verkauf der Siedlung ist es nicht besser geworden. Der Besitzer hat mehrfach gewechselt, und die Mieter haben nicht das Gefühl, dass etwas investiert werden soll. "Da passiert bis 2010 gar nichts", vermutet Herbert Millmann. Dann fällt die Sozialbindung. Und dann? "Dann steigen die Mietpreise. Vielleicht wird auch edelsaniert oder die ganze Siedlung wird abgerissen und neu gebaut." Die Mieterbeiräte sprühen vor Sarkasmus - in einem Stadtteil, der in Vergessenheit geraten ist.

siehe auch Kommentar auf der Seite 2

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